Beruf & Karriere

Staatlich geprüfter Techniker vs. Bachelor: Welcher Abschluss lohnt sich mehr?

Du hast eine technische Ausbildung abgeschlossen und willst weiterkommen. Zwei Wege liegen auf der Hand: die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker oder ein Bachelorstudium neben dem Job. Beide Abschlüsse stehen auf derselben Stufe des Deutschen Qualifikationsrahmens – trotzdem unterscheiden sie sich bei Zugang, Kosten, Förderung, Gehalt und den Türen, die sie dir öffnen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Techniker und Bachelor liegen beide auf DQR-Niveau 6. Der Techniker bleibt aber ein beruflicher Abschluss nach Landesrecht, der Bachelor ist ein akademischer Grad.
  • Für Fachkräfte ohne Abitur ist der Techniker meist der schnellere Weg: Du kannst kurz nach der Ausbildung starten, fürs Studium brauchst du ohne Abitur in der Regel erst drei Jahre Berufspraxis.
  • Mit dem Aufstiegs-BAföG zahlst du beim Techniker nach bestandener Prüfung nur rund ein Viertel der Lehrgangskosten selbst. Für ein berufsbegleitendes Studium gibt es keine vergleichbare Förderung.
  • Technikerinnen und Techniker in der Elektrotechnik verdienen im Median rund 5.400 € brutto im Monat. Höhere Gehälter hängen an Stellen mit Ingenieuraufgaben – und dafür verlangen viele Arbeitgeber einen Hochschulabschluss.
  • Beide Wege lassen sich kombinieren: Wer erst den Techniker macht, kann sich Teile davon auf einen Bachelor anrechnen lassen. Wie viel, entscheidet jede Hochschule selbst.

Sind Techniker und Bachelor gleichwertig?

Formal ja: Der Deutsche Qualifikationsrahmen ordnet den staatlich geprüften Techniker und den Bachelor beide auf Niveau 6 von 8 ein. Gleichwertig heißt aber nicht gleichartig. Der Techniker ist ein beruflicher Fortbildungsabschluss, den eine Fachschule nach Landesrecht vergibt. Der Bachelor ist ein akademischer Grad, den nur eine Hochschule verleihen darf.

Für Verwirrung sorgt die Bezeichnung „Bachelor Professional in Technik“. Seit der Neufassung der Rahmenvereinbarung über Fachschulen der Kultusministerkonferenz im September 2020 dürfen die Länder vorsehen, dass Technikerinnen und Techniker diesen Zusatz in Klammern hinter ihrer Berufsbezeichnung führen. Bayern und Niedersachsen haben das bereits 2020 umgesetzt, andere Länder folgten später. Auf dem Zeugnis steht dann etwa: „Staatlich geprüfter Techniker (Bachelor Professional in Technik)“.

Ein akademischer Titel ist das nicht. Der Zusatz macht sichtbar, dass die Fortbildung auf demselben Niveau liegt wie ein Studium – er ersetzt es nicht. Im Lebenslauf gehört der Zusatz deshalb immer zur Berufsbezeichnung und steht nie allein.

Techniker vs. Bachelor: Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Die Tabelle zeigt die Unterschiede für den typischen Fall: eine Fachkraft mit abgeschlossener technischer Ausbildung, die berufsbegleitend weitermachen will. Die Zahlen beziehen sich auf die Fachrichtung Elektrotechnik.

KriteriumStaatlich geprüfter TechnikerBachelor (z. B. B.Eng.)
Art des Abschlusses Beruflicher Fortbildungsabschluss nach Landesrecht Akademischer Grad einer Hochschule
DQR-Niveau 6 6
Zugang ohne Abitur Berufsausbildung plus in der Regel ein Jahr Berufspraxis, die in Teilzeitform parallel laufen kann Meist Berufsausbildung plus drei Jahre Berufspraxis, dazu oft Gespräch oder Eignungsprüfung
Dauer neben dem Job 3 bis 4 Jahre (Fernlehrgänge meist 36 bis 42 Monate) 7 bis 9 Semester
Kosten Fernlehrgang bzw. Studium rund 7.400 bis 10.900 €; an öffentlichen Fachschulen kein Schulgeld rund 3.700 bis 14.300 € an staatlichen, rund 14.000 bis 15.100 € an privaten Hochschulen
Förderung Aufstiegs-BAföG: 50 % Zuschuss, bei bestandener Prüfung weitere 25 % erlassen BAföG nur im Vollzeitstudium; berufsbegleitend Arbeitgeber, Steuer, Aufstiegsstipendium
Berufsbezeichnung Ingenieur nein ja, bei ingenieurwissenschaftlichem Studium
Weg zum Master nur in Ausnahmen über Eignungsprüfung direkt

Worin unterscheiden sich Techniker und Ingenieur fachlich?

