Was ist eine Epoche?

Wolf

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 •  (aktualisiert am 24.04.2017 von Wolf) #1

Ich hatte diese Frage schon mal im Fernabitur-Forum hier gestellt, aber für uns KuWis ist dieser Begriff auch sehr wichtig und grundlegend.

Vielleicht können wir uns an der Stelle ja ein paar Gedanken dazu machen. Also nicht, dass wir hier eine bombensichere Antwort auf die Fragen finden, sondern halt nur ein bisschen überlegen, dann hat man leichter Zugang, wenn es darum in den Studienheften geht.

Zuerst spontane Antworten ohne Recherche wären super :)

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Chris G.

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 •  (aktualisiert am 02.02.2011 von Chris G.) #2

Grundlegend beschrieben wäre eine Epoche wohl ein Zeitabschnitt in der Geschichte. Diese Abschnitte sind erst im nachhinein zu bestimmen. Merkmal einer Epoche ist das sie in sich gewisse Homogenitäten aufweist und dementsprechend auch klar von anderen Epochen abzugrenzen ist. Natürlich sind Epochengrenzen nicht klar auszumachen, die Übergange zwischen aufeinanderfolgenden Epochen sind fließend.

Es gibt sowohl Literaturepochen, Kunstepochen, Musikepochen etc., also Abschnitte in der Geschichte der entsprechenden Disziplinen. Kriterien für die Festlegung einer Epoche sind z.B. homogene Geistesstörmung, oder auch einfach nur technischer Fortschritt (Steinzeit - Bronzezeit - Eisenzeit). Wobei die Bezeichnung der Epochen wohl eher in den Geisteswissenschaften benutzt wird und nicht bei so großen und allgemeinen Zeitabschnitten wie eben Bronzezeit etc.


Soviel erstmal von mir. Jetzt geht es an die Verfeinerung. ;)
Wolf hat sich bedankt.

Wolf

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 •  #3

Danke dir für deine Antwort!

Mal unabhängig davon ein paar Hinweise von mir, wie ich vorgehen würde, um das zu erschließen.

Epoche ist ja erst einmal ein Wort. Was ist es für ein Wort, wo kommt es her, wie ist es zu uns gelangt? Das würde ich kurz recherchieren. Epoche kommt aus dem Griechischen, Epochê. Wer altgrieschisch kann, könnte jetzt ein Wörterbuch zur Hand nehmen, optimal in dem Fall wäre der Pape, weil er verschiedene Fundstellen auflistet und deutlicher macht, in welchem Zusammenhang die ollen Griechen das Wort verwendet haben.

Nun ist das Wort ja mit jeder Menge Bedeutung belastet. Wir sagen daher auch, es ist ein Begriff (siehe auch hier). Bei wichtigen Begriffen ist es immer ganz interessant, wie sich die Bedeutung im Laufe der Zeit entwickelt hat. Es gibt eine ganze Fachrichtung, die sich mit Begriffsgeschichte auseinandersetzt. Der verdanken wir 2 wichtige Nachschlagewerke in dem Zusammenhang:
  • Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe: Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. 8 Bände in 9. Klett-Cotta, Stuttgart 1972–1997.
  • Joachim Ritter, Karlfried Gründer, Gottfried Gabriel (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. 13 Bände. Schwabe Verlag, Basel 1971–2005.
Nachschauen kann man auch im Eisler Wörterbuch der philosophischen Begriffe von 1904, quasi die Grundlage für das Historische Wörterbuch.

Schaut einfach mal in die Bücher rein, wenn ihr das nächste Mal in der Bibliothek seid, die kann man immer gut für Hausarbeiten verwenden. Gerade in der Philosophie sind Begriffe und ihre Definitionen sehr wichtig. Wenn ich in Philosophie eines gelernt habe, dann das, wie wichtig es ist, sich im Gespräch das Verständnis des Gegenüber für einen Begriff klar zu machen. Viele Missverständnisse kommen zustande, weil jeder unter einer Sache etwas anderes versteht, sie aber genauso bezeichnet.

Ja, im Prinzip wars das schon, so hat man schon jede Menge Informationen zusammen. Klar, bei Wikipedia würde ich sicher noch nachschauen und auch auch mal googeln. Interessant für rasche Recherche vom Schreibtisch, gerade im Bereich Philosophie, sind übrigens auch diese Nachschlagewerke:

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Diana K.

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 •  #4

Damit ihr nicht nicht die Einzigen seid, die sich trauen zu antworten, hier mein ,hoffentlich nicht allzu grausamer, Definitionsversuch (aus Zeitmangel leider ohne entsprechende Recherche) ;-)

Eine Epoche ist bezeichnet einen bestimmten Zeitraum in der menschlichen Geschichte, welcher sich durch besondere Merkmale (z. B. geschichtl. , kulturelle Ereignisse) klar von anderen Zeitabschnitten abgrenzt.
Die Übersetzung des Wortes (griech. epoché "Haltepunkt") lässt vermuten, dass die Geschichte ursprünglich in Epochen eingeteilt wurde, um die entscheidenden Stationen der fortlaufenden menschlichen Entwicklung mit Hilfe dieser Haltepunkte festzuhalten und diese miteinander vergleichbar zu machen.
Dies gestaltet sich aber trotz der Eingrenzung in Epochen als schwierig, da der Übergang zwischen den einzelnen Epochen genauso fließend ist, wie die menschliche/kulturelle Entwicklung.
Wolf hat sich bedankt.

