Abschlussarbeit überarbeiten: Die 10 häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest
Ich habe fast 10 Jahre als Wissenschaftslektor gearbeitet und Hunderte Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und Dissertationen korrigiert. In dieser Zeit sind mir immer wieder dieselben Fehler begegnet – nicht Tippfehler (die sind das geringste Problem), sondern Stilmängel, die den Text schwer lesbar machen. Hier meine Top 10 – mit konkreten Beispielen und Tipps, wie du sie selbst beheben kannst.
- Die größten Probleme sind nicht Rechtschreibfehler, sondern Stil und Struktur.
- Die meisten Mängel lassen sich durch systematisches Überarbeiten selbst beheben – ohne teures Lektorat.
- Faustregel: Der erste Entwurf ist nur 10–20 % der Arbeit. Die restlichen 80 % sind Überarbeitung.
- Bevor du anfängst: Eine Überarbeitungsroutine
- Fehler #1: Kommasetzung
- Fehler #2: Beamtenstil
- Fehler #3: Wortwiederholungen und Füllwörter
- Fehler #4: Uneinheitlichkeit
- Fehler #5: Durchkopplung
- Fehler #6: Kommentare in Fußnoten
- Fehler #7: Absatzlänge
- Fehler #8: Klammern im Fließtext
- Fehler #9: Falsche Anführungszeichen
- Fehler #10: Falsche Präpositionen
- Tools, die beim Überarbeiten helfen
- Häufige Fragen
- Kommentare
Bevor du anfängst: Eine Überarbeitungsroutine
Kein Text ist mit dem ersten Entwurf fertig. Professionelle Autoren überarbeiten systematisch – und das solltest du auch tun. Mein Vorschlag:
- Rohmanuskript (1. Entwurf)
- Grobe Formatierung (z.B. mit unserer kostenlosen Bachelorarbeit-Vorlage)
- Überarbeitung: Inhalt (Zitate, Quellenangaben, Logik)
- Überarbeitung: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung
- Überarbeitung: Stil und Ausdruck
- Jemanden lesen lassen, der sich auskennt (oder professionelles Lektorat)
- Text finalisieren, Layout finalisieren
- Auf Papier ausdrucken und noch einmal lesen
Wichtig: Nicht immer von Anfang bis Ende überarbeiten – arbeite auch mal vom Ende zum Anfang, wie beim Üben eines Musikstücks. Zwischen jedem Durchgang mindestens 1 Tag Pause (Betriebsblindheit!). Und: Einzelne Sätze immer laut lesen.
Mehr dazu: Abschlussarbeit überarbeiten: Schlussredaktion in 5 Schritten.
Fehler #1: Kommasetzung
In geschätzt 80 % der Arbeiten, die ich korrigiere, werden Kommas falsch oder gar nicht gesetzt. Besonders häufig fehlen die Kommas bei Infinitivgruppen mit „zu“:
Anstatt das Produkt zu verbessern, kümmern sie sich nur um die Werbung.
Er zog sich in die Hütte zurück, um zu beten.
Sie nehmen den Auftrag, das Produkt zu verbessern, nicht ernst genug.
Der Plan, nach Italien zu fahren, fiel ins Wasser.
Tipp: Investiere 2–3 Stunden in einen systematischen Crashkurs zur Kommasetzung. Das reicht für den Rest deines Lebens.
Fehler #2: Beamtenstil
In vielen Fachbereichen hat sich ein Stil eingebürgert, den ich „Beamtenstil“ nenne – und der Texte unnötig schwer lesbar macht. Die vier Hauptsünden:
Nominalstil: „Aufgrund des gestrigen, ganztägigen Im-Bürostuhl-Sitzens am Schreibtisch habe ich heute Rückenschmerzen.“ Besser: „Ich saß gestern den ganzen Tag im Bürostuhl. Heute habe ich Rückenschmerzen.“ → Bevorzuge Verben gegenüber Substantiven.
Schachtelsätze: Keine Angst vor kurzen Sätzen. Je kürzer, desto besser. Kombiniere kurze mit längeren Sätzen – aber vermeide Bandwürmer.