Die Technikerin lernt, erprobte Methoden sicher anzuwenden. Der Ingenieur lernt zusätzlich, warum eine Methode funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wann eine andere besser passt. Prof. Dr.-Ing. Michael Mann kennt beide Seiten: Er hat während seiner Promotion drei Jahre lang Meister und Techniker ausgebildet und leitet heute den berufsbegleitenden Bachelor Elektro- und Informationstechnik an der TH Aschaffenburg. Im Interview mit uns beschreibt er den Unterschied so:

„Ich vergleiche das gerne mit dem Kochen. Auf der einen Seite kann ich ein Rezept aus einem Kochbuch nehmen. […] Auf der anderen Seite kann ich den Kühlschrank öffnen, nachsehen, was vorhanden ist, und daraus etwas Eigenes zaubern. Das entspricht eher dem Ansatz eines Ingenieurstudiums.“

Das Rezept ist dabei kein Makel. Mit den Methoden aus der Technikerausbildung nehmen Fachkräfte laut Mann komplexe Maschinen in Betrieb und arbeiten an großen Projekten. Im Studium kommt die Abwägung hinzu: Methode A, B oder C – und bis zu welchem Punkt trägt welche?

So ist die Technikerausbildung aufgebaut

Elektrotechniker prüft einen Schaltschrank und dokumentiert die Messwerte auf einem Tablet
Anlagen in Betrieb nehmen, Fehler finden, Teams anleiten: Darauf bereitet die Technikerausbildung vor.

Die Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz schreibt für den Techniker mindestens 2.400 Unterrichtsstunden vor. Sie teilen sich auf einen fachrichtungsbezogenen Teil – in der Elektrotechnik etwa Automatisierung, Energietechnik und Steuerungstechnik – und einen fachrichtungsübergreifenden Teil mit Kommunikation, Englisch, Wirtschaft und Mitarbeiterführung. Den Abschluss bildet in der Regel eine Projektarbeit mit einer echten Aufgabenstellung aus der Praxis.

Die Ausbildung ist bewusst breit angelegt. Techniker arbeiten später oft an der Schnittstelle zwischen Werkstatt, Planung und Management: als Schichtleitung, in der Arbeitsvorbereitung, in der Qualitätssicherung oder im technischen Vertrieb.

So ist ein technisches Bachelorstudium aufgebaut

Ein Bachelor in Elektrotechnik umfasst 180 bis 210 ECTS-Punkte. Die ersten Semester gehören der Mathematik und Physik, danach folgen Grundlagen der Elektrotechnik, Messtechnik, Regelungstechnik und Informatik, meist mit Laboren. Am Ende schreibst du eine Bachelorarbeit, in der du eine Fragestellung wissenschaftlich bearbeitest.

Genau dieser Teil ist für viele Praktiker die größte Umstellung. An der TH Aschaffenburg wird deshalb dem Studium ein Mathematik-Vorkurs vorangestellt, der ungefähr auf dem Niveau der mittleren Reife ansetzt. Wie andere Studiengänge dieses Problem lösen, zeigt unser Vergleich Elektrotechnik im Fernstudium: WBH vs. AKAD.

Welche Voraussetzungen brauchst du für Techniker und Bachelor?

Für den Techniker brauchst du eine abgeschlossene, einschlägige Berufsausbildung und in der Regel mindestens ein Jahr Berufspraxis. In der Teilzeitform – also auch im Fernlehrgang – kann die Berufspraxis parallel zur Weiterbildung laufen. Ein Studium setzt ohne Abitur dagegen meist eine Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung voraus.

