Wirtschaftsingenieurwesen neben dem Job: Für wen passt es – und welche Voraussetzungen gelten?
Das Studium richtet sich an Berufstätige aus technischen Umfeldern, die Verantwortung an der Schnittstelle von Technik und BWL übernehmen wollen. Typische Profile: Facharbeiterinnen und Facharbeiter aus Produktion, Instandhaltung oder Automatisierung (z. B. Mechatronik, Industriemechanik) mit Aufstiegszielen in Planung oder Teamleitung; staatlich geprüfte Technikerinnen und Techniker, die ihre Managementkompetenzen ausbauen möchten; Rückkehrende nach einer Familienphase, die mit vorhandener Berufserfahrung den Wiedereinstieg strukturieren. Auch kaufmännisch geprägte Absolventinnen und Absolventen mit BWL-Hintergrund finden hier einen technischen Anschluss – mit Option auf verkürzten Weg zum Bachelor of Engineering.
Zulassungsvoraussetzungen
Der Studiengang ist für Berufserfahrene konzipiert. Eine Hochschulreife ist nicht zwingend notwendig, Berufserfahrung ist erforderlich. Zugangswege im Überblick:
- Meisterinnen und Meister bzw. staatlich geprüfte Technikerinnen und Techniker
- Qualifizierte Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung plus drei Jahre einschlägige Berufserfahrung
- Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife plus ein Jahr einschlägige Berufserfahrung
Wenn du ohne Hochschulreife zugelassen wirst, ist ein Bewerbungsgespräch vorgesehen. Anrechnungen sind ausdrücklich möglich: Ein Praxissemester von 25 ECTS wird bei geeigneter Berufserfahrung anerkannt; weitere Vorleistungen aus Weiterbildung oder Studium können das Gesamtpensum reduzieren. Mit bereits erbrachten Prüfungsleistungen ist ein Quereinstieg in ein höheres Fachsemester möglich.
Persönliche Voraussetzungen
Berufsbegleitend studieren heißt planen und dranbleiben. Wichtig sind solide Selbstorganisation, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, Mathematik- und Ingenieurgrundlagen aufzufrischen. Du solltest realistisch 10–15 Stunden pro Woche für Selbststudium, Aufgaben und Prüfungsvorbereitung reservieren – in arbeitsintensiven Phasen auch mehr.
- Realistische Zeitplanung mit Puffer für Projekt- und Prüfungsphasen
- Support im Umfeld organisieren (Familie, Arbeitgeber, Dienstpläne)
- Komfort an der Schnittstelle: Freude an interdisziplinärem Arbeiten, Kommunikation mit Produktion, Einkauf und Management
- Umgang mit Blended Learning: eigenständig mit Lehrbriefen und auf der Lernplattform arbeiten, Tutorien gezielt nutzen
Zum Format gehören kompakte Präsenzblöcke am Campus – in der Regel alle vier Wochen zwei Tage (Freitag und Samstag). Plane dafür Abwesenheit im Betrieb und ggf. Schichttausch frühzeitig ein. Ein verpflichtender Studienstart mit Auftaktveranstaltung erleichtert dir die Organisation und den Einstieg in Methoden, Tools und Lernrhythmus. Mit klaren Wochenzielen, festen Lernfenstern und Lerngruppen lässt sich das Pensum nachhaltig mit Beruf und Familie vereinbaren.
Was lernst du im Wirtschaftsingenieurwesen (berufsbegleitend) an der Technischen Hochschule Aschaffenburg?
Du verbindest Ingenieurwissen mit BWL und lernst, Prozesse in technologieorientierten Unternehmen zu planen, zu steuern und zu optimieren. Der Studiengang führt dich von soliden MINT-Grundlagen über Wertschöpfung und Datenkompetenz bis hin zu Führung und Projektarbeit – mit Abschluss als Bachelor of Engineering.
Ingenieurgrundlagen und Technikverständnis: Du festigst Mathe und Physik und arbeitest dich in Elektrotechnik, Automatisierung sowie Fertigungs- und Produktionstechnik ein. So verstehst du Produkte, Anlagen und Prozesse technisch fundiert – die Basis für Entscheidungen an der Schnittstelle von Technik und Management.
