Schritt 1 beim Lesen für Erwachsene – Sinngruppen erkennen

Marcus Schweizer
 2 Kommentare

Der erste Schritt bei der Erweiterung der Lesefähigkeiten liegt in der Verbesserung von bisherigen Vorgehensweisen. Um konkret zu werden, beginnt dies bei Fixierungen und der Informationsaufnahme. Anfänger in der Grundschule lesen Buchstaben für Buchstaben, dann Wort für Wort und meist bleibt es dabei, weil es allgemein ausreicht. Nun kommt die Erweiterung, wir lesen Wortgruppen!

Von Wörtern zu Wortgruppen

Jeder Zwischenstopp bei der Informationsaufnahme dauert eine viertel Sekunde, je mehr Stopps benötigt werden, umso mehr Zeit brauchen wir beim Lesen. Ganze Wortgruppen lesen braucht weniger Zeit bei der gleichen Anzahl an Informationen, weil wir die Informationen einfach kompakter erfassen. Diese Vorgehensweise wenden wir in vielen anderen Bereichen an.

Wer Mr. Bean kennt, wird sich vielleicht an die Folge erinnern, in der er sein Zimmer neu streichen will und dazu jeden einzelnen Gegenstand, selbst Trauben, einzeln in Papier einwickelt. Wir lachen herzlich darüber. Dabei stellen wir uns beim Lesen selbst so an! :-)

Was macht Wortgruppen effektiv?

Kleines Rechenbeispiel: In einer Zeile mit 10 Wörtern benötigen Sie 10 Stopps, wenn jedes Wort einzeln gelesen wird. Das sind mit einer viertel Sekunde je Fixierung insgesamt 2,5 Sekunden. Für eine Seite mit 40 Zeilen kommen wir schon auf 100 Sekunden, mehr als 1,5 Minuten. Ein Buch mit 250 Seiten ergibt etwa 375 Minuten, gleich 6 Stunden und 15 Minuten. In Wortgruppen lesen bedeutet, nur 3 Stopps in einer Zeile zu machen. Damit verringert sich die Gesamtzeit auf 125 Minuten, das sind 2 Stunden und 5 Minuten. Es lohnt sich also!

Wie kommt man auf Wortgruppen?

Unsere physische Ausstattung der Sinne macht uns es leicht oder auf gut Deutsch: Halten wir uns daran, wie uns die Natur ausgestattet hat! Gemeint ist damit, dass unser Auge bei einer Entfernung von etwa 35 bis 40 cm einen Blickfokus von 3 bis 4 cm hat. In 3 bis 4 cm passen etwa 4 Wörter in normaler Schrift. So ergibt sich eine Wortgruppe auf ganz natürlichem Weg, im wahrsten Sinne des Wortes! Dazu einfach den Abstand zwischen Buch oder Bildschirm zum Gesicht auf ungefähr 35 bis 40 cm zu halten.

Aus Wortgruppen entstehen Sinngruppen

Der Trick bei der Sache ist, einfach nicht auf Bedeutung zu achten. Ok, wenn man es nicht drauf anlegt, ob man den Text versteht, warum dann lesen? Die Antwort ist einfach, es ist nur der erste Schritt. Wenn man nur beachtet, dass man immer ein paar Wörter gruppiert sieht und wahrnimmt, dann fallen einem die Bedeutung von selber auf. Das Gehirn arbeitet auch ohne bewusste Kontrolle, keine Sorge!

Natürlich klappt das noch nicht sehr gut, sonst wäre es nicht der erste Schritt. Wichtig für den Anfang ist es, dass nicht mehr Wort für Wort gelesen wird, sondern man sich daran gewöhnt, ganze Wortgruppen zu sehen!

Es ist nicht schlecht, sich einfach irgendein Buch zu nehmen, bei dem der Inhalt weniger interessiert und immer nur Wortgruppen erfassen. Wie aus dem Rechenbeispiel oben ersichtlich ist, steckt in den Wortgruppen ein großes Potenzial. Zudem sind Wortgruppen der erste und wichtigste Schritt, wenn die Lesefähigkeit ausgebaut werden soll.

Sicherlich werden Sie schnell zu den Sinngruppen schreiten wollen. Diese bauen auf den Wortgruppen auf oder besser gesagt, anstatt Wortgruppen zu bilden, ist es effektiver, die Wörter nach ihrem Sinn in Wortgruppen einzuteilen. Da gibt es ein paar Helferlein, wie dies zu bewerkstelligen ist.

  • Substantive stehen meist am Ende einer Worteinheit
    Den Substantiven sind Adjektive oder Verben, vielleicht sogar Adverben, vorangestellt. Substantive werden groß geschrieben, weswegen sie auch auffälliger sind.
  • Wörter von selbst ergänzen
    Viele Bedeutungen und Sätze sind immer gleich und haben wir sofort drauf. Wir sparen uns viel Zeit oder Aufwand, wenn wir Redewendungen und immer gleiche Wörter ausblenden oder einfach nur wahrnehmen. Diese brauchen wir nicht zu fixieren, sondern können sie getrost als eine Aussage wahrnehmen.
  • Satzzeichen lenken den Sinn
    Satzzeichen, wenn richtig eingesetzt, verraten viel über den Zusammenhang von Wortbedeutungen. Wo ein Komma sitzt, da endet meist ein Zusammenhang oder wird unterbrochen und von einem Neuen Zusammenhang begleitet.

 

Trainieren Sie erst Wortgruppen, dann Sinneinheiten. Bei den Sinneinheiten helfen die drei Faktoren Substantive, gewohnte Schreibweisen und Satzzeichen! Achja, aufhören, einzelne Wörter zu lesen – viel Spaß! :-)

Weiterbildung Recherche Psychologie

 veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren)

Diskussion

Bitte!

Mittlerweile sehe ich die Vor- und Nachteile. Da werde ich noch abschließend nen Beitrag schreiben! :-)

Dank dir für den Kommentar

astudy

Sehr cool, funktioniert nur leider nicht beim Analysis-Skript :-))) Bei Zeitschriften oder wo es schlicht um die angelesenen Informationen geht, scheint es wunderbar zu gehen.

Danke!

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