Zugang zur Technikerausbildung

Die Details regeln die Länder. Die meisten verlangen eine Ausbildung in einem Beruf, der zur gewählten Fachrichtung passt, also etwa Elektronikerin oder Mechatroniker für die Elektrotechnik. Wer den Techniker per Fernlehrgang macht, legt die staatliche Abschlussprüfung als Nichtschülerprüfung vor einem staatlichen Prüfungsausschuss ab, den der Anbieter in der Regel mit einer anerkannten Fachschule organisiert.

Ob es auch ohne Berufserfahrung geht, haben wir in der Community beantwortet: Kann ich den staatlich geprüften Techniker auch ohne Berufserfahrung machen?

Zugang zum Studium ohne Abitur

Schreibtisch mit Notizen, Formeln und Smartphone
Wer ohne Abitur studiert, muss Mathe oft auffrischen – viele Hochschulen bieten dafür Vorkurse an.

Seit einem Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2009 gelten bundesweit zwei Regeln:

  • Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung für Meisterinnen, Techniker, Fachwirte und vergleichbare Fortbildungsabschlüsse. Du kannst damit jedes Fach an jeder Hochschule studieren.
  • Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für Fachkräfte mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung und in der Regel drei Jahren Berufspraxis. Du kannst damit Fächer studieren, die zu deinem Beruf passen.

Wie die Länder das umsetzen, unterscheidet sich im Detail, etwa bei Eignungsprüfungen oder Probestudium. Die Regeln aller 16 Länder findest du im Beitrag Studium ohne Abitur: Die Regelungen der Bundesländer.

Ein Beispiel aus der Praxis: Für den berufsbegleitenden Bachelor Elektro- und Informationstechnik an der TH Aschaffenburg gibt es drei gleichwertige Zugänge – Meister oder Techniker, Facharbeiterausbildung plus drei Jahre einschlägige Berufserfahrung oder Abitur bzw. Fachhochschulreife plus ein Jahr Berufserfahrung. Ohne Hochschulreife folgt ein Bewerbungsgespräch.

Wie lange dauern Techniker und Bachelor neben dem Beruf?

Die Technikerausbildung dauert in Teilzeit drei bis vier Jahre, in Vollzeit zwei. Ein berufsbegleitender Bachelor braucht meist sieben bis neun Semester. Der eigentliche Zeitunterschied entsteht vorher: Ohne Abitur musst du fürs Studium in der Regel erst drei Jahre Berufspraxis sammeln, den Techniker kannst du deutlich früher beginnen.

Die folgende Übersicht zeigt, wann du ohne Abitur ungefähr am Ziel bist, gerechnet ab dem Ende deiner Ausbildung. Es sind Richtwerte, die je nach Anbieter, Bundesland und Anrechnung schwanken.

Weg ohne AbiturStartDauerAbschluss nach etwa
Techniker berufsbegleitend im ersten Berufsjahr 3 bis 4 Jahre 4 bis 5 Jahren
Bachelor berufsbegleitend nach 3 Jahren Berufspraxis 3,5 bis 4,5 Jahre 6,5 bis 7,5 Jahren
Erst Techniker, dann Bachelor mit Anrechnung Studium direkt nach dem Techniker 3 bis 4 Jahre plus 2,5 bis 3,5 Jahre 7 bis 8,5 Jahren, dafür zwei Abschlüsse

Mit Abitur oder Fachhochschulreife fällt der Vorlauf weg. Dann bist du mit einem berufsbegleitenden Bachelor ähnlich schnell am Ziel wie mit dem Techniker – und der Techniker verliert seinen Zeitvorteil.

Was kosten Techniker und Bachelor – und was bleibt nach der Förderung?

Ein Techniker-Fernlehrgang in Elektrotechnik kostet rund 7.400 bis 10.900 €. Mit dem Aufstiegs-BAföG sinkt dein Eigenanteil nach bestandener Prüfung auf etwa ein Viertel. Ein berufsbegleitender Bachelor kostet an staatlichen Hochschulen rund 3.700 bis 14.300 €, an privaten rund 14.000 bis 15.100 € – ohne vergleichbare staatliche Förderung.

