Mündliche Abiturprüfung im Fernabitur: Ablauf, Tipps und Erfahrungsbericht
Die mündlichen Prüfungen sind der letzte Schritt zum Abitur – und für viele der nervenaufreibendste. 30 Minuten Vorbereitung, dann Prüfungsgespräch unter vier Augen mit den Prüfern. Grundsätzlich muss davor niemand Angst haben – aber geschenkt wird einem hier nichts. In meinem Jahrgang hat die mündliche Prüfung mehr Leuten die Hochschulreife gekostet als die schriftliche.
- 4 mündliche Prüfungen in deinen Grundkursfächern (die nicht schriftlich geprüft werden).
- 30 Minuten Vorbereitungszeit – du bekommst die Aufgaben und darfst dir Notizen machen.
- Du kannst dich auf Spezialthemen vorbereiten – aber Grundwissen wird trotzdem abgefragt.
So läuft die mündliche Abiturprüfung ab
Du legst die mündliche Prüfung in vier Fächern ab – den Grundkursen, die du nicht schriftlich gewählt hast. Für die einzelnen Prüfungen musst du nicht den kompletten Stoff lernen. Je nach Fach kannst du dich gezielt auf bestimmte Themenbereiche (Spezialthemen) vorbereiten.
Der Ablauf: Du bekommst 30 Minuten Vorbereitungszeit, in der du die Aufgabenstellung liest und dir Notizen machst. In der anschließenden Prüfung (ca. 20–30 Minuten) präsentierst du zunächst deine Ergebnisse, dann befragen dich die Prüfer im Detail – auch über deine Spezialthemen hinaus.
Ablauf in den einzelnen Fächern
Deutsch
Du wählst schon bei der Prüfungsanmeldung zwei Lektüren, über die du geprüft werden willst – z.B. „Nathan der Weise", „Leben des Galilei" oder „Die Leiden des jungen Werther". In der Vorbereitungszeit bereitest du dich auf Fragen zu deinen zwei Werken vor. Die Prüfer gehen teilweise sehr ins Detail – erwarte Fragen zu Symbolik, Interpretationsansätzen und literarischem Kontext.
Chemie
Du entscheidest dich vorher für zwei Spezialthemen, z.B. Kohlenhydrate und Säuren & Basen. In der Vorbereitungszeit bekommst du Aufgabenstellungen zu den Themen. Aber Achtung: Die Prüfer beschränken sich nicht auf deine Spezialthemen – erwarte Querschläger ins Grundwissen. Eine reine Vorbereitung auf die Spezialthemen reicht meistens nicht.
Geschichte
Du wählst deine stärksten Themen, z.B. Imperialismus oder Antisemitismus. In der Vorbereitungszeit bekommst du eine kurze historische Textquelle, die du anhand verschiedener Fragen analysierst. Auch das Prüfungsgespräch dreht sich um genau diese Fragen – Geschichte ist daher eine relativ kalkulierbare Prüfung.
Fremdsprachen
Die mündlichen Prüfungen in den verschiedenen Fremdsprachen bestehen aus bis zu drei Bausteinen:
- Du wählst ein Buch oder Thema und wirst darüber in der Fremdsprache ausgefragt.
- Du bekommst einen Text in der Fremdsprache, den du vorlesen musst.
- Du übersetzt einen vorgegebenen Text in der Vorbereitungszeit.
Wichtig für Fernlerner: Das mündliche Sprechen in der Fremdsprache ist die größte Hürde – im Fernstudium fehlt die Übung. Wer Latein als zweite Fremdsprache gewählt hat, umgeht dieses Problem, weil die Latein-Prüfung auf Deutsch stattfindet. Mehr dazu: Fächerwahl im Fernabitur.
Religion
Du konzentrierst dich auf zwei große Themen, z.B. Islam und Judentum. Du wirst entweder mit mehreren Fragen zu deinen Themen konfrontiert oder mit einer Impulsfrage, auf die du frei antworten musst.
Biologie
Die häufigsten Themen sind Evolution und Ethologie. In der Vorbereitungszeit bereitest du dich auf Fragen zu deinen Spezialthemen vor. Es kann auch ein Versuch dabei sein, den du analysieren musst.
Geografie
Spezialthemen wie Ökosystem Wald, Tropischer Regenwald oder Bevölkerungsentwicklung stehen zur Wahl. Du bekommst Quellen und Materialien, anhand derer du Fragen beantwortest. Die Prüfer stellen aber auch anspruchsvolle Zwischenfragen jenseits deiner Spezialthemen.
Physik
Die typischen Spezialbereiche sind Wellenoptik und elektromagnetische Induktion. Oft wird nur eine Frage pro Bereich gestellt, aber auch mehrere sind möglich. Die Lösungen musst du teilweise anschaulich darstellen – zum Beispiel auf einem Whiteboard oder einer Folie.
Meine Erfahrungen in den mündlichen Prüfungen
Ich hatte in der mündlichen Prüfung die Fächer Deutsch, Chemie, Geschichte und Geografie. Warm geworden bin ich mit mündlichen Prüfungen noch nie – und das hat sich auch beim Abi nicht geändert.
Deutsch – 8 Punkte
Ich hatte „Nathan der Weise" und „Homo Faber" gewählt. Vorbereitet hatte ich mich ehrlich gesagt kaum – die Bücher zweimal als Hörbuch gehört und je einen Lektüreschlüssel gelesen. Die Fragen waren dann richtig heftig tiefgehend. Ein Prüfer wollte zum Beispiel wissen, wofür die weißen Lilien an einer bestimmten Stelle in „Homo Faber" symbolisch stehen. Bei solchen Fragen war ich aufgeschmissen. Aber es gab auch ein paar Fragen für „Nicht-Deutsch-Genies", mit denen ich Punkte sammeln konnte.
