Prüfungen beim Staatlich geprüften Betriebswirt: Schriftlich, mündlich und Facharbeit – so lief es bei mir
Die Prüfungen zum Staatlich geprüften Betriebswirt sind der Höhepunkt der Fortbildung – und für viele das große Schreckgespenst. Vier schriftliche Prüfungen, eine Facharbeit und ein mündliches Fachgespräch mit Präsentation. Ich habe alles durchlaufen und berichte, wie es wirklich war.
- 4 schriftliche Prüfungen: BWL/VWL/Recht, Rechnungswesen, Englisch und Schwerpunktfach.
- Facharbeit: 35 Seiten wissenschaftliches Arbeiten zu einer betriebswirtschaftlichen Problemstellung.
- Mündliche Prüfung: 15 Min. Präsentation + 15 Min. Fachgespräch vor der Prüfungskommission.
- Notenfindung: Prüfungsnoten werden mit Vornoten aus Seminaren und Einsendeaufgaben verrechnet.
- Die Prüfungen beziehen sich auf den Staatlich geprüften Betriebswirt – per Fernstudium nicht mehr verfügbar. Erfahrungen gelten aber grundsätzlich auch für Präsenz-Fachschulen.
Die 4 schriftlichen Prüfungen im Überblick
Die schriftlichen Prüfungen fanden in einer Prüfungswoche an der Partnerschule statt (bei mir: Oskar-Kämmer-Schule in Wolfenbüttel). Vier Fächer, vier Prüfungstage:
- BWL/VWL/Recht: Drei Bereiche in einer Prüfung – umfangreich und anspruchsvoll. Du brauchst breites Fachwissen und musst rechtliche Fragestellungen lösen können. Im Kern aber ein Lernfach: Wer den Stoff kann, besteht
- Rechnungswesen: Inklusive Kosten- und Leistungsrechnung. Machbar, wenn du vorher Übungsaufgaben durchgearbeitet und Buchungssicherheit aufgebaut hast
- Englisch: Dreiteilig – Textverständnis, Geschäftsbrief schreiben, Übersetzung. Für manche die größte Hürde. Tipp: Business-English-Vokabeln vorab pauken, besonders wenn du im Beruf wenig Englisch sprichst
- Schwerpunktfach: Die Prüfung in deinem gewählten Schwerpunkt (z.B. Personalwirtschaft, Logistik, Marketing). Besonderheit: Diese Prüfung legst du schon im Prüfungsvorbereitungsseminar ab – nicht erst in der Prüfungswoche. Das entzerrt die Belastung
Notenfindung: Nicht alles hängt am Prüfungstag
Die Abschlussnoten ergeben sich nicht allein aus der Prüfungsleistung. Es fließen ein:
- Klausurnoten aus den Seminaren (dort schreibst du in jedem Fach Tests)
- Noten aus den Einsendeaufgaben (das Zünglein an der Waage, wenn du „auf der Kippe“ stehst)
- Prüfungsnote am Prüfungstag selbst
Das ist fair: Wer über die gesamte Fortbildung solide arbeitet, kann einen schlechten Prüfungstag abfedern. Es lohnt sich also, Einsendeaufgaben ernst zu nehmen – nicht nur als Pflichtübung.
Die Facharbeit: 35 Seiten wissenschaftliches Arbeiten
Neben den schriftlichen Prüfungen musst du eine betriebswirtschaftliche Facharbeit anfertigen – 35 DIN-A4-Seiten zu einer konkreten Problemstellung aus einem Unternehmen.
Drei Möglichkeiten für das Thema:
- Problem aus dem eigenen Betrieb: Die beste Option, wenn du berufstätig bist – echtes Problem, echte Daten, direkter Praxisbezug
- Praktikumsstelle: Wenn dein Arbeitgeber kein passendes Thema bietet
- Theoretische Themenstellung: Möglich, aber unbedingt vorher mit dem Fachlehrer abstimmen
Meine Erfahrung: Ich bin mit einem fertigen Themenvorschlag ins Seminar gegangen – und der Fachlehrer hat ihn sofort verworfen. Ich musste spontan ein neues Thema finden. Tipp: Bereite immer mindestens 2–3 alternative Themen vor. Der Fachlehrer hat eine klare Vorstellung davon, was funktioniert und was nicht.
Worauf es ankommt:
- Einschlägige Fachliteratur nutzen und korrekt zitieren
- Quellenverweise, Fußnoten, Verzeichnisse (Abbildungen, Tabellen, Inhalt)
- Vorgegebene Formatierung einhalten
- Umfang exakt 35 Seiten – bei Über- oder Unterschreitung gibt es Punktabzug
Tipp: Früh anfangen. Materialsammlung, Grundgerüst, erste Entwürfe – 35 Seiten schreiben sich nicht in der letzten Woche. Wer früh startet, hat am Ende nur noch Feinarbeit.
Das Fachgespräch: Präsentation + mündliche Prüfung
In derselben Woche wie die schriftlichen Prüfungen wirst du auch zum Fachgespräch gebeten. Es besteht aus zwei Teilen:
Teil 1: Präsentation (15 Minuten)
Du präsentierst deine Facharbeit vor der Prüfungskommission. Dabei geht es weniger darum, den Inhalt wiederzukäuen (die Prüfer haben die Arbeit gelesen), sondern um:
- Deine Vorgehensweise und Methodik
- Die Situation im Betrieb und den Kontext
- Wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen
Nutze Medien: Beamer, Pinnwand, Whiteboard. 15 Minuten sind kurz – übe die Präsentation vorher mehrmals mit Stoppuhr.
Teil 2: Fachgespräch (15 Minuten)
Direkt nach der Präsentation stellt dir die Prüfungskommission Fragen. Wie die ausfallen, hängt stark von den Prüfern ab:
- Bei mir: Viele Fragen zum Unternehmen und zur Situation, weniger reine Fachfragen. Fühlte sich eher wie ein Gespräch an als wie ein Verhör
- Bei anderen Prüflingen: Kaum Bezug zur Facharbeit, stattdessen allgemeine Fragen aus dem Schwerpunkt
- Manche Prüfer stellen gezielt Querschläger zu verwandten Themen – die „Einserbremsen“
Mein Fazit: Die meisten meiner Mitschülerinnen und Mitschüler sind problemlos durchgekommen, obwohl das Fachgespräch für viele das Schreckgespenst war. Nervös ist man natürlich – aber es war am Ende deutlich weniger schlimm als erwartet.
Tipps für die Prüfungsvorbereitung
- Seminare ernst nehmen: Die Lehrer geben – mal deutlicher, mal subtiler – Hinweise, welche Themen prüfungsrelevant sind. Wer aufpasst, hat einen Vorsprung
- Einsendeaufgaben sorgfältig bearbeiten: Die Noten fließen in die Endnote ein und können einen schlechten Prüfungstag auffangen
- Englisch früh vorbereiten: Business-Vokabeln, Geschäftsbriefformate und Übersetzungspraxis brauchen Zeit
- Mathe üben: Wer ohne Abi einsteigt, sollte sich frühzeitig zusätzliches Übungsmaterial besorgen
- Facharbeit früh beginnen: Mindestens 2–3 Themenvorschläge vorbereiten, Materialsammlung nicht aufschieben
- Präsentation üben: 15 Minuten sind schnell vorbei – mehrmals mit Stoppuhr durchgehen
Häufige Fragen zu Betriebswirt-Prüfungen
Machbar, wenn du dich vorbereitet hast. BWL/VWL/Recht ist umfangreich, aber im Kern ein Lernfach. Rechnungswesen braucht Übung, Englisch braucht Vokabeln. Das Schwerpunktfach läuft separat im Seminar – das entzerrt die Belastung. Die größte Hürde ist für die meisten die schiere Menge an Stoff, nicht die Schwierigkeit einzelner Fragen.
15 Minuten Präsentation deiner Facharbeit + 15 Minuten Fragen der Prüfungskommission. Die Fragen können sich auf deine Facharbeit, dein Schwerpunktfach oder allgemeine BWL-Themen beziehen – das hängt stark von den Prüfern ab. Die meisten Prüflinge empfinden das Fachgespräch im Nachhinein als weniger schlimm als erwartet.
Ja, aber es gibt Sicherheitsnetze: Die Prüfungsnoten werden mit Vornoten aus Seminaren und Einsendeaufgaben verrechnet. Wenn du in einem schriftlichen Fach nicht bestehst, gibt es eine mündliche Nachprüfung. Wer über die gesamte Fortbildung solide arbeitet, hat gute Chancen – die meisten meiner Mitschülerinnen und Mitschüler haben bestanden.
Gut vorbereitet ist halb bestanden
Die Prüfungen zum Betriebswirt sind kein Spaziergang – aber sie sind machbar. Wer die Studienhefte durcharbeitet, in den Seminaren aufpasst und sich gezielt vorbereitet, hat gute Chancen auf einen guten Abschluss. Das Wichtigste: Früh anfangen, Einsendeaufgaben ernst nehmen und die Facharbeit nicht auf die letzte Woche schieben.
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