Fernabitur & Schule

Fernabitur: Wie sich deine Abiturnote aus Punkten und Prüfungen zusammensetzt

Sobald du die Prüfungen hinter dir hast, steht auf deinem Zeugnis eine Zahl, die alles zusammenfasst: dein Abitur-Durchschnitt. Aber wie kommt diese Zahl zustande? Beim Fernabitur zählt – anders als am Gymnasium – ausschließlich die Prüfungsleistung. Keine Einsendeaufgaben, keine Probeklausuren, keine Zwischennoten. Nur das, was du in den 8 Prüfungen zeigst.

  • Dein Zeugnis enthält 8 Prüfungsfächer – 4 schriftlich, 4 mündlich.
  • Bewertet wird im Punktesystem (0–15 Punkte statt Noten 1–6).
  • Leistungskurse zählen stärker als Grundkurse, schriftliche stärker als mündliche.
  • Die genaue Gewichtung hängt vom Bundesland ab, in dem du die Prüfung ablegst.

Das Punktesystem: Punkte statt Noten

Im Abitur werden keine Schulnoten von 1 bis 6 vergeben, sondern Punkte von 0 bis 15. Das ist für alle, die Haupt- oder Realschule kennen, anfangs ungewohnt. Die Umrechnung ist aber einfach:

PunkteNoteBewertung
15 / 14 / 13 1+ / 1 / 1– sehr gut
12 / 11 / 10 2+ / 2 / 2– gut
9 / 8 / 7 3+ / 3 / 3– befriedigend
6 / 5 / 4 4+ / 4 / 4– ausreichend
3 / 2 / 1 5+ / 5 / 5– mangelhaft
0 6 ungenügend

Dieses System ist deutschlandweit einheitlich (KMK-Standard) und gilt für alle Formen der Abiturprüfung.

Was ins Zeugnis einfließt – und was nicht

Beim Fernabitur ist das Zeugnis reiner Prüfungsspiegel. Das macht es einerseits transparent, andererseits gnadenlos: Du hast keine Kurshalbjahr-Noten, keine Mitarbeitsnoten und keine sonstigen Leistungen, die eine schlechte Prüfung ausgleichen könnten.

Konkret heißt das:

  • Zählt: Deine Leistung in den 4 schriftlichen + 4 mündlichen Prüfungen.
  • Zählt nicht: Einsendeaufgaben, Probeklausuren, Zwischenprüfungen, Seminar-Ergebnisse.

Das einzige Sicherheitsnetz: In manchen Bundesländern gibt es die Möglichkeit einer mündlichen Nachprüfung (Ergänzungsprüfung) in schriftlichen Fächern, wenn das Ergebnis deutlich unter den Erwartungen liegt.

Wie die Gewichtung funktioniert

Nicht alle Prüfungsfächer zählen gleich viel. Die Grundregel: Leistungskurse zählen mehr als Grundkurse, und schriftliche Prüfungen zählen mehr als mündliche.

Die genaue Gewichtung unterscheidet sich je nach Bundesland. Hier die Regelung für Hamburg (ILS, Fernakademie), die für die meisten Fernabitur-Absolventinnen und -Absolventen relevant ist:

PrüfungsartGewichtungsfaktor
Schriftlich, Leistungskurs (eA) × 12
Schriftlich, Leistungskurs mit Nachprüfung × 6 (schriftl.) + × 6 (mündl.)
Schriftlich, Grundkurs (gA) × 8
Schriftlich, Grundkurs mit Nachprüfung × 4 (schriftl.) + × 4 (mündl.)
Mündlich (4 Fächer) Summe × 4

Maximale Gesamtpunktzahl in Hamburg: 840 Punkte.

Beispielrechnungen (Hamburg)

Zwei durchgerechnete Beispiele, damit du siehst, wie sich die Gesamtpunktzahl und die Abiturnote zusammensetzen:

Beispiel 1: Gutes Ergebnis ohne Nachprüfung

FachPunkteGewichtungErgebnis
LK 1 (schriftlich) 13 × 12 156
LK 2 (schriftlich) 8 × 12 96
GK 1 (schriftlich) 12 × 8 96
GK 2 (schriftlich) 10 × 8 80
4 mündliche Fächer 4 + 13 + 8 + 9 = 34 × 4 136
Gesamt 564 Punkte → Abiturnote 2,3

Beispiel 2: Mittleres Ergebnis mit Nachprüfung

FachPunkteGewichtungErgebnis
LK 1 (schriftlich) 8 × 12 96
LK 2 (schriftlich) 12 × 12 144
GK 1 (schriftl. 1P + Nachpr. 6P) 1 + 6 × 4 + × 4 28
GK 2 (schriftlich) 8 × 8 64
4 mündliche Fächer 4 + 13 + 8 + 9 = 34 × 4 136
Gesamt 468 Punkte → Abiturnote 2,8

Du siehst: Ein schwaches Fach (1 Punkt in GK 1) zieht die Note deutlich nach unten – trotz Nachprüfung. Die Leistungskurse haben das höchste Gewicht: Ein Punkt mehr oder weniger im LK macht ×12 = 12 Punkte Unterschied in der Gesamtwertung.

Mindestanforderungen: Wann hast du bestanden?

Nicht jedes Ergebnis führt zum Bestehen. Die wichtigsten Mindestanforderungen:

  • Kein Fach mit 0 Punkten: Eine 6 (0 Punkte) in einem Prüfungsfach bedeutet in der Regel automatisch: nicht bestanden.
  • Maximal 2 Fächer unter 5 Punkten: Du darfst höchstens in 2 Fächern schlechter als eine 4 sein.
  • Pflichtfächer: In Deutsch, Mathematik und der fortgeführten Fremdsprache gelten teilweise strengere Minima.
  • Mindestgesamtpunktzahl: Die genaue Schwelle hängt vom Bundesland ab – in Hamburg sind es mindestens 280 von 840 Punkten.

Die genauen Bestehensregeln und Ausgleichsregelungen unterscheiden sich je nach Prüfungsbundesland. Deine Fernschule informiert dich rechtzeitig. Mehr zum Thema: Fernabitur Durchfallquote: Warum 90 % abbrechen, aber 90 % bestehen.

Die mündliche Nachprüfung als Rettungsanker

Wenn eine schriftliche Prüfung schlecht ausfällt, gibt es in einigen Bundesländern die Möglichkeit einer mündlichen Ergänzungsprüfung. In Hamburg kann der Prüfungsausschuss sie anordnen, wenn das schriftliche Ergebnis deutlich unter den Erwartungen liegt.

Die Gewichtung bei einer Nachprüfung: Das schriftliche und das mündliche Ergebnis werden in der Regel gleich gewichtet (jeweils Faktor 6 statt 12 im LK, jeweils Faktor 4 statt 8 im GK). Das bedeutet: Die Nachprüfung kann eine schlechte schriftliche Note abfedern, aber nicht komplett retten – das schriftliche Ergebnis zählt immer mit.

Wichtig: Für mündliche Prüfungsfächer gibt es keine Nachprüfung. Was du dort bekommst, steht im Zeugnis. Mehr dazu: Mündliche Abiturprüfung im Fernabitur.

Häufige Fragen zur Notenberechnung

Nein. Im Fernabitur zählt ausschließlich deine Prüfungsleistung – also das, was du in den 4 schriftlichen und 4 mündlichen Prüfungen zeigst. Einsendeaufgaben, Probeklausuren und Seminare dienen nur der Vorbereitung und werden nicht benotet. Das macht das Fernabitur einerseits fair (jeder wird nur an der Prüfung gemessen), andererseits gibt es keine Puffer für einen schlechten Prüfungstag.

Nein. Das Punktesystem (0–15) ist zwar bundesweit einheitlich, aber die Gewichtung der einzelnen Prüfungen und die Umrechnung in die Durchschnittsnote unterscheiden sich je nach Bundesland. Hamburg (ILS, Fernakademie) hat ein anderes Modell als Hessen (SGD) oder Baden-Württemberg (Killesberg). Frage bei deiner Fernschule nach der konkreten Berechnung für dein Prüfungsbundesland.

In Hamburg brauchst du für eine 1,0 mindestens 823 von 840 Punkten – das bedeutet, du musst in fast jedem Fach 14 oder 15 Punkte erreichen. Realistisch ist das beim Fernabitur extrem selten. Ein Durchschnitt von 2,0 bis 3,0 ist ein sehr gutes Ergebnis für jemanden, der das Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg nachgeholt hat.

Ja, unter bestimmten Bedingungen. Du darfst in maximal 2 Fächern unter 5 Punkten liegen. Aber: 0 Punkte (Note 6) in einem Fach führen in der Regel zum Durchfallen. Bei schriftlichen Fächern kann eine Nachprüfung die Note noch retten. Bei mündlichen Fächern gibt es kein Sicherheitsnetz. Mehr dazu: Schriftliche Prüfung und Mündliche Prüfung.

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