Wie finde ich einen PT1-Platz für die KJP-Ausbildung?
1 Antwort
Dass dich die PT1-Suche mehr stresst als der ganze Rest der Ausbildung, ist absolut nachvollziehbar – und es liegt nicht an deiner Bewerbung, denn der Engpass ist strukturell bedingt. Die gute Nachricht: der Weg zum Platz läuft in der Regel nicht über den freien Markt, sondern über dein Ausbildungsinstitut, und in der Verordnung stecken zwei Spielräume, die viele nicht kennen.
Was die Verordnung überhaupt verlangt
Nach § 2 KJPsychTh-APrV umfasst die praktische Tätigkeit insgesamt mindestens 1.800 Stunden und ist in Abschnitten von jeweils mindestens drei Monaten abzuleisten. Davon gehören mindestens 1.200 Stunden (PT1) an eine kinder- und jugendpsychiatrische klinische Einrichtung, die zur fachärztlichen Weiterbildung zugelassen oder von der zuständigen Behörde als gleichwertig anerkannt ist. Bis zu 600 dieser Stunden dürfen an einer ambulanten kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtung abgeleistet werden, wenn kein klinischer Platz zur Verfügung steht. PT2 sind mindestens 600 Stunden. Dazu musst du über einen längeren Zeitraum an Diagnostik und Behandlung von mindestens 30 Kindern und Jugendlichen beteiligt sein und diese Fälle nach Umfang und Dauer dokumentieren, alles unter fachkundiger Anleitung und Aufsicht.
Daraus ergeben sich die beiden Hebel: Du brauchst keinen einzigen Block von 1.200 Stunden bei einem Träger, und wenn klinisch nichts frei ist, kann ein ambulanter Anteil von bis zu 600 Stunden die Lücke tragen.
Wie du konkret vorgehst
- Beim Institut nachhaken, aber richtig. Lass dir die vollständige Liste der Kooperationseinrichtungen mit Ansprechpersonen geben, nicht nur die zwei Häuser, die immer zuerst genannt werden. Frag dazu, wer formal entscheidet, ob eine Einrichtung anerkannt wird, und wie lang die Wartezeit bei den begehrten Häusern realistisch ist.
- Gleichwertigkeit vorher klären. Wenn du eine Einrichtung findest, die nicht auf der Liste steht, lass die Anerkennung schriftlich bestätigen, bevor du anfängst. Stunden, die hinterher nicht anerkannt werden, sind weg. Verbindlich ist das Landesprüfungsamt deines Bundeslandes, parallel dein Institut.
- Den Suchradius ehrlich weiten. Die bekannten KJP-Universitätskliniken sind genau die mit den meisten Bewerbungen. Deutlich realistischer sind Fachkliniken in ländlichen Regionen, Tageskliniken, Institutsambulanzen und psychiatrische Häuser mit eigener kinder- und jugendpsychiatrischer Abteilung. Wer bereit ist, ein Jahr zu pendeln oder umzuziehen, hat eine andere Trefferquote.
- Nicht nur über das Bewerbungsportal gehen. Die Entscheidung fällt meist bei der ärztlichen Leitung beziehungsweise der weiterbildungsbefugten Person, nicht in der Personalabteilung. Kurz anrufen, nach der zuständigen Person fragen, dann gezielt und mit Bezug auf das Gespräch schreiben.
- Vor der Zusage schriftlich klären. Vergütung, Wochenstunden, ob Teilzeit möglich ist, wer die Anleitung übernimmt und ob du realistisch an die geforderten Fälle und die Dokumentation kommst. Die Vergütung ist bei PT1 der häufigste Streitpunkt und unterscheidet sich stark von Haus zu Haus – frag sie früh und direkt ab.
Zeitplan: rückwärts rechnen
Ausbildungen, die nach dem alten Psychotherapeutengesetz begonnen wurden, können noch bis zum 1. September 2032 mit Staatsprüfung abgeschlossen werden. Das klingt nach viel Luft, aber wenn PT1 in Teilzeit läuft, können die 1.200 Stunden eineinhalb bis zwei Jahre dauern, und danach kommen PT2, Theorie, Selbsterfahrung und die praktische Ausbildung mit Supervision. Wenn dein Wunschhaus erst in zwölf Monaten einen Platz hat, ist die Frage also nicht nur, ob du warten willst, sondern ob der Gesamtplan das trägt. Welche Fristen und Nachweise für dich persönlich verbindlich sind, sagt dir dein Landesprüfungsamt – das ist nichts, was wir für dich einschätzen können.
Für Mitlesende, die noch vor der Entscheidung stehen und nicht mitten in der alten Ausbildung sind: Im Q&A ist der Weg über ein Fernstudium ausführlich diskutiert (Welche Fernuni qualifiziert für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendtherapeuten?), zum approbationskonformen Weg an einer privaten Hochschule gibt es diese Meldung zur PFH Göttingen, und angrenzende Weiterbildungen findest du in der Kategorie Psychologie oder über den Kursfinder.
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