Chemie – 4 Punkte
Die Chemie-Prüfung war ein absoluter Reinfall. Mein Thema war das Säure-Base-Gleichgewicht, Ausgangspunkt war die Inhaltsangabe eines Mineralwassers. Das Problem: Die Prüfer beschränkten sich nicht auf meine Spezialthemen, sondern stellten viele Fragen ins Grundwissen – Grundwissen, das bei mir schon zwei Jahre zurücklag und das ich in der Annahme, nur die Spezialthemen würden geprüft, nicht wiederholt hatte. Die ILS-Studienhefte und zusätzliche Bücher reichten nicht für dieses Niveau. Vier Gnadenpunkte – das war alles.
Meine Lektion: Beschränke dich in der Vorbereitung nie nur auf deine Spezialthemen. Das Grundwissen wird abgefragt – und wenn du es nicht parat hast, hilft dir auch das beste Spezialwissen nicht.
Geschichte – 11 Punkte
Vor Geschichte hatte ich am meisten Angst – auswendig lernen war nie meine Stärke. Am Tag zuvor haben mir meine Mitbewohner in der Prüfungs-WG nochmal den kompletten Stoff in Kurzfassung ins Hirn gestopft. Und das hat tatsächlich geholfen. Die Prüfung war machbar – die Fragen waren gut zu beantworten, keine extrem schwierigen Ausreißer. Mein bestes mündliches Ergebnis, obwohl ich vor diesem Fach am meisten Angst hatte.
Geografie – 4 Punkte
In Geografie bin ich nach dem Motto „Mut zur Lücke" gegangen. Meine Themen waren „Ökosystem Wald" und „Demografie". Die Fragen hätte ich wahrscheinlich gut beantworten können – aber ein Prüfer machte es sich zur Aufgabe, die gestellten Aufgaben zu ignorieren und mir stattdessen Fragen zu stellen, die extrem ins Detail gingen. Die meisten konnte ich nicht beantworten. Selbst mit besserer Vorbereitung wäre das schwierig geworden.
Die äußeren Bedingungen
Bei den mündlichen Prüfungen waren die Bedingungen deutlich besser als bei den schriftlichen. Ein großer Flur, in dem sich alle Prüflinge sammelten. Eine Vertreterin der Fernschule war anwesend, um zu beruhigen (und zu beraten, wenn es Fünfer und Sechser gehagelt hatte). Von dort wurden wir in den Vorbereitungsraum geführt und dann in den Prüfungsraum begleitet. Es war ruhig und man war ungestört.
Tipps für die mündliche Prüfung
- Ruhe bewahren: Wenn du die Antwort auf eine Frage nicht weißt, gib es lieber offen zu, statt herumzudrucksen. Oft kannst du durch Ersatzfragen noch Punkte sammeln.
- Aufgabenstellung genau lesen: In der Vorbereitungszeit hast du oft nur eine oder zwei Fragen pro Spezialbereich. Wenn du eine Frage falsch verstehst, ist das fatal – lies alles zweimal.
- Grundwissen nicht vergessen: Beschränke dich in der Vorbereitung nicht nur auf deine Spezialthemen. Die Prüfer stellen auch Querschläger ins Grundwissen – und wenn du da blank bist, sieht es schlecht aus. Das war mein größter Fehler in Chemie.
- Die mündliche Prüfung ernst nehmen: Glaube nicht, dass der schlimmste Teil vorbei ist, weil du die schriftliche Prüfung geschafft hast. Viele fallen hier kurz vor dem Ziel durch – und eine Nachprüfung gibt es im Mündlichen nicht.
- Sprechen üben (Fremdsprachen!): Wenn du eine Fremdsprache mündlich hast, übe das Sprechen – auch wenn es im Fernstudium schwierig ist. Tandem-Partner, Online-Tutoren oder KI-Sprachassistenten können helfen. Mehr dazu: KI-Tools fürs Fernabitur.
Häufige Fragen zur mündlichen Prüfung
In vier Fächern. Das sind die vier Grundkurse, die du nicht schriftlich gewählt hast. Insgesamt legst du also 8 Prüfungen ab: 4 schriftlich (2 LK + 2 GK) und 4 mündlich. Mehr zum Aufbau: Grundkurs oder Leistungskurs.
Ja, in den meisten Fächern kannst du Themenschwerpunkte vorgeben, auf die sich die Prüfung konzentriert. In Hamburg (ILS, Fernakademie) ist das sogar ein ausdrücklicher Vorteil. Aber Achtung: Die Prüfer sind nicht auf deine Spezialthemen beschränkt und können auch Grundwissen-Fragen stellen.
Du hast 30 Minuten Vorbereitungszeit (allein mit der Aufgabenstellung, du darfst dir Notizen machen). Die eigentliche Prüfung dauert dann etwa 20 bis 30 Minuten – erst deine Präsentation, dann Fragen der Prüfer.
Eine einzelne schwache Note (z.B. 4 Punkte) bedeutet nicht zwingend das Aus – es gibt Ausgleichsregelungen. Aber eine Null-Punkte-Bewertung in einem Fach führt in der Regel zum Durchfallen. Und im Gegensatz zur schriftlichen Prüfung gibt es für die mündliche Prüfung keine Nachprüfung. Nimm sie ernst. Mehr dazu: Fernabitur Durchfallquote.
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Kommentare
Also unterlasse bitte deine respektlosen und degradierenden Aussagen über die Bildung anderer Menschen :) Man hat bei jedem System Vor- und Nachteile. Vielleicht erstmal bisschen informieren, bevor man urteilt und beleidigend wird :)