Kosten der Techniker-Fernlehrgänge

Am günstigsten ist die Technikerschule vor Ort: An öffentlichen Fachschulen zahlst du kein Schulgeld, bist dafür aber an feste Unterrichtszeiten gebunden, in Teilzeit oft abends und samstags. Fernlehrgänge kosten mehr, lassen dir aber freie Zeiteinteilung. Die Preise in Elektrotechnik im Vergleich:

Kosten eines berufsbegleitenden Bachelors

Beim Studium ist die Spanne größer. Staatliche Angebote wie das Verbundstudium in Nordrhein-Westfalen oder das Fernstudium im Hochschulverbund zfh sind günstig, sehen aber häufig feste Präsenztermine vor. Die TH Aschaffenburg liegt mit rund 1.600 € pro Semester im oberen Bereich der staatlichen Angebote, bietet dafür echte Labore vor Ort. Private Fernhochschulen verlangen rund 14.000 bis 15.100 €, lassen dich aber fast vollständig online studieren.

StudiengangHochschuleStudiendauerKosten
Elektro- und Informationstechnik, Bachelor of Engineering
Fernstudium
Wilhelm Büchner Hochschule7 Semesterab 14193 € insgesamt
ab 237 € monatlich
Elektro- und Informationstechnik, Bachelor of Engineering
Berufsbegleitendes Studium
Technische Hochschule Aschaffenburg9 Semesterab 14310 € insgesamt
ab 1590 € Semesterbeitrag
Elektrotechnik, Bachelor of Engineering
Berufsbegleitendes Fernstudium
Institut für Verbundstudien NRW9 Semesterab 3726 € insgesamt
ab 108 € Semesterbeitrag
Elektrotechnik, Bachelor of Engineering
Fernstudium
Hochschule Anhalt9 Semesterab 5850 € insgesamt
ab 650 € Semesterbeitrag
Elektrotechnik, Bachelor of Engineering
Fernstudium
Zentrum für Fernstudien im Hochschulverbund8 Semesterab 4185 € insgesamt
ab 465 € Semesterbeitrag
Elektrotechnik, Bachelor of Engineering
Fernstudium
IU Internationale Hochschule6 Semesterab 15063 € insgesamt
ab 259 € monatlich

Aufstiegs-BAföG für den Techniker

Das Aufstiegs-BAföG übernimmt Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis 15.000 €, unabhängig von deinem Einkommen. Die Hälfte davon ist ein Zuschuss, die andere Hälfte ein zinsgünstiges Darlehen der KfW. Bestehst du die Prüfung, wird dir die Hälfte des Darlehens erlassen. Gründest du danach ein eigenes Unternehmen, kann das Restdarlehen vollständig entfallen.

Ein Rechenbeispiel mit dem Elektrotechniker-Lehrgang der SGD für 9.282 €:

  • Zuschuss: 4.641 €, den du nie zurückzahlst
  • Darlehen: 4.641 €, davon 2.320,50 € erlassen nach bestandener Prüfung
  • Eigenanteil: 2.320,50 €, zurückzuzahlen in Raten ab 128 € im Monat

Michael, der seinen Elektrotechniker berufsbegleitend am DAA-Technikum gemacht hat, erinnert sich im Gespräch mit uns: Es seien ein paar tausend Euro gewesen, die er nicht zurückzahlen musste. Alle Details zu Antrag und Fristen findest du im Beitrag Aufstiegs-BAföG für Fernstudium und Aufstiegsfortbildung.

Förderung für das berufsbegleitende Studium

Das normale BAföG hilft dir hier kaum. Es fördert nur ein Vollzeitstudium, ein Teilzeit- oder berufsbegleitendes Studium ist nicht förderfähig. Für Berufstätige bleiben andere Wege:

  • Arbeitgeber: Viele Unternehmen beteiligen sich an Gebühren oder stellen dich für Präsenztage frei, vor allem wenn das Studium zur Personalentwicklung passt. Wie du das Gespräch vorbereitest, zeigt unser Beitrag Fernstudium und Arbeitgeber.
  • Steuer: Ein Studium nach abgeschlossener Berufsausbildung gilt steuerlich als Zweitausbildung. Die Kosten kannst du deshalb als Werbungskosten absetzen. Mehr dazu im Beitrag Fernstudium von der Steuer absetzen.
  • Aufstiegsstipendium: Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung fördert mit dem Aufstiegsstipendium beruflich Qualifizierte beim ersten Studium, auch berufsbegleitend.
  • Anrechnung: Jedes angerechnete Modul spart Zeit und bei manchen Hochschulen auch Geld. An der Wilhelm Büchner Hochschule erlassen dir je 5 angerechnete ECTS-Punkte eine Monatsrate.