Betriebswirtschaft und Wertschöpfung: Du lernst Unternehmensführung, Investition und Finanzierung, Marketing/Vertrieb sowie Beschaffung und Logistik kennen. Dazu kommen Statistik und rechtliche Grundlagen, um wirtschaftliche Kennzahlen sicher zu beurteilen und Entscheidungen abzusichern.
Daten, IT und Qualität: Elemente aus Informatik und Wirtschaftsinformatik, Internet-Technologien und Qualitätsmanagement bereiten dich darauf vor, Abläufe messbar zu machen, Daten zu interpretieren und Verbesserungen strukturiert umzusetzen.
Führung und Projekte: Personalführung, Projektmanagement und Technisches Englisch schärfen dein Profil für interdisziplinäre Teams und internationale Zusammenarbeit. Du trainierst Kommunikation, Stakeholder-Management und das Arbeiten in agilen wie klassischen Projektsettings.
Vertiefungen und Abschlussphase: Später im Verlauf wählst du zwei Wahlpflichtmodule zur Spezialisierung – etwa aus Produktions-, Fertigungs- oder Automatisierungsthemen oder managementnahen Inhalten. Das integrierte Praxissemester (25 ECTS) kann dir bei passender Berufserfahrung angerechnet werden. Mit der Bachelorarbeit im letzten Semester schließt du das Studium ab, idealerweise mit einem Thema aus deinem Arbeitsalltag.
Wie läuft das Fernstudium im Wirtschaftsingenieurwesen (berufsbegleitend) ab?
Das Studium ist als Blended Learning organisiert: rund 80 % Selbststudium mit Lehrbriefen und E-Learning, dazu etwa 20 % Präsenz am Campus Aschaffenburg. Pro Semester belegst du vier Module, die Prüfungsbelastung ist halbiert und klar getaktet.
Format: Selbststudium plus kompakte Präsenz
Du lernst mit Lehrbriefen (Print) und über die Lernplattform mit Übungen, Laborvideos und Online-Tutorien. Vor Ort gibt es komprimierte Veranstaltungen, Workshops und Laborphasen. Der Start erfolgt mit einer dreitägigen, verpflichtenden Auftaktveranstaltung, die dich in Organisation und wissenschaftliches Arbeiten einführt.
Prüfungen: Klausur, Hausarbeit, Präsentation
Leistungsnachweise variieren je Modul: klassische Klausuren, mündliche Prüfungen, Präsentationen oder Hausarbeiten. Alle Termine werden früh im Voraus veröffentlicht, damit du Arbeit und Privatleben planen kannst. Ein zentrales Prüfungszentrum wird nicht genutzt; die Organisation erfolgt studiengangsintern.
Präsenz: alle vier Wochen Freitag und Samstag
Die Präsenzpflicht ist schlank gehalten: in der Regel alle vier Wochen zwei Tage (Freitag und Samstag) am Campus Aschaffenburg. Durch die Bündelung werden Fehlzeiten im Job geringgehalten; Laborinfrastruktur und der persönliche Kontakt fördern Lernfortschritt und Netzwerk.
Zeitaufwand: 10–15 Stunden pro Woche, klar getaktet
Rechne mit 10–15 Stunden pro Woche fürs Selbststudium. Jedes Semester ist in zwei Hälften geteilt, sodass maximal zwei Module parallel laufen – das senkt Stressspitzen. Wer länger braucht, kann im verlängerten Studienverlauf weitermachen; ab dem 9. Semester fällt eine reduzierte Gebühr an.
Was kostet der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (berufsbegleitend) an der Technischen Hochschule Aschaffenburg?
Die Studiengebühr beträgt 1.590 € pro Semester zuzüglich 70 € Studierendenwerksbeitrag. Darin sind Lehrmaterial, Prüfungen und Tutorien enthalten; versteckte Zusatzkosten entfallen. Ab dem 9. Semester zahlst du für die Verlängerung 500 € pro Halbjahr.
Einplanen solltest du dennoch persönliche Ausgaben wie Fahrt- und ggf. Übernachtungskosten zu den Präsenzterminen. Berufserfahrung kann das Praxissemester ersetzen und so indirekt Zeit und Kosten sparen. Arbeitgeber beteiligen sich häufig an weiterbildenden Studien – sprich das frühzeitig an und nutze das Argument des direkten Nutzens im Betrieb.