Genitivketten: Nicht „Die Schwierigkeit des Verstehens des Textes besteht in seiner völligen Unanschaulichkeit.“ Sondern: „Es ist schwierig, den Text zu verstehen. Er ist völlig unanschaulich.“
Passiv: Nicht „Es wurde eine Untersuchung durchgeführt.“ Sondern: „Ich habe eine Untersuchung durchgeführt.“ → Schreib immer aktiv und fürchte dich nicht vor dem „Ich“.
Fehler #3: Wortwiederholungen und Füllwörter
Im ersten Entwurf schleichen sich immer unnötige Wiederholungen ein. Besonders beliebt: „dabei“, „dieser/diese/dieses“, „hierbei“, „dementsprechend“, „diesbezüglich“, „allerdings“, „durchaus“, „beispielsweise“, „folglich“.
Füllwörter sind das Äquivalent von „Ähm“ beim Sprechen. Prüfe bei jedem Wort: Verliert der Satz an Inhalt, wenn ich es weglasse? Wenn nicht – streichen.
Tipp: Überarbeite einen ganzen Durchgang nur in Hinsicht auf Füllwörter und Wiederholungen. Nutze dafür die Suchen-Funktion in Word (Strg+F) und suche nach deinen persönlichen Ticks.
Fehler #4: Uneinheitlichkeit
Uneinheitliche Schreibweisen nerven mich als Lektor mehr als einzelne Rechtschreibfehler. Wenn du ein Wort falsch schreibst – dann bitte einheitlich falsch in der gesamten Arbeit.
Achte auf:
- Schreibvarianten: „dahin gehend“ oder „dahingehend“? Entscheide dich für eine Variante (Duden-Empfehlung bevorzugt) und ziehe sie durch.
- Anführungszeichen: Deutsche „…“ statt englische "…". Einheitlich in der gesamten Arbeit.
- Geschützte Leerzeichen: Vor Einheiten, zwischen Abkürzungen (z. B.), vor Seitenangaben.
- Gedankenstriche vs. Bindestriche: Der Gedankenstrich (–) ist länger als der Bindestrich (-). Verwechsle sie nicht.
Werkzeug der Wahl: Suchen und Ersetzen (Strg+H in Word).
Fehler #5: Durchkopplung
Zusammengesetzte Wörter aus deutschen und englischen Bestandteilen werden fast immer falsch geschrieben. Die Faustregel:
- Gekoppelt wird mit Bindestrichen: Open-Source-Software, Key-Account-Manager, Cut-off-Wert.
- Erstes und letztes (deutsches) Wort groß.
- Wörter im Inneren: Substantive groß, Verben/Adjektive klein.
Fehler #6: Kommentare in Fußnoten
Fußnoten sind für Quellenangaben da – nicht für weiterführende Gedanken, Kommentare oder Exkurse. Was wichtig ist, gehört in den Fließtext. Was unwichtig ist, muss auch nicht in eine Fußnote.
Und bitte prüfe, ob du vgl., ebd. und a. a. O. korrekt verwendest – 90 % meiner Kunden haben das falsch gemacht.
Fehler #7: Absatzlänge
Die Grundregel: 1 Absatz = 1 Gedankengang. Peile 2 bis 3 Absätze pro DIN-A4-Seite an.
Häufige Fehler:
- Absätze, die eine ganze Seite lang sind – zermürben den Leser.
- Absätze aus nur einem Satz – wirken abgehackt (außer du willst bewusst Dramatik erzeugen).
- Überschriften ohne folgenden Text – nach jeder Überschrift gehört mindestens ein Absatz.
Fehler #8: Klammern im Fließtext
Klammern reißen aus dem Lesefluss. Besonders schlimm: Quellenangaben in Klammern mitten im Satz.
Besser: Quellenangaben in Fußnoten, Klammern sparsam einsetzen. Alles, was du nicht flüssig laut vorlesen kannst, hat ein Stilproblem.
Fehler #9: Falsche Anführungszeichen
In nahezu 100 % der Arbeiten, die ich korrigiere, werden Anführungszeichen falsch gesetzt.
- Zollzeichen ("…") sind keine Anführungszeichen! Im Deutschen: „…“ (unten und oben).
- Einfache Anführungszeichen: ‚…' (nicht '…').