Verdienen Bachelor-Absolventen mehr als Techniker?

Im Schnitt ja – aber nicht wegen des Abschlusses allein. Die Bundesagentur für Arbeit misst Gehälter nach dem Anforderungsniveau der Tätigkeit, nicht nach der Urkunde. Eine Erhebung, die Techniker und Bachelor-Absolventen direkt vergleicht, gibt es nicht. Die Daten zeigen aber, wie stark das Gehalt mit der Stufe der Tätigkeit steigt.

AnforderungsniveauBeispielberufMedian brutto/Monat (Vollzeit)
Fachkraft (fachlich ausgerichtete Tätigkeiten) Elektromechaniker/in 4.057 €
Spezialist (komplexe Spezialistentätigkeiten) Techniker/in Elektrotechnik 5.392 € (mittlere Hälfte: 4.309 bis 6.712 €)
Experte (hoch komplexe Tätigkeiten) Testingenieur/in 7.026 €

Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Datenstand 2024. Die Stufe „Experte“ setzt in der Regel ein Studium voraus.

Der Sprung von der Fachkraft zum Techniker bringt also rund 1.300 € brutto im Monat. Für den nächsten Sprung zählt, ob du eine Stelle mit Ingenieuraufgaben bekommst. Genau dort wirkt der Bachelor als Türöffner.

Was Arbeitgeber in der Praxis verlangen

Ingenieurin und Projektleiter besprechen sich mit Tablet in einer Fertigungshalle
Projektleitung, Entwicklung, Einkauf: In größeren Unternehmen setzen solche Stellen oft einen Hochschulabschluss voraus.

Michael hat nach seinem Elektrotechniker lange in der Industrie gearbeitet. Seine Erfahrung: In mittleren und großen Unternehmen werden Stellen, die früher Techniker oder Meister besetzten, zunehmend mit Bachelor-Absolventen besetzt. Er würde heute deshalb den Bachelor wählen. Er schränkt aber ein: Wer in der Praxis bleiben will oder im Handwerk und im kleineren Mittelstand arbeitet, ist mit dem Techniker gut aufgestellt.

Prof. Mann beobachtet an der TH Aschaffenburg, dass berufsbegleitend Studierende einige Monate nach dem Abschluss oft mehr verdienen und häufig innerhalb eines halben Jahres eine neue Position übernehmen. Manche beginnen das Studium, weil sie merken, dass der Kollege am Nachbarschreibtisch mit Hochschulabschluss für ähnliche Arbeit mehr bekommt. Das ist die Beobachtung einer einzelnen Hochschule, keine Statistik – sie passt aber zum Bild aus dem Entgeltatlas.

Techniker, dann Bachelor: Wie viel lässt sich anrechnen?

Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz können Hochschulen außerhalb der Hochschule erworbene Kompetenzen auf bis zu 50 % eines Studiums anrechnen. Wie viel du davon tatsächlich bekommst, entscheidet jede Hochschule selbst. In der Praxis gibt es zwei Modelle: pauschale Anrechnung und Einzelfallprüfung.

Pauschale Anrechnung

Bei der pauschalen Anrechnung legt die Hochschule vorab fest, welche Module ein bestimmter Abschluss ersetzt. Du weißt dann schon vor der Einschreibung, wie viele ECTS-Punkte du mitbringst. Viele private Fernhochschulen arbeiten so oder kombinieren feste Anrechnungslisten mit einer kurzen Prüfung. Wie das konkret aussieht, zeigt unser Beitrag Anerkennung von Vorleistungen an der IU.

Anrechnung im Einzelfall

Andere Hochschulen prüfen jeden Antrag einzeln. Die TH Aschaffenburg hat sich nach zehn Jahren berufsbegleitender Studiengänge bewusst dafür entschieden. Prof. Mann erklärt, warum: Gerade beim Übergang vom Techniker zum Bachelor wolle man sicherstellen, dass der Schritt gelingt. Er nennt zwei Beispiele. Ein Student, der seit drei Jahren für 150 Mitarbeitende verantwortlich war und intern intensiv geschult wurde, bekam Personalführung angerechnet. Eine Vormittagsschulung in Qualitätsmanagement dagegen ersetzt keine Lehrveranstaltung.

