Abschlussarbeit überarbeiten: Schlussredaktion in 5 Schritten
Du hast 40 Seiten Bachelorarbeit oder 400 Seiten Doktorarbeit geschrieben und willst am liebsten gleich einreichen? Moment. Das Beste kommt zum Schluss, nämlich die Schlussredaktion. Ich zeige dir, wie du deinen Text systematisch überarbeitest – in 6 Schritten von Manuskript zu druckreif.
- Die Überarbeitung macht 50–80 % der gesamten Arbeitszeit aus – nicht das Schreiben.
- Zwischen jedem Schritt mindestens 1–2 Tage Pause – Betriebsblindheit ist dein größter Feind.
- Jeden Schritt separat durchführen – nicht Inhalt, Stil und Rechtschreibung gleichzeitig prüfen.
- Bevor du anfängst: Allgemeine Tipps
- Schritt 1: Überarbeite den Inhalt
- Schritt 2: Überarbeite Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung
- Schritt 3: Überarbeite den Stil
- Schritt 4: Aktiviere deine Kommilitonen (oder einen Lektor)
- Schritt 5: Überarbeite Formatierung und Layout
- Schritt 6: Umbruchkorrektur
- Häufige Fragen zur Schlussredaktion
- Kommentare
Bevor du anfängst: Allgemeine Tipps
Nimm dir Zeit und pausiere viel. Nur weil du dein Manuskript innerhalb einer Woche runtergeschrieben hast, heißt das nicht, dass dein Text druckreif ist. Nimm dir für den Schliff mindestens so lange Zeit, wie du fürs Schreiben gebraucht hast.
Versioniere und sichere deine Arbeit. Nach jedem Überarbeitungsschritt speicherst du die Datei unter einem neuen Namen: bachelorarbeit_01.docx, bachelorarbeit_02.docx etc. Kopiere alles zusätzlich auf einen USB-Stick oder in deine Cloud.
Nutze die Überarbeiten-Funktion von Word. Damit werden alle Änderungen nachvollziehbar – besonders nützlich, wenn mehrere Personen am Text arbeiten. Wie das funktioniert: Überarbeiten in Word.
Schritt 1: Überarbeite den Inhalt
Im ersten Schritt finalisierst du den Inhalt – in mehreren Durchgängen. Stell dich darauf ein, deinen Text in den nächsten Tagen 20-mal und mehr zu lesen.
- Drucke den Text aus und lies vom Papier. Konzentriere dich nur auf den Inhalt, nicht auf die Rechtschreibung. Markiere auf dem Papier und arbeite Änderungen im Dokument ein.
- Lies auf Logik: Was ist unlogisch? Wo hast du Denkfehler? Wo ist deine Argumentation unschlüssig?
- Prüfe alle Zitate und Quellenangaben: Hast du alles korrekt mit Quellenangaben versehen? Sind sie im einheitlichen Stil?
Ziel: Der Inhalt ist final. Du könntest theoretisch abgeben – das macht den Kopf frei für die folgenden Schritte.
Schritt 2: Überarbeite Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung
Schalte jetzt die Rechtschreibprüfung von Word ein (die du beim Schreiben ausgeschaltet lassen solltest – die roten Kringel lenken nur ab). Lege dir den Online-Duden und Leo zurecht.
Fragen an deinen Text:
- Sind alle Tippfehler raus?
- Sitzen die Kommas? (Häufigster Fehler: Kommas bei Infinitivgruppen)
- Sitzen die Anführungszeichen? („…“ statt "…")
- Ist die Rechtschreibung einheitlich, vor allem bei Wörtern mit mehreren Duden-Varianten?
Ausführlich: Die 10 häufigsten Fehler in Abschlussarbeiten.
Schritt 3: Überarbeite den Stil
Rechtschreibung und Grammatik passen – jetzt geht es an den Stil. Das solltest du in 1–2 Durchgängen schaffen:
- Füllwörter streichen: „dabei“, „hierbei“, „diesbezüglich“, „allerdings“ – wenn der Satz ohne das Wort funktioniert, fliegt es raus.
- Beamtenstil auflösen: Nominalstil → verbal formulieren. Passiv → aktiv. Schachtelsätze → kurze Sätze.
- Wortwiederholungen finden: Nutze die Suchen-Funktion (Strg+F) für deine persönlichen Ticks.