- Doppelte Anführungszeichen nur für Zitate. Hervorhebungen besser kursiv oder in einfachen Anführungszeichen.
| Typ | Aussehen | Windows (Ziffernblock) | Mac |
|---|---|---|---|
| Anführungszeichen öffnend | „ | ALT+0132 | ALT+SHIFT+W |
| Anführungszeichen schließend | " | ALT+0147 | ALT+2 |
| Einfach öffnend | ‚ | ALT+0130 | ALT+S |
| Einfach schließend | ‘ | ALT+0145 | ALT+# |
Fehler #10: Falsche Präpositionen
Viele übertreiben es mit dem Genitiv – was zu „Bildungsbürger-Konstrukten“ führt wie „gemäß des Autors“ (korrekt: gemäß dem Autor).
| Präposition | Fall | Beispiel |
|---|---|---|
| bezüglich, anstatt, während, einschließlich | Genitiv | bezüglich des Schreibens |
| gemäß, entsprechend, entgegen, ähnlich, samt, laut | Dativ | gemäß dem Artikel |
Merkhilfe: „dementsprechend“ → also „entsprechend dem…“ (Dativ). „demgemäß“ → also „gemäß dem…“ (Dativ).
Tools, die beim Überarbeiten helfen
- Word-Rechtschreibprüfung: Erst beim Überarbeiten einschalten, nicht beim Schreiben (die roten Kringel lenken ab). Gut für Tippfehler, begrenzt für Grammatik.
- Duden online: duden.de – die schnellste Referenz für Schreibvarianten, Kommasetzung und Grammatik.
- Synonymwörterbuch: woxikon.de – hilft bei Wortwiederholungen.
- KI als Überarbeitungshilfe: ChatGPT oder Claude können deine Sätze auf Stil, Verständlichkeit und Grammatik prüfen – wenn du es deklarierst. Aber: Lass die KI nicht für dich schreiben, sondern mit dir überarbeiten. Mehr dazu: Onlinekurs „KI im Studium“.
- Word-Kurs: Unser Word-Training für Uni & Abschlussarbeiten enthält ein ganzes Modul zur systematischen Textüberarbeitung.
Häufige Fragen
Mindestens 50 % der Zeit, die du fürs Schreiben gebraucht hast – eher mehr. Der erste Entwurf macht nur 10–20 % der Gesamtarbeit aus. Die restlichen 80 % sind Überarbeitung: Inhalt, Sprache, Formatierung, Korrektorat. Plane zwischen jedem Durchgang mindestens einen Tag Pause ein.
Nicht unbedingt – wenn du systematisch überarbeitest. Aber es schadet nicht: Ein guter Lektor findet Fehler, die du nach wochenlangem Starren auf den eigenen Text nicht mehr siehst. Wähle einen Einzellektor statt eine Agentur, und zahle fair (ab ca. 2 € pro Seite). Mehr dazu: Lektorat für Bachelorarbeiten.
Ja – als Überarbeitungshilfe. ChatGPT kann Sätze auf Verständlichkeit, Grammatik und Stil prüfen. Aber: Die KI erkennt keine fachlichen Fehler, erfindet gelegentlich Korrekturen und ersetzt kein eigenes Sprachgefühl. Nutze KI als Werkzeug, nicht als Ersatz – und deklariere die Nutzung. Mehr dazu: Ghostwriting und KI.
Ja. „Ich habe eine Untersuchung durchgeführt" ist besser als „Es wurde eine Untersuchung durchgeführt.“ Aktive Formulierungen sind klarer, ehrlicher und leserfreundlicher. Viele Prüfer bevorzugen mittlerweile aktive Sprache – frag im Zweifel bei deinem Betreuer nach.
Abschlussarbeit überarbeiten: Schlussredaktion in 5 Schritten | Lektorat für Bachelorarbeiten | Kostenlose Vorlage | Word-Kurs | KI im Studium

Kommentare
Wie hast Du eigentlich zitiert, bevor Du Deinen Frieden mit der Fußnote gemacht hast, wenn Dir die Autor-Jahr-Zitierweise auch nicht zugesagt hat? Numerisch?
danke für den Hinweis bei „entgegen“, da hatte sich ein Fehler eingeschlichen.
Abgesehen davon, dass ich keine Abschlussarbeiten bzw. wissenschaftlichen Texte schreibe: Ich zitiere ganz normal mit hervorgehobenem Fließtext. Quellennachweise setze ich meist in Endnoten, da ich fast nur Onlinetexte schreibe, oder ich verlinke die Quelle einfach.