Abschlussarbeit finalisieren: Schlussredaktion in 5 Schritten

Du hast 40 Seiten Bachelorarbeit oder 400 Seiten Doktorarbeit geschrieben und willst deine Arbeit am liebsten gleich einreichen? Moooooment, sage ich. Das Beste kommt zum Schluss, nämlich die Schlussredaktion. Ich zeige dir in diesem Beitrag, wie du deinen Text systematisch überarbeitest, um so aus deinem Manuskript einen lesbaren und druckreifen Text zu machen.

Gute Texte entstehen durch intensive Überarbeitung. Foto: TIMDAVIDCOLLECTION/Fotolia

Allgemeine Tipps für die Schlussredaktion

Bevor ich dir zeige, wie du systematisch deine Abschlussarbeit zur Druckreife bringst, erst einmal ein paar allgemeine Tipps.

Nimm dir Zeit und pausiere viel. Ein guter Text entsteht durch konsequentes und geduldiges Überarbeiten. Meine Erfahrung als Autor und als Wissenschaftslektor hat mich gelehrt, dass die Überarbeitung im Schnitt etwa 50–80 % der gesamten Arbeitszeit bis zum fertigen Text in Anspruch nimmt. Nur weil du ein Bachelorarbeit-Manuskript innerhalb einer Woche runtergeschrieben hast, heißt das nicht, dass dein Text druckreif ist. Nimm dir für den Schliff mindestens so lange Zeit, wie du fürs Schreiben gebraucht hast. Und lege zwischen den einzelnen Überarbeitungsschritten immer Pausen von 1–2 Tagen ein, um Abstand zum Text zu gewinnen.

Beispiel für Überarbeitung in Word

Versioniere und sichere deine Arbeit. Falls du noch nicht versionierst und regelmäßig sicherst, fange jetzt damit an! So beugst du Datenverlust vor und kannst auch immer genau nachvollziehen, was du zuletzt getan hast. Nach jedem Überarbeitungsschritt speicherst du die Datei unter einem neuem Namen, bzw. hängst du an den Namen eine fortlaufende Zahl. Beispiel: bachelorarbeit_01.docx, bachelorarbeit_02.docx etc. Dann kopierst du sie auf einen USB-Stick oder lädst alles in deine Dropbox hoch.

Nutze die Überarbeiten-Funktion von Word. Word hat ein nettes Feature, das dir dabei hilft, deinen Text systematisch zu überarbeiten und alle Überarbeitungen nachvollziehbar zu machen. Wie das genau funktioniert, kannst du hier nachlesen. Im Prinzip reicht es, wenn du die Kommentarfunktion nutzt und dir an wichtigen Stellen im Überarbeitungsprozess Notizen machst, auf die du später noch einmal eingehst. Die Überarbeiten-Funktion ist besonders nützlich, wenn mehrere Personen am Text arbeiten.

Jetzt aber zur Schlussredaktion.

Schritt 1: Überarbeite den Inhalt

Im ersten Schritt deiner Schlussredaktion finalisiert du den Inhalt deiner Arbeit, und zwar in mehreren Durchgängen. Ich weiß, du kannst deinen Text wahrscheinlich nicht mehr lesen, aber es muss sein 😁 Stell dich jetzt schon einmal darauf ein, deinen Text in den nächsten Tagen 20-mal und mehr von Anfang bis Ende zu lesen. 

  1. Drucke den Text aus und lies vom Papier. Konzentriere dich auf den Inhalt, nicht auf die Rechtschreibung. Was fällt dir auf? Markiere auf dem Papier und arbeite Änderungen im Dokument gleich ein.
  2. Jetzt lies noch einmal von Anfang bis Ende in Hinsicht auf Logik. Was ist unlogisch, wo hast du Denkfehler? Wo ist deine Argumentation unschlüssig?
  3. Nun gehst du systematisch alle Zitate und Quellennachweise durch. Hast du alle Zitate korrekt mit Quellenangaben versehen? Sind die Quellenangaben in einheitlichem Stil verfasst?

Wichtig ist, dass du den Inhalt finalisierst. Du musst jetzt soweit sein, dass du theoretisch abgeben könntest, das macht deinen Kopf frei für die folgenden finalen Schritte.

