Fernabitur & Schule

Das kostet ein Fernabitur: Schulgebühren & Nebenkosten (es ist teuer!)

Die monatlichen Kursgebühren für ein Fernabitur sehen erst mal überschaubar aus – ab etwa 150 € im Monat. Doch wer nur auf die Studiengebühren schaut, wird am Ende überrascht sein: Mit Seminaren, Reisekosten, Lehrbüchern und Prüfungsgebühren landen die Gesamtkosten in der Praxis schnell bei 7.000 bis 9.000 €. Damit du weißt, worauf du dich einlässt, zeige ich hier alle Kostenpositionen transparent auf – und wie du sie reduzieren kannst.

Schulgebühren für das Fernabitur im Überblick

Die Studiengebühren sind der größte Posten – und zugleich der transparenteste. Sie stehen von Beginn an fest und werden in monatlichen Raten gezahlt. Wie viel du zahlst, hängt vor allem von deiner Vorbildung ab: Wer einen frischen Realschulabschluss hat, steigt günstiger ein als jemand mit Hauptschulabschluss.

Fernabitur-Kurse im Vergleich. Die Preise beziehen sich auf die jeweils günstigste Einstiegsstufe.
KursAnbieterStudiendauerKosten
24 Monateab 2844 € insgesamt
ab 237 € monatlich
30 Monateab 4620 € insgesamt
ab 154 € monatlich
30 Monateab 4620 € insgesamt
ab 154 € monatlich
36 Monateab 5256 € insgesamt
ab 150 € monatlich
32 Monateab 6720 € insgesamt
ab 210 € monatlich
24 Monateab 7176 € insgesamt
ab 299 € monatlich

Du siehst, dass du bei fast allen Fernschulen verschiedene Einstiegsmöglichkeiten hast. Wenn dein Realschulabschluss nicht länger als 5 Jahre her ist, wird es am günstigsten. Teurer wird es, wenn du einen Hauptschulabschluss hast – dann dauert der Kurs länger und die Gesamtkosten steigen entsprechend.

Wichtig zu wissen:

  • Alle Kurse haben eine feste Regelstudienzeit (je nach Einstieg 24–42 Monate). Wenn du länger brauchst, kannst du an allen Schulen eine kostenlose Verlängerung von 18 bis 24 Monaten in Anspruch nehmen.
  • Die Studiengebühren sind von der Mehrwertsteuer befreit (§ 4 Nr. 21 UStG).
  • Alle Klett-Fernschulen (ILS, SGD, Fernakademie) bieten 4 Wochen kostenloses Probestudium an.

Auch wenn die Kursgebühren schon recht hoch aussehen – in den meisten Fällen sind sie nur ein Teil der Gesamtkosten. Alle Kurse im Detail: Kursvergleich Fernabitur.

Was kosten die Seminare – und sind sie im Preis enthalten?

Je nach Fernschule nimmst du an Seminaren teil, in denen Stoff wiederholt wird und du Probeklausuren schreibst. Die Pflichtseminare zur Prüfungsvorbereitung (insbesondere für die mündliche Prüfung) sind bei den meisten Schulen in den Studiengebühren enthalten.

Darüber hinaus bieten fast alle Schulen optionale Zusatzseminare an. Diese kosten extra – zwischen 130 und 260 € pro Seminar. Bei einigen Anbietern gibt es bis zu acht Seminare, wodurch die Seminargebühren einen ziemlich großen Posten ausmachen können.

In Zusammenhang mit den Seminaren entstehen allerdings noch weitere Kosten, an die man zuerst gar nicht denkt: Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten.

Die Seminare finden am Standort der Fernschule statt – in Hamburg (ILS, SGD, Fernakademie), in Stuttgart (Lernzentrum am Killesberg) oder online (CK-Fernakademie, Rampitsch). Wenn du von weiter weg kommst, musst du Anreise und Unterkunft einkalkulieren.