Relativ sicher ist die Anrechnung der Praxisphase: Mit einschlägiger Berufserfahrung wird sie an der TH Aschaffenburg in sehr vielen Fällen erlassen, das sind 25 ECTS-Punkte.

Kann ich mit dem Techniker direkt einen Master machen?

In der Regel nicht. Ein Master setzt einen ersten Hochschulabschluss voraus, und den ersetzt der Techniker trotz DQR-Niveau 6 nicht. Einige Landeshochschulgesetze erlauben für weiterbildende Master Ausnahmen: Wer keinen Bachelor hat, kann dann über eine Eignungsprüfung zugelassen werden.

Solche Programme sind selten, und der Einstieg ist anspruchsvoll. Du springst ohne wissenschaftliche Grundlagen direkt auf Master-Niveau – Mathematik, Methoden und wissenschaftliches Schreiben musst du dir nebenher erarbeiten. Ein Beispiel für dieses Modell beschreibt unser Beitrag Master ohne Bachelor an der IU. Wer einen Master fest einplant, fährt mit dem Bachelor als Zwischenschritt meist sicherer.

Techniker oder Bachelor: Was passt zu deiner Situation?

Die Entscheidung hängt weniger am Abschluss als an deinem Ziel. Die Tabelle ordnet typische Ausgangslagen zu.

Deine SituationPassender WegWarum
Ausbildung, kein Abitur, du willst schnell aufsteigen Techniker Früher Start, Aufstiegs-BAföG, Abschluss nach 4 bis 5 Jahren
Du willst im Handwerk oder im kleineren Mittelstand bleiben Techniker Dort zählt Praxis mehr als ein akademischer Grad
Du willst in Entwicklung, Projektleitung oder in einen Konzern Bachelor Viele dieser Stellen setzen einen Hochschulabschluss voraus
Du hast Abitur oder Fachhochschulreife Bachelor Der Zeitvorteil des Technikers entfällt
Du willst später einen Master machen Bachelor Direkter Zugang ohne Eignungsprüfung
Du willst jetzt aufsteigen und dir das Studium offenhalten Erst Techniker, dann Bachelor Techniker öffnet den allgemeinen Hochschulzugang, Teile werden angerechnet

Eine Frage solltest du dir vor dem Studium ehrlich beantworten: Interessiert dich das Fach, oder willst du nur den Titel? Prof. Mann sieht genau darin den häufigsten Grund, warum es im Ingenieurstudium schwierig wird. Mathematik und Physik musst du nicht perfekt beherrschen, wenn du anfängst. Aber du solltest sie verstehen wollen.

Welche Technikerausbildung zu dir passt, kannst du mit unserem Techniker-Finder eingrenzen:

Finde in 2 Schritten den passenden Techniker-Fernlehrgang

1 2

Welche Fachrichtung passt zu deiner Ausbildung?

Welches Budget hast du eingeplant?

Häufige Fragen zu Techniker und Bachelor

Nein. Wenn dein Bundesland es vorsieht, darfst du den Zusatz „Bachelor Professional in Technik“ in Klammern hinter der Berufsbezeichnung führen. Die Bezeichnung „Bachelor“ allein steht nur Absolventinnen und Absolventen eines Hochschulstudiums zu.

Nein, eine Umschreibung gibt es nicht. Du kannst dir die Technikerausbildung aber auf ein Bachelorstudium anrechnen lassen und so Zeit und teilweise Gebühren sparen. Wie viel angerechnet wird, legt jede Hochschule selbst fest.

Nein. Die Berufsbezeichnung Ingenieurin oder Ingenieur ist durch die Ingenieurgesetze der Länder geschützt. Sie setzt ein abgeschlossenes Studium in einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung voraus.

Mit dem bestandenen Techniker erhältst du sogar mehr: die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung für ein Studium in jedem Fach. Viele Fachschulen bieten außerdem an, während der Ausbildung über eine Zusatzprüfung die Fachhochschulreife zu erwerben. Das kann sich lohnen, wenn du ein Studium schon früh einplanst.

Ohne Abitur oft ja. Du steigst früher auf, verdienst in der Zwischenzeit mehr und erwirbst mit dem Abschluss den allgemeinen Hochschulzugang. Einen Teil der Ausbildung kannst du dir anschließend anrechnen lassen. Mit Abitur ist der direkte Weg ins Studium meist schneller.

Kommentare