NEU: KI als Stil-Helfer. ChatGPT oder Claude können einzelne Absätze auf Verständlichkeit und Stil prüfen – als Ergänzung, nicht als Ersatz für eigenes Sprachgefühl. Prompt-Beispiel: „Prüfe diesen Absatz auf überflüssige Füllwörter und Passivkonstruktionen.“ Mehr dazu: Onlinekurs „KI im Studium“.
Schritt 4: Aktiviere deine Kommilitonen (oder einen Lektor)
Jetzt, wo Inhalt, Rechtschreibung und Stil deiner Ansicht nach passen, gibst du deine Arbeit aus der Hand. Wichtig: Gib deine Arbeit immer erst dann weiter, wenn du der Meinung bist, dass der Text steht – nicht vorher.
Optimalerweise geht ein Kommilitone oder ein bezahlter Lektor die Arbeit am Bildschirm durch und nutzt die Überarbeiten-Funktion, um zu redigieren und zu kommentieren. Danach entscheidest du, welche Änderungsvorschläge du übernimmst.
Ein professionelles Lektorat empfiehlt sich für alle, die unsicher sind und Überarbeiten unter Anleitung lernen wollen. Für Bachelorarbeiten eher überflüssig, für Dissertationen kann es sich lohnen. Mehr: Lektorat für Bachelorarbeiten – das gibt es zu beachten.
Schritt 5: Überarbeite Formatierung und Layout
Dein Text ist jetzt wirklich final. Jetzt finalisierst du das Layout und erstellst eine PDF-Datei. Falls du unsere Word-Vorlage für Abschlussarbeiten nutzt, sollte das kein Problem sein.
Überprüfe, ob das Layout den Anforderungen deiner Hochschule entspricht, und erstelle eine PDF.
Falls du Schwierigkeiten mit Word hast: In unserem Word-Kurs für Uni & Abschlussarbeiten gibt es ein ganzes Modul zur systematischen Überarbeitung – inkl. Formatierung, Layout und Druckvorbereitung.
Schritt 6: Umbruchkorrektur
Der allerletzte Schritt: Du gehst deine Arbeit Seite für Seite durch – am besten auf Papier – und prüfst:
- Stimmen die Seitenzahlen in Inhalts-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis?
- Werden die Silben korrekt getrennt?
- Treten Schusterjungen oder Hurenkinder auf?
- Gibt es doch noch Tippfehler?
- Stimmen die Nummerierungen der Überschriften?
Falls du Fehler findest: Neue Version speichern, Fehler korrigieren, neue PDF erstellen, Umbruchkorrektur von vorne. Das wiederholst du, bis du absolut nichts mehr findest.
Tipp: Sobald gedruckt ist, darfst du nie wieder in den Text schauen und nach Fehlern suchen. Ist besser für dein Nervenkostüm.
Häufige Fragen zur Schlussredaktion
Mindestens so lange wie das Schreiben selbst – eher länger. Die Überarbeitung macht typischerweise 50–80 % der gesamten Arbeitszeit aus. Für eine Bachelorarbeit plane mindestens 1–2 Wochen ein, für eine Dissertation mehrere Wochen.
Ja – als ergänzendes Werkzeug. KI kann einzelne Absätze auf Füllwörter, Passiv und Verständlichkeit prüfen. Aber: KI erkennt keine fachlichen Fehler, übersieht Kontextprobleme und ersetzt kein eigenes Sprachgefühl. Nutze KI für den Feinschliff, nicht für die Grundarbeit – und deklariere die Nutzung. Mehr: Ghostwriting und KI.
Immer in dieser Reihenfolge: (1) Inhalt, (2) Rechtschreibung/Grammatik, (3) Stil, (4) externe Prüfung, (5) Layout, (6) Umbruchkorrektur. Nie alles gleichzeitig – das überfordert und führt dazu, dass du Fehler übersiehst. Zwischen jedem Schritt mindestens 1 Tag Pause.
Nicht unbedingt – wenn du systematisch überarbeitest und jemanden hast, der den Text gegenliest. Für Bachelorarbeiten ist ein Lektorat meist überflüssig, für Dissertationen kann es sich lohnen. Wähle einen Einzellektor statt eine Agentur. Mehr: Lektorat für Bachelorarbeiten.
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