Brainbooster im Test: 12H Genius von 12H Nutrition

Christian Wolf

12H Genius wird auf Amazon als „Premium Brain Booster“ beworben, der die Konzentration von Studenten, Schülern, Managern, Sportlern und Athleten „für Job und Studium“ steigern soll. Ob das Produkt das halten kann, beschreibe ich in diesem Beitrag.

12H Genius: Verpackung des Brainboosters
Verpackungsdesign des „Brain-Boosters“ 12H Genius: Sieht ganz gut aus
© eigenes Foto

Auf Amazon wird das Produkt beworben mit „12H GENIUS macht deine nächsten 12 Stunden zu den effektivsten 12 Stunden“. Aha, daher also der Name der Firma 12H Nutrition. Wirft man einen Blick auf die Website der Firma, stellt man fest, dass es sich um eine GmbH handelt, deren Geschäftsführer ein Herr Florian Marco Sußbauer ist. Sußbauer ist auch Geschäftsführer der Royal Education Media GmbH, einer Agentur für Online-Marketing, die sich u.a. dem „Vertrieb von digitalen & Coaching-Produkten, insbesondere Büchern, Videokursen und Seminaren“ widmet (Quelle).

Inhaltsstoffe: Guarana, Vitamine, „Ginkgo Bilboa“

Der Booster setzt vor allem auf die Wirkung von Koffein in Kombination mit Alpha-GPC und Vitaminen. Hier die Details zu allen enthaltenen Stoffen. Die Mengenangaben beziehen sich auf die empfohlene Tagesdosis von 3 Kapseln.

Guarana-Extrakt (818mg). Das Guarana ist für mich eigentlich der Dealbreaker in diesem Supplement-Stack. Warum, dazu weiter unten mehr. Die Samen von Guarana-Pflanzen sind koffeinhaltig und wirken entsprechend anregend, hungerdämpfend, leistungssteigernd. Wie Kaffee halt, und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr (siehe hier).

L-Phenylalanin (600mg). Phenylalanin ist eine für Menschen essenzielle Aminosäure (zumindest in ihrer L-Form). Unsere Leber nutzt Phenylalanin, um daraus die Aminosäure Tyrosin herzustellen. L-Phenylalanin spielt eine Rolle in der Synthese von Adrenalin, Noradrenalin, L-Dopa, PEA und Melanin, und dient als Ausgangsstoff für Dopamin. Entsprechend wirkt Phenylalanin stark konzentrationsfördernd. Manche Menschen können Phenylalanin allerdings nicht richtig verstoffwechseln, was zu Problemen beim Abbau führt. Dazu schweigt sich die Verpackung von 12H Genius leider aus. Mehr dazu weiter unten.

Alpha GPC (300mg). Der Klassiker in „Brain Boostern“ ist Alpha GPC. Alpha GPC bzw. L-alpha-Glycerylphosphorylcholin ist Ausgangsstoff für den Neurotransmitter Acetylcholin. Acetylcholin spielt eine wichtige Rolle für unser Nervensystem und auch bei Lernvorgängen, und hilft uns u.a. dabei, und leichter an Gelerntes zu erinnern, aufmerksamer zu sein und einfach effizienter zu denken. 

L-Theanin. Theanin kommt natürlich in grünen und in schwarzem Tee vor und ist eine Aminosäure, die beispielsweise die Konzentration des Neurotransmitters GABA im Gehirn erhöhen kann. Theanin wirkt sich aber auch auf andere Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin aus. Entsprechend wirkt Theanin entspannend, angstlösend und gleichzeitig aufmerksamkeitssteigernd. In Kombination mit Koffein ist Theanin in der Lage, die unangenehmen Effekte von Koffein, beispielsweise Nervosität und Ängstlichkeit, etwas auszugleichen.  

L-Citrullin (150mg). Citrullin ist eine Aminosäure, die ich bisher eher aus Trainingsboostern im Bodybuilding- und Fitness-Bereich kenne. Im Leistungssport wird Citrullin genutzt, weil es die Konzentration von Stickstoffmonoxid (Nitric Oxide, NO) erhöhen kann; NO erweitert die Blutgefäße und sorgt so für eine bessere Durchblutung. Auch im Gehirn! Wobei die Dosierung in 12H Genius allerdings sehr gering ist.

Grüner-Tee-Extrakt (125mg). Grüntee-Extrakt enthält vor allem Polyphenole bzw. Gerbstoffe und wirkt entsprechend antioxidierend und entzündungshemmend. Polyphenole wirken außerdem antibakteriell und können z.B. die Entwicklung von Streptokokken im Mund hemmen (deswegen den Mund spülen mit grünem Tee!). 

Ginkgo-Biloba-Extrakt (30mg). Der Ginkgo-Biloba-Extrakt in 12H Genius ist ein weiterer antidementiv wirkender Stoff im Stack, der sich positiv auf unseren Lernerfolg auswirken kann. Der Extrakt wirkt blutverdünnend, konzentrationsfördernd und gedächtnissteigernd. Die Dosierung im Stack ist allerdings so gering, dass ich die Wirksamkeit hier für fragwürdig halte. 

Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (4,7mg). Der Extrakt des schwarzen Pfeffers enthält hauptsächlich Piperin, das einseits verdauungsanregend wirkt, andererseits in der Lage ist, die Bioverfügbarkeit von anderen Stoffen zu erhöhen. Das funktioniert so, dass Piperin das Leberenzym Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) blockiert, wodurch alle Stoffe, die durch dieses Enzym „entgiftet“ bzw. verstoffwechselt werden, leichter in unseren Organismus gelangen. Praktisch einerseits, wenn wir von bestimmten Stoffen mehr im Körper haben wollen, unpraktisch, wenn sich unerwünschte Substanzen so schneller im Körper anreichern. Übrigens wirken wohl auch Ginkgo-Biloba und Polyphenole auf CYP3A4 ein (Quelle, Quelle).

Vitamin B6 (3,9mg). B6 ist auch ein Klassiker in leistungssteigernden Ergänzungsmitteln. B6 ist als ein wichtiges Coenzym an mehr als 100 Enzymreaktionen beteiligt und wirkt dadurch auf eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen ein. B6 ist auch an Bildung von Neurotransmittern wie GABA, Dopamin, Epinephrin und Norepinephrin beteiligt. Allerdings liegt Vitamin B6 hier in einer schwerer zu verstoffwechselnden Form vor (Pyridoxine Hydrochlorid). Das kann zu Problemen bei der Verstoffwechslung führen bzw. bietet es eine geringere Bioverfügbarkeit als die aktive Form von B6, Pyridoxal-5-Phosphat (P5P).

Vitamin B12 (3,75mcg). Auch das Vitamin B12 liegt hier in einer schwerer zu verstoffwechselnden Form Form vor, nämlich als Cyanocobalamin. Unser Organismus muss das erst in die aktive Form, vom menschlichen Organismus in das biologisch aktive Adenosylcobalamin (Coenzym B12) umwandeln, bevor er etwas damit anfangen kann. Dann wirkt es aber positiv u.a. auf unser Nervensystem und damit auf unseren Lernerfolg ein.

12H Genius Rückseite
12H Genius: Rückseite der Verpackung
© Eigenes Foto

Wirkung (auf mich)

Ich habe den Stack nur ein paar Tage genommen, und zwar 3 Kapseln früh auf nüchternen Magen, noch vor dem ersten Kaffee. Ich konnte an allen Tagen ein paar Stunden sehr fokussiert arbeiten, gegen Mittag kam aber immer der Crash in Form von Müdigkeit und Lustlosigkeit. Ich vermute, dass dieser Crash durch die nachlassende Koffeinwirkung bzw. das Guarana versursacht wird, eventuell auch durch die minderwertigen B-Vitamine. 

Ich würde diesen Stack entsprechend niemals täglich nehmen, wenn mir daran liegt, produktiv zu arbeiten. Als gelegentlichen Trainingsbooster vor einem Kraftsport-Workout oder vor einem Waldlauf halte ich ihn allerdings für geeignet. 

Nach ein paar Wochen Pause habe ich den Stack noch einmal probiert, und zwar in einer Menge von 2 Kapseln früh nüchtern (empfohlen werden 2–3). Ich hatte jedes Mal Schwierigkeiten, abends einzuschlafen, was wahrscheinlich am vielen Koffein und am Guarana liegt.

Nebenwirkungen

Der Stack enthält aus meiner Sicht zu viel Guarana, das viele Koffein kann also schnell nervös, angespannt und tendentiell ängstlich machen, zumindest macht es das bei mir. 

Noch mehr ins Gewicht fällt aber das Phenylalanin, das Menschen mit Phenylketonurie nicht verstoffwechseln können. Bei allen anderen wird es zwar verstoffwechselt, aber belastet entsprechend ggff. die Leber. Hier hätte man auch einfach Tyrosin in den Stack packen können.

Die Leber belasten möglicherweise auch viele andere Stoffe, beispielsweise die inaktiven Formen der B-Vitamine. In Kombination mit dem Piperin, was ein wichtiges Leberenzym blockiert, ist der Stack schon recht explosiv und aus meiner Sicht nicht für regelmäßigen Konsum geeignet. Ich merke das daran, dass auf ein kurzes Hoch nach der Einnahme rasch der Crash folgt, wie nach dem Konsum von zu viel Kaffee. 

Wer den Stack zu später Stunde nimmt, wovon ich dringend abrate, wird möglicherweise mit Schlafproblemen zu kämpfen haben, dank Koffein. Pro Tagesdosis (3 Kapseln) sind 195mg Koffein enthalten, das entspricht etwa 3 Tassen Kaffee! Plus Guarana!

Preis-Leistung

Die einzigen Stoffe, die ich für wirklich interessant und nachhaltig den Lernerfolg fördernd halte, sind das Alpha-GPC und das L-Theanin. Begrenzt noch die B-Vitamine, wenn man sie in hoher Qualität in ihren aktiven Formen zu sich nimmt (am besten natürlich über Lebensmittel wie Eier und Fisch). 

All diese Stoffe kann man einzeln deutlich günstiger erwerben, das Theanin auch in Form von Matcha bzw. grünem Tee. Mit knapp 35 Euro halte ich den Stack für überteuert. 

Fazit

Ich kaufe den Stack nicht noch einmal. Viel zu viel Koffein durch das Guarana, aus meiner Sicht potentiell viel zu belastend für die Leber durch inaktiven B-Vitamine und andere Inhaltsstoffe. Die paar produktiven Stunden, die ich nach der Einnahme vielleicht habe, bevor der Crash kommt, sind mir das einfach nicht wert. Ich will den ganzen Tag fokussiert arbeiten können, nicht nur 4 Stunden am Stück.

Übrigens: Es heißt „Ginkgo biloba“, nicht „Ginkgo Bilboa“ wie mehrfach auf dem Etikett meiner Packung ausgewiesen. Und es heißt „L-Citrullin“, nicht „L-Citrulin“.

Weiterführende Links

Lernen Hirndoping Supplements

 veröffentlicht vor 1 Jahr (aktualisiert vor 9 Monaten)

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