Wolf

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 •  (aktualisiert am 04.02.2011 von Wolf) #5

Ja, das ist interessant, im ursprünglichen Sinne sind mit Epochen offensichtlich konkrete Punkte (Wendepunkte) gemeint, zu denen die Dinge sich änderten. Die kann man als solche ja auch meist erst im Nachhinein ausmachen. Solch eine Epoche aus politischer Perspektive ist z.B. 9/11, oder?

Wenn man sich überlegt, wie man selbst Zeit wahrnimmt und mal auf seine eigene Vergangenheit schaut, dann sind diese Wendepunkte meist besonders intensive, einschneidende Erlebnisse, wie Traumata, oder große Erfolgserlebnisse, wenn man ein lange gesetztes Ziel erreicht hat. Für bestimmte Lebensphasen errinnern wir uns ja auch vor allem an Sachen, die dominant für diese Zeit waren, und wir geben ihnen oft auch Bezeichnungen, die anderen Menschen dieser Zeit im Gespräch sofort klarmachen, welche (gemeinsame) Zeit gemeint ist.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Begriff "Strömung", zumindest liest man oft davon. Was ist damit gemeint?

Und mal noch ein paar "Epochen" und/oder Strömungen der Literaturgeschichte, die mir spontan einfallen, ohne Anspruch auf Richtigkeit und unsortiert:
  • Sturm und Drang
  • Weimarer Klassik
  • Goethezeit (ist das eine "offizielle" Epoche?)
  • Nachkriegsliteratur
Philosophie:
  • Vorsokratiker
  • Klassische antike Philosophie
  • Scholastik
  • Aufklärung
Geschichte:
  • Hochmittelalter
  • Frühe Neuzeit
  • Rennaissance
  • Aufklärung

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Chris G.

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 •  (aktualisiert am 05.02.2011 von Chris G.) #6

Goethezeit (ist das eine "offizielle" Epoche?)


Eher nicht. Meinst du Geniezeit? Was aber auch nur eine andere Bezeichnung für Sturm und Drang wäre, was selber wieder nur ein Teil der Aufklärung wäre.

Nachtrag: Hab natürlich jetzt doch mal nachgeschaut. Und es gibt die Bezeichnung "Goethezeit" für die Übergangszeit zwischen Sturm und Drang (bzw. Aufklärung) und der Klassik. Laut Wikipedia (also Vorsicht!) ist dies aber umstritten. Ich persönlich hatte es auch noch nie vorher gehört. Und wenn es eine Goethezeit gibt, dann hätte ich auch gerne eine Schillerzeit. ;)

Also die offiziellen Epochen der NDL:

Barock
Aufklärung
Klassik/Romantik
Realismus
Naturalismus
Expressionismus
Neue Sachlichkeit
Nachkriegszeit
Postmoderne

Wolf

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 •  #7

Also die offiziellen Epochen der NDL:

Hehe, allein dieser Begriff, Neuere Deutsche Literatur, der für uns so selbstverständlich ist, bezeichnet der nicht auch eine Art Epoche? Wo setzt man denn den Einstieg der "Neueren" Literatur an, und was ist so neu im Vergleich zur "ÄDL, Älteren deutschen Literatur"?

Und es gibt die Bezeichnung "Goethezeit" für die Übergangszeit zwischen Sturm und Drang (bzw. Aufklärung) und der Klassik. Laut Wikipedia (also Vorsicht!) ist dies aber umstritten. Ich persönlich hatte es auch noch nie vorher gehört. Und wenn es eine Goethezeit gibt, dann hätte ich auch gerne eine Schillerzeit.

Ich habe mal in Jena 2 oder 3 Semester Germanistische Literaturwissenschaft studiert und eine richtig gute Vorlesung bei Prof. Dr. Gottfried Willems, Germanist und Prof. am Institut für Germanistische Literaturwissenschaft, Titel war glaube ich "Literatur der Goethezeit". Weiß nicht, ob er diesen Epochenbegriff geprägt hat, glaube nicht, aber ich fand, dass war eine nützliche Perspektive, und er benutzte ihn wie selbstverständlich.
Na ja, und was auch toll an seinen Vorlesungen war, dass er immer nach 45 Minuten eine 10-minütige Pause machte. Das war gut für die Konzentration der Studenten. Entsprechend überzog er 10 Minuten, und da viele aber im Anschluss zur nächsten Vorlesung mussten und dann versuchten, früher zu gehen, also zum eigentlichen Ende, wurde er manchmal so richtig sauer und verbat sich das kategorisch, dass jemand den Saal verließ ;)


"Schillerzeit" wäre recht kurz und würde zwar auch eine wichtige "Epoche" einschließen, nämlich 1789, aber Napoleon nur ein Stück und 1806 z.B. nicht mehr. Hingegen hat Goethe z.B. noch die Zeit der "Restauration" miterlebt, und das industrielle Wachstum, und überhaupt eine Gesellschaft, die sich im Vergleich zur Adelsgesellschaft des 18. Jh. stark verändert hatte.

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