Wenn du ohnehin in der Softwareentwicklung bleibst, dir Praxis wichtiger ist als Forschung und sehr theoretische Inhalte, spricht vieles für einen praxisnahen Bachelor in Softwareentwicklung – vorausgesetzt, der Studiengang ist gut aufgebaut (Informatik‑Grundlagen, saubere Mathe-/Theoriebasis, moderne Software-Engineering-Inhalte).
Was du dir anschauen solltest:
- Inhalte: Egal wie der Studiengang heißt – wichtig ist, was drinsteckt. Ein guter Softwareentwicklungs‑Bachelor hat u. a.: Algorithmen & Datenstrukturen, Software-Engineering, Datenbanken, Verteilte Systeme, Web-/Mobile-Entwicklung, ggf. DevOps, Projektmodule.
- Theorieanteil: Informatik-Bachelor haben oft mehr Mathe, theoretische Informatik, formale Methoden. Das ist anspruchsvoll, aber kann im Alltag als Entwickler weniger direkt relevant sein – je nach Job.
- Anerkennung: "Informatik" klingt traditionell vielen Personaler:innen vertrauter. "Softwareentwicklung" oder ähnliche Titel (z.B. "Angewandte Informatik", "Praktische Informatik") werden aber in der Praxis genauso akzeptiert, wenn der Abschluss staatlich anerkannt ist und das Modulhandbuch solide aussieht.
- Anschlussmöglichkeiten: Willst du später vielleicht doch noch z.B. einen stärker forschungsorientierten Master machen oder in Bereiche wie KI, IT-Security, Data Science gehen? Dann kann ein klassischer Informatik-Bachelor dir in manchen Fällen Türen leichter öffnen – aber auch mit einem guten Softwareentwicklungs‑Bachelor ist ein Master meist möglich, wenn die Grundlagen passen.
Zu deiner Situation konkret:
Du bist gerade in der Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, arbeitest Vollzeit weiter und willst ein Fernstudium
neben dem Job durchziehen. Das ist schon anspruchsvoll genug. In so einer Situation ist ein Studiengang mit einem klaren Praxisfokus oft besser durchzuhalten als ein sehr theorielastiger Informatik-Bachelor mit viel Mathe und Theorie, die du für deinen Alltag eigentlich gar nicht brauchst.
Deine Gedanken zu "Wert" und "Ansehen" würde ich einordnen:
- In der Praxis schauen viele Arbeitgeber zuerst auf: Was kannst du? Welche Projekte? Welche Tech-Stacks?
- Dann: Ist es ein Bachelor in einem einschlägigen IT-Fach (Informatik, Software Engineering, angewandte Informatik etc.) und ist er staatlich/akkreditiert.
- Ob genau "Informatik" oder "Softwareentwicklung" draufsteht, ist selten der Gamechanger – wichtiger ist dein Skillset, deine Projekterfahrung und ob der Abschluss offiziell anerkannt ist.
Wann eher Informatik sinnvoll ist:
- Du kannst dir vorstellen, später in Bereiche zu gehen wie: Forschung, KI, Theoretische Informatik, Compilerbau, Algorithmik, Data Science mit starkem Mathe-Fokus.
- Du magst Mathe wirklich (Lineare Algebra, Stochastik, Logik) und bist bereit, dir im Fernstudium ordentlich Theorie reinzuziehen.
- Du willst möglichst allgemeine, "klassische" Informatik auf dem Zeugnis stehen haben.
Wann eher Softwareentwicklung/Software Engineering sinnvoll ist:
- Du bleibst in der Entwicklung (z.B. Web, Backend, Mobile, Cloud) und willst dort besser werden.
- Du willst Inhalte wie Clean Code, Architektur, Patterns, Testing, CI/CD, moderne Frameworks, agile Methoden etc.
- Du willst ein Studium, das deine jetzige Schiene als Anwendungsentwickler direkt vertieft, statt dich sehr tief in Beweise/Formalismen zu schicken.
Praktischer Tipp zur Entscheidungsfindung:
Wenn du schon konkrete Anbieter im Blick hast, mach Folgendes:
- Lade dir die Modulhandbücher beider Studiengänge (Informatik vs. Softwareentwicklung) herunter.
- Markiere dir Module, auf die du richtig Bock hast (grün) und Module, vor denen du eher Bauchschmerzen hast (rot).
- Überleg dir: Mit welchem Paket kannst du dir realistisch vorstellen, nach 8–10 Stunden Arbeitstag abends noch weiterzumachen?
Wenn beide Studiengänge solide Grundlagen (Mathe, Algorithmen, Theoretische Grundlagen in gesundem Maß) bieten, würde ich bei deinem Profil tendenziell sagen:
Nimm den Studiengang, der praxisnäher in Richtung Softwareentwicklung geht und den du besser durchziehen kannst.
Frage zurück an dich:
- Welche Anbieter oder konkreten Studiengänge schaust du dir aktuell an (Name des Studiengangs und Hochschule)?
- Hast du grundsätzlich eher ein Problem mit Mathe/Theorie oder wäre das für dich okay, wenn der Rest gut passt?
Wenn du mir 1–2 konkrete Studiengänge nennst, kann ich dir gezielter sagen, wie sie im Vergleich wirken und wo du inhaltlich wirklich Unterschiede hast.