Schritt 2: Überarbeite Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung

Jetzt überarbeitst du systematisch Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik. Schalte  die Rechtschreibprüfung von Word ein (die du übrigens im Schreibprozess ausgeschaltet lassen solltest, denn die lenkt nur beim Schreiben ab). Leg dir außerdem einen Duden zurecht bzw. öffne den Online-Duden und Canoo.net. Bei Canoo.net kannst du nachschlagen, wenn du dir bei bestimmten Wortformen und Beugungen unsicher bist.

Einige Fragen, die du an deinen Text stellen solltest:

  • Sind alle Tippfehler raus?
  • Sitzen die Kommas?
  • Sitzen die Anführungszeichen?
  • Ist die Rechtschreibung einheitlich, vor allem bei den Wörtern, bei denen der Duden mehrere Varianten zulässt?

Weiterführend: Die Top 10 der Rechtschreibfehler und Stilmängel in Abschlussarbeiten: Praxistipps eines Wissenschaftslektors

Schritt 3: Überarbeite den Stil

Rechtschreibung, Grammatik und Kommasetzung passen, jetzt kannst du dich an den Stil wagen. Das solltest du in 1–2 Durchgängen hinbekommen, du schreibst ja keinen Roman. Überarbeite wenigstens in einem Durchgang überflüssige Füllwörter und in einem zweiten Durchgang den Beamtenstil, in welchem dein Manuskript mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verfasst ist.

Mehr Tipps zum Stil: Die Top 10 der Rechtschreibfehler und Stilmängel in Abschlussarbeiten: Praxistipps eines Wissenschaftslektors 

Schritt 4: Aktiviere deine Kommilitonen (oder einen Lektor)

Jetzt, wo Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Ausdruck deiner Ansicht nach passen und du deine Dissertation, Bachelorarbeit oder Masterarbeit endlich einreichen könntest, gibst du deine Arbeit aus der Hand. Ich hoffe, das hast du vorher noch nicht gemacht! Gib deine Arbeit immer erst dann aus der Hand, wenn du der Meinung bist, dass der Text steht.

Optimalerweise geht einer deiner Kommilitonen oder ein bezahlter Lektor die Arbeit am Bildschirm durch und nutzt die Überarbeiten-Funktion, um fleißig zu redigieren und zu kommentieren. Danach entscheidest du selbst, was du für Änderungsvorschläge übernehmen willst und welche nicht.

Ein professionelles Lektorat empfiehlt sich für alle, die Schwierigkeiten mit dem Überarbeiten haben, unsicher sind und Überarbeiten unter Anleitung lernen wollen. Für Bachelorarbeiten ist es m.E. eher überflüssig, für Dissertationen kann es sich lohnen.

Mehr dazu: Lektorat für Bachelorarbeiten – das gibt es zu beachten.

Schritt 5: Überarbeite Formatierung und Layout

Dein Text ist jetzt wirklich, wirklich final. Das heißt, dass du das Layout finalisieren kannst, um eine PDF-Datei zu erstellen. Falls du meine Word-Vorlage für Abschlussarbeiten nutzt, sollte das kein Problem sein. Ansonsten hoffe ich, dass du dich noch vor dem Schreiben ausführlich mit Word auseinandergesetzt hast, damit jetzt kurz vor Abgabe nicht die große Krise ausbricht. Überprüfe noch einmal, ob das Layout genau den Anforderungen deiner Hochschule entspricht und erstelle eine PDF.

Fast geschafft!! Jetzt nur noch die nervige Umbruchkorrektur.
Abbildung: A_Bruno/Fotolia

Schritt 6: Umbruchkorrektur

Finaler Schritt ist die Umbruchkorrektur. Umbruchkorrektur heißt, dass du deine Arbeit Seite für Seite durchgehst, möglichst auf dem Papier, und unter folgenden Gesichtspunkten überprüfst:

  • Stimmen die Seitenzahlen in Inhalts-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis?
  • Werden die Silben korrekt getrennt?
  • Treten Schusterjungen auf?
  • Gibt es doch noch Tippfehler?
  • Stimmen die Nummerierungen der Überschriftung?

Falls du Fehler findest: Speichere eine neue Version deines Manuskripts, überarbeite den Fehler, erstelle eine neue PDF-Datei, starte die Umbruchkorrektur von vorne. Das wiederholst du so lange, