Fernabitur: Welche zweite Fremdsprache soll ich wählen?
Neben Englisch brauchst du für das Fernabitur eine zweite Fremdsprache – und diese Wahl hat es in sich. Denn anders als in der Schule musst du die Sprache im Fernstudium weitgehend allein lernen, ohne Gesprächspartner, ohne Unterricht. Welche Sprache unter diesen Bedingungen am besten funktioniert, hängt von deinen Vorkenntnissen, deinen Zielen und einer oft übersehenen Frage ab: Wie läuft die mündliche Prüfung?
- Zur Wahl stehen meist Französisch, Spanisch, Latein und Russisch – je nach Fernschule.
- Alle Sprachen können von Null begonnen werden – Vorkenntnisse sind nicht nötig.
- Der größte Unterschied für Fernlerner: Bei Latein findet die mündliche Prüfung auf Deutsch statt – bei allen anderen Sprachen musst du in der Fremdsprache sprechen.
Die Sprachen im Vergleich
| Sprache | Schwierigkeit | Mündl. Prüfung | Praktischer Nutzen | Verfügbar bei |
|---|---|---|---|---|
| Französisch | Mittel | Auf Französisch | Hoch (Beruf, Studium, Reisen) | ILS, SGD, FEB, Killesberg, CK |
| Spanisch | Eher leicht | Auf Spanisch | Hoch (Weltsprache) | ILS, SGD, CK |
| Latein | Hoch (Grammatik) | Auf Deutsch! | Gering (aber Latinum) | Alle Anbieter |
| Russisch | Hoch | Auf Russisch | Mittel (Nische) | ILS, FEB, CK |
Französisch – die beliebteste Wahl
Französisch ist die am häufigsten gewählte zweite Fremdsprache im Fernabitur – oft, weil viele bereits Vorkenntnisse aus der Schule mitbringen.
Vorteile:
- Die Grammatik ist weniger komplex als die deutsche und relativ systematisch erlernbar.
- Viele Vokabeln ähneln dem Englischen und Deutschen – der Wortschatz baut sich schnell auf.
- Französisch hat hohen praktischen Nutzen – in Beruf, Studium und auf Reisen. Viel Sekundärliteratur in den Geisteswissenschaften ist auf Französisch.
- Großes Angebot an Filmen, Podcasts und Online-Ressourcen zum Üben.
Nachteile:
- Die Aussprache ist schwierig – und im Fernstudium ohne Gesprächspartner schwer zu üben.
- Die mündliche Prüfung findet auf Französisch statt: Du musst über Literatur und Landeskunde sprechen. Das ist die größte Hürde für Fernlerner.
Spanisch – die leichteste romanische Sprache
Spanisch gehört wie Französisch zu den romanischen Sprachen, gilt aber als etwas leichter erlernbar – vor allem in der Aussprache.
Vorteile:
- Die Grammatik ist relativ einfach und regelmäßig.
- Die Aussprache ist phonetischer als im Französischen – man spricht, wie man schreibt.
- Spanisch ist eine Weltsprache mit hohem praktischem Nutzen.
- Viele Ähnlichkeiten zu englischen und deutschen Vokabeln.
Nachteile:
- Die mündliche Prüfung findet auf Spanisch statt – gleiches Problem wie bei Französisch.
- Nicht bei allen Fernschulen verfügbar (nicht bei Killesberg und Rampitsch).
- Weniger Sekundärliteratur für geisteswissenschaftliche Studiengänge als bei Französisch.
Latein – die oft unterschätzte Option
Latein ist die Sprache, die auf den ersten Blick am wenigsten attraktiv wirkt – kein praktischer Nutzen, komplexe Grammatik, lernintensiv. Und trotzdem ist Latein für Fernlerner oft die cleverste Wahl. Der Grund:
Weitere Vorteile:
- Bei Bestehen der Abiturprüfung in Latein erhältst du das Große Latinum – ein anerkannter Nachweis, der für viele geisteswissenschaftliche Studiengänge benötigt wird.
- Latein schärft das Verständnis für Grammatik und Sprachstrukturen – auch im Deutschen.
- Latein ist eine gute Grundlage, um später Französisch, Spanisch oder Italienisch schneller zu lernen.
- Latein ist systematisch lernbar – Regeln, Formen, Muster. Kein Smalltalk, kein Hörverständnis.
Nachteile:
- Die Grammatik ist sehr komplex – Deklinationen, Konjugationen, Satzstrukturen. Das braucht Zeit und Ausdauer.
- Latein ist lernintensiv – du brauchst konstante Übersetzungsarbeit, um nicht den Faden zu verlieren.
- Kein praktischer Kommunikationsnutzen im Alltag.
Russisch – nur mit Vorkenntnissen empfehlenswert
Russisch ist eine schöne, aber komplexe Sprache. Für das Fernabitur ist sie nur unter bestimmten Bedingungen eine gute Wahl.
Vorteile:
- Die Grammatik ähnelt in vielem der deutschen Grammatik.
- Die Aussprache ist vergleichsweise leicht – gut für die mündliche Prüfung.
- Ideal für Herkunftssprecherinnen und Herkunftssprecher, die die Sprache bereits sprechen.
Nachteile:
- Von Null ist Russisch extrem schwer zu lernen – kyrillisches Alphabet, komplexes Kasussystem.
- Nur bei wenigen Fernschulen verfügbar (ILS, FEB, CK – nicht bei SGD und Killesberg).
- Wenig Lernressourcen im Vergleich zu Französisch oder Spanisch.
Empfehlung: Russisch nur wählen, wenn du bereits Vorkenntnisse hast – etwa als Herkunftssprache oder durch mehrere Jahre Schulunterricht.
Welche Sprache passt zu dir?
Eine grobe Orientierung:
- Du hast Vorkenntnisse in einer Sprache? → Nutze sie. Der Aufwand, auf eine bekannte Sprache aufzubauen, ist deutlich geringer als bei Null zu beginnen.
- Du willst auf Nummer sicher gehen? → Latein. Keine mündliche Prüfung in der Fremdsprache, systematisch lernbar, Großes Latinum als Bonus.
- Du willst eine Sprache, die du auch praktisch nutzen kannst? → Französisch oder Spanisch. Bedenke aber, dass du die mündliche Prüfung in der Sprache ablegen musst – und das Sprechen im Fernstudium die schwerste Fertigkeit ist.
- Du bist Herkunftssprecher Russisch? → Russisch. Großer Vorteil gegenüber allen, die bei Null beginnen.
Übrigens: Einige Fernschulen bieten Muttersprachlern auch die Möglichkeit, andere Sprachen zu wählen, die nicht durch Studienhefte vermittelt werden – etwa Italienisch oder Türkisch. Voraussetzung ist, dass die Sprache im Prüfungsbundesland als Abiturfach zugelassen ist und ein Prüfer verfügbar ist.
Mehr zur Fächerwahl insgesamt: Fächerwahl im Fernabitur: Welche Fächer, welche Sprache, welche Kombination?
Häufige Fragen zur Fremdsprachenwahl
Ja, bei allen Fernschulen. Die Kurse sind als Anfängerkurse konzipiert und setzen keine Vorkenntnisse voraus. Du lernst die Sprache von Grund auf – inklusive Alphabet (bei Russisch) oder Basisgrammatik (bei Latein). Rechne aber mit entsprechend mehr Lernaufwand als bei einer Sprache, die du schon kennst.
Theoretisch ja – die Prüfungsordnungen verlangen „zwei Fremdsprachen", nicht zwingend Englisch. In der Praxis ist das aber unrealistisch, weil alle Fernschulen Englisch als erste Fremdsprache vorsehen und keine Studienhefte für Englisch-Ersatz anbieten. Englisch abzuwählen würde bedeuten, zwei Sprachen von Null zu lernen – davon ist dringend abzuraten.
Nicht unbedingt einfacher – aber sicherer. Die Grammatik ist komplexer als im Französischen. Aber der entscheidende Vorteil: Du musst in der Prüfung nicht Latein sprechen. Bei Französisch musst du in der mündlichen Prüfung frei auf Französisch über Literatur und Landeskunde diskutieren – eine Fertigkeit, die im Fernstudium ohne Gesprächspartner extrem schwer zu entwickeln ist.
Grundsätzlich ja, aber mit erheblichem Aufwand. Du müsstest alle bereits bearbeiteten Studienhefte in der alten Sprache verwerfen und in der neuen von vorn beginnen. Überlege dir die Wahl also gut – am besten schon vor oder direkt zu Beginn des Fernabiturs.
Fächerwahl im Fernabitur. Welche Fernschule welche Sprachen anbietet: Anbietervergleich. Alle Kurse: Kursvergleich Fernabitur.

Kommentare
Außerdem sind die Ähnlichkeiten im Deutschen stark Zeit und gebietsabhänging. Vor etwa einem Jahrhundert wies die deutsche Sprache mehr französische Worte auf und in Süddeutschland nahe der französischen Grenze sind ebenfalls mehr französische Worte in der Alltagssprache zu finden, als in Norddeutschland in der Nähe von Dänemark. Dafür ist es für Norddeutsche einfach, Niederländisch, Dänisch oder Englisch zu lernen, vor allem unter Beihilfe vom Niederdeutschen, welches mit den ersten beiden Sprachen sehr nahe bis nahe verwandt ist und eine frühe Form des Niederdeutschen war sogar der Ursprung des Englischen, wodurch sich entsprechend im Wortschatz, in der Aussprache und der Bedeutung viele Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten finden lassen. In meinem Fall führt das sogar dazu, dass ich im eingeschränken Rahmen sogar Schwedisch verstehe, obwohl ich es eigentlich nie gelernt habe. Von daher kann ich den Punkt übers Französische in nicht bestätigen.
Französische eine einfache Sprache ?
Also Spanisch und italienisch finde ich da sehr viel einfacher.
Der Lernaufwand ( Vokabeln ) ist doch sehr enorm.
Liebe Grüße Nadja
denke, dass der Vokabel-Lernaufwand für jede der genannten Sprachen enorm ist (am meisten wahrscheinlich für Latein) – zumindest dann, wenn man nicht smart genaug lernt. Wenn man aber mit Filmen, Audio-CDs, Lernsoftware wie Rosetta Stone etc. lernt, muss man gar nicht zwangsläufig stur Vokabeln von Vokabelkarten lernen. Siehe auch diesen Beitrag: So lernst du fließend Französisch fürs Fernabi im Schlaf