Steuerlich lassen sich Studiengebühren sowie Aufwendungen für Anreise, Unterkunft und Fachliteratur in der Regel als Werbungskosten ansetzen. Für die Finanzierung kommen individuelle Förderungen und Darlehen infrage (z. B. Aufstiegsstipendium, studienbegleitender Kredit). Ein Bildungsgutschein ist nicht vorgesehen, da es sich nicht um eine AZAV-geförderte Maßnahme handelt.
Welche Berufe und Gehälter sind nach dem Wirtschaftsingenieurwesen (berufsbegleitend) möglich?
Mit dem B.Eng. qualifizierst du dich für Schnittstellenrollen zwischen Technik und Management. Häufige Einstiege liegen in Produktion, Supply Chain, Qualität oder technischer Projektsteuerung – ideal, wenn du bereits Branchenerfahrung mitbringst.
- Industrial Engineer / Prozessingenieurin bzw. -ingenieur: Produktionsprozesse analysieren und optimieren, Lean-/Automatisierungsprojekte umsetzen. Typische Spanne: ca. 50.000–72.000 € brutto/Jahr, mit Erfahrung bis 85.000 €.
- Projektmanagerin oder Projektmanager Technik: technische Projekte planen, steuern, Budget und Qualität verantworten. Typische Spanne: ca. 55.000–80.000 €, leitend bis 95.000 €.
- Qualitätsmanagerin oder Qualitätsmanager: QM-Systeme betreiben, Audits, Lieferantenqualität, Reklamationsmanagement. Typische Spanne: ca. 48.000–75.000 €.
- Supply-Chain- oder Operations-Managerin bzw. -Manager: Beschaffung, Logistik, Bestände, Produktionsplanung integrieren. Typische Spanne: ca. 55.000–85.000 €.
- Technische Vertriebsingenieurin oder -ingenieur: komplexe Lösungen beraten, Angebote kalkulieren, Kundenprojekte begleiten. Typische Spanne: ca. 52.000–85.000 € inkl. variabler Anteile.
Die tatsächliche Vergütung hängt stark von Branche (z. B. Maschinenbau, Automotive, Medizintechnik), Region, Firmengröße und Verantwortungsebene ab. Als Anschluss sind Masterstudiengänge in Wirtschaftsingenieurwesen, Industrial Engineering, Produktionsmanagement oder ein MBA üblich – sinnvoll, wenn du in Richtung Führung oder Spezialisierung gehen willst.
Für wen lohnt sich das Wirtschaftsingenieurwesen (berufsbegleitend) – und für wen nicht?
Das Programm passt, wenn du Berufspraxis aus dem technischen Umfeld mitbringst und neben dem Job einen anerkannten Ingenieurabschluss anstrebst. Blended Learning, klare Taktung und kompakte Präsenz unterstützen dich dabei, Theorie sofort in die Praxis zu übertragen.
- Wenn du im Betrieb Verantwortung übernehmen willst – z. B. in Produktion, Qualität, Supply Chain oder Projekten – und dir dafür BWL- und Technikkompetenz kombinieren möchtest.
- Wenn du planbare Präsenz in monatlichen 2-Tages-Blocks bevorzugst statt wöchentlicher Abendtermine.
- Wenn du strukturiertes Selbststudium mit Lehrbriefen und E-Learning schätzt und 10–15 Wochenstunden realistisch freimachen kannst.
- Wenn du bereits Berufserfahrung hast – das Praxissemester (25 ECTS) kann angerechnet werden, was Zeit spart.
- Wenn du einen staatlichen Abschluss (B.Eng.) mit Laborzugang und persönlicher Betreuung suchst.
Nicht für jede Lebenssituation ist das Format passend. Die Präsenztage sind verpflichtend und der MINT-Anteil erfordert kontinuierliche Lernzeit neben Job und Familie.
- Wenn du ein rein onlinebasiertes Studium ohne Präsenztermine suchst – hier sind Vor-Ort-Blöcke sowie eine dreitägige Auftaktveranstaltung verpflichtend.
- Wenn du keine 10–15 Stunden pro Woche für Mathe, Physik und Technikmodule aufbringen kannst – der Lernaufwand ist spürbar.
- Wenn du Präsenz in Aschaffenburg nicht organisieren kannst – Anreise- und ggf. Übernachtungskosten fallen zusätzlich an.
- Wenn du ein kostenfreies Modell wie ein klassisches Vollzeitstudium an einer staatlichen Hochschule erwartest – hier fallen 1.590 € je Semester an.
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