Welche Uni vertieft mehr die Inhalte der Heilpädagogik: IU, Diploma, PFH Göttingen?
Hallo zusammen, ich überlege mir Heilpädagogik zu studieren. Ich schwanke zwischen drei Fernunis, und zwar IU, Diploma und PFH Göttingen. Ich habe schon die Ausbildung als Heilerziehungspflegerin abgeschlossen und habe den Eindruck, dass die Lerninhalte der IU und der Diploma sehr ähnlich an denen der Ausbildung sind, während die PFH alles vertieft.
Ich würde gerne Eure Meinung dazu hören.
Viele Grüße
Alessandra
1 Antwort
Hi Alessandra, deine Beobachtung ist ziemlich typisch, wenn man schon die HEP-Ausbildung mitbringt: Vieles in einem Heilpädagogik-Bachelor sind erst mal Grundlagen (Theorie, Methoden, Diagnostik, Recht, Wissenschaftliches Arbeiten) – und das kann sich dann wie „kenne ich schon“ anfühlen.
Was ich dir auf Basis der bei uns hinterlegten Curricula sagen kann:
IU (B.A. Heilpädagogik, 180 ECTS) ist inhaltlich sehr breit und hat viele Module, die klar über die Ausbildung hinausgehen (z.B. qualitative & quantitative Forschungsmethoden, heilpädagogische Diagnostik, Ressourcenorientierte Diagnostik/Gutachtenerstellung, Fallmanagement, Sozialwirtschaft/Sozialökonomie, Recht, Macht & Gewalt, mehrere Wahlpflicht-Vertiefungen). Gleichzeitig ist es ein „klassischer“ Bachelor – wenn du schon HEP bist, kann sich der Einstieg trotzdem teilweise nach Wiederholung anfühlen, weil Grundlagen systematisch aufgebaut werden.
IU (B.A. Heilpädagogik und Inklusion, verkürzt für HEP) ist explizit für staatlich anerkannte Heilerziehungspfleger/innen gedacht und startet durch Anrechnung früher (verkürzte Studiendauer). Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du weniger „Ausbildungs-Wiederholung“ hast – aber: Laut Kursbeschreibung ist dieser Abschluss nicht gleichbedeutend mit dem Titel „staatlich anerkannte/r Heilpädagog:in“ (das ist ein wichtiger Unterschied, je nachdem, was du beruflich brauchst).
DIPLOMA (B.A. Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik, 180 ECTS) wirkt vom Inhaltszuschnitt her stärker auf Heilpädagogik/inklusive Pädagogik fokussiert und hat eine feste Praxisphase (100 Tage). Inhaltlich stehen u.a. Theorien, Kinder- und Jugendhilfe, Beratung, Psychomotorik, Didaktik/Pädagogik der Vielfalt und Handlungsfelder inklusionsorientierter Heilpädagogik im Vordergrund. Ob es sich für dich „tiefer“ anfühlt als IU, hängt stark davon ab, welche Vertiefungen du bei IU wählen würdest und wie sehr du Forschung/Diagnostik vs. Didaktik/Psychomotorik suchst.
PFH Göttingen (B.A. Heilpädagogik, 180 ECTS) ist bei den Modulen ebenfalls sehr breit aufgestellt (pädagogische, psychologische und medizinische Grundlagen plus Diagnostik, therapeutische Intervention, Sozialrecht, Forschungsmethoden, Profilbildung/Wahlmodule). Rein vom Curriculum her ist das definitiv nicht „nur Ausbildung 2.0“, sondern enthält viele akademische Bausteine (z.B. Forschungsmethoden, Diagnostik/Intervention, Ethik, Evaluation). Ob es „mehr vertieft“ als IU/DIPLOMA ist, kann man aus Modullisten allein aber nur begrenzt seriös bewerten – da spielen Niveau der Materialien, Prüfungsformen und Betreuung extrem rein.
Wenn du schon HEP bist, würde ich die Entscheidung eher an deinem Ziel festmachen:
- Willst du möglichst schnell akademisch weiterkommen? Dann ist ein verkürztes Modell (wie bei der IU für HEP) oft attraktiv.
- Ist dir staatliche Anerkennung als Heilpädagog:in wichtig? Dann würde ich bei jedem Angebot ganz konkret prüfen, wie/ob die Anerkennung integriert ist (Praxisanteile, Umfang, Bedingungen).
- Suchst du eher Diagnostik/Intervention & wissenschaftliches Arbeiten oder eher Didaktik/Psychomotorik & konkrete Handlungsfelder? Das ist oft der eigentliche „Vertiefungs“-Unterschied.
Damit ich dir wirklich sagen kann, was für dich nach „Vertiefung“ klingt: Was ist dein Ziel nach dem Studium? (z.B. Leitungsrolle, Frühförderung, heilpädagogischer Fachdienst, Arbeit mit Kindern/Jugendlichen, Beratung/Diagnostik, vielleicht später Master?)