Hier einige Preisbeispiele für ein Seminar über 2 Wochen:

UnterkunftPreis pro NachtÜbernachtungskosten (12 Nächte)
Jugendherberge 20–30 € 240–360 €
Einfaches Hotel/Gasthof 40–60 € 480–720 €
Appartement (Airbnb o.ä.) 50–80 € 600–960 €

Hinzu kommen Verpflegungskosten. In einem Hotel kannst du nicht selbst kochen – rechne mit 15 bis 25 € pro Tag. In einer Jugendherberge oder einem Appartement lässt sich hier sparen.

Kosten für zusätzliche Lehrbücher

Zusätzliche Übungsbücher brauchst du wahrscheinlich für Mathe. Teilweise kannst du sie gebraucht kaufen.

Die Studienhefte der Fernschulen decken den Lernstoff grundsätzlich ab. Erfahrungsgemäß brauchen jedoch die meisten Fernlernenden zusätzliches Material:

  • Deutsch-Lektüren: Die Pflichtlektüren werden in der Regel kostenlos gestellt. Alle weiteren – und das sind nicht wenige – musst du dir selbst besorgen.
  • Mathematik: Das mit Abstand häufigste Problemfach. Die Übungsaufgaben in den Studienheften reichen für das Prüfungsniveau oft nicht aus. Stark-Abituraufgaben und ergänzende Schulbücher sind fast unverzichtbar.
  • Prüfungsvorbereitung: Für die Leistungsfächer ist ein tiefgreifendes Detailwissen nötig, das die Studienhefte nicht immer im gewünschten Umfang vermitteln.

Tipp: Frage in der Onlinecommunity deiner Fernschule andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ob sie dir günstig ihre gebrauchten Bücher überlassen. Auch auf Amazon gibt es gebrauchte Exemplare zu kleinen Preisen.

Mehr dazu: Fernabi: Brauche ich zusätzliches Lernmaterial?

Die Prüfungsgebühren nicht vergessen

Ein Posten, den viele übersehen: Die Externenprüfung selbst ist nicht kostenlos. Die meisten Fernschul-Absolventinnen und -Absolventen legen die Prüfung in Hamburg ab – dort beträgt die Anmeldegebühr 278 €. In anderen Bundesländern variieren die Gebühren.

Gut zu wissen: Wer BAföG oder Leistungen nach SGB II bezieht, kann sich von der Prüfungsgebühr befreien lassen.

Beispielrechnung: Was das Fernabitur insgesamt kostet

Hier eine realistische Beispielrechnung für ein Fernabitur mit 30 Monaten Regelstudienzeit am ILS oder an der Fernakademie:

PostenKosten
Kursgebühren (30 Mon. × 154 €) 4.620 €
Optionale Seminare (3 × 200 €) 600 €
Reisekosten (Bahntickets für 4 Fahrten nach Hamburg) 500 €
Übernachtung (3 Seminare × 12 Nächte × 45 €) 1.620 €
Verpflegung (36 Tage × 20 €) 720 €
Prüfungsgebühr Hamburg 278 €
Lehrbücher und Übungsmaterial 250 €
Gesamt ca. 8.600 €

Überrascht? Auf den ersten Blick sieht man nur die Kursgebühren – und dass sich die Gesamtkosten schnell verdoppeln können, daran denkt vor der Anmeldung kaum jemand. Wenn du das Abi nachmachen willst, informiere dich vorher genau, wie viel dich die Sache kosten wird. So gibt es später keine bösen Überraschungen.

Hinweis: Die Seminare finden bei einigen Anbietern mittlerweile auch online statt (CK-Fernakademie, Privatakademie Rampitsch). Dort fallen keine Reise- und Übernachtungskosten an – dafür sind die Kursgebühren oft höher.

Wie du die Kosten senken kannst

Die Gesamtkosten klingen hoch – aber es gibt mehrere Wege, die Belastung deutlich zu reduzieren:

  • Schüler-BAföG: Für die letzten 12 Monate deines Lehrgangs kannst du Schüler-BAföG beantragen. Es ist ein Vollzuschuss – du musst nichts zurückzahlen. Voraussetzung: mindestens 6 Monate erfolgreiche Teilnahme und Vollzeit-Beanspruchung.
  • Kindergeld: Wenn du unter 25 bist und mindestens 10 Stunden pro Woche lernst, gilt das Fernabitur als Berufsausbildung – und du hast Anspruch auf 250 € Kindergeld pro Monat. Mehr dazu: Fernabitur und Kindergeld.
  • Bildungsgutschein: Wenn du arbeitssuchend bist, kann die Agentur für Arbeit die Kosten über einen Bildungsgutschein zu 100 % übernehmen – inklusive Kursgebühren, Prüfungsgebühren und Reisekosten. Frage bei deiner zuständigen Agentur nach.
  • Steuerlich absetzen: Die Fernschul-Gebühren sind steuerlich absetzbar. Wenn du bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, gilt das Fernabitur als Zweitausbildung – dann kannst du die Kosten unbegrenzt als Werbungskosten absetzen (auch per Verlustvortrag, wenn du noch nicht arbeitest). Bei einer Erstausbildung sind sie als Sonderausgaben bis 6.000 €/Jahr absetzbar. Mehr dazu: Fernstudium steuerlich absetzen.
  • Kostenlose Alternative: Wenn dir die Kosten zu hoch sind, ist ein Abendgymnasium oder Kolleg die kostenlose Alternative. Dort zahlst du keine Kursgebühren – und hast unter Umständen sogar ab dem ersten Tag Anspruch auf Schüler-BAföG. Der Preis: weniger Flexibilität und feste Unterrichtszeiten.

Häufige Fragen zu den Kosten des Fernabiturs

In der Regel nicht. Die Fernschulen berechnen die volle Studiengebühr unabhängig davon, wie schnell du den Kurs abschließt. Wenn du vor Ende der Regelstudienzeit fertig bist, zahlst du die restlichen Monatsraten trotzdem – oder begleichst den Restbetrag auf einen Schlag. Mehr zur Dauer: Fernabitur Dauer: So lange dauert es wirklich.

Ja. Wenn du bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, gilt das Fernabitur als Zweitausbildung. Dann kannst du sämtliche Kosten (Kursgebühren, Fahrtkosten, Übernachtung, Lehrbücher) unbegrenzt als Werbungskosten absetzen – auch per Verlustvortrag, wenn du aktuell kein Einkommen hast. Bei einer Erstausbildung (ohne vorherige Berufsausbildung) sind die Kosten als Sonderausgaben bis maximal 6.000 € pro Jahr absetzbar.

Ja, staatliche Abendgymnasien und Kollegs erheben keine Kursgebühren. Du zahlst lediglich Fahrtkosten und ggf. Lehrmaterialien. Außerdem hast du dort unter Umständen ab dem ersten Tag Anspruch auf Schüler-BAföG – beim Fernabitur erst in den letzten 12 Monaten. Der Nachteil: feste Unterrichtszeiten und weniger Flexibilität. Mehr dazu: Abendschulen und Kollegs in Deutschland.

Alle großen Fernschulen bieten eine kostenlose Verlängerung von 18 bis 24 Monaten an. In dieser Zeit wirst du weiter betreut, ohne Mehrkosten. Erst danach werden wieder Gebühren fällig – typischerweise ein Monatsbeitrag pro Quartal.

Ja. Ein Abendgymnasium oder Kolleg ist kostenlos. Die Externenprüfung auf eigene Faust (ohne Fernschule) kostet nur Lehrbücher und die Prüfungsgebühr – ist aber extrem riskant und hat eine hohe Abbrecherquote. Mehr zu allen Wegen: Fernabitur Durchfallquote: Warum 90 % abbrechen, aber 90 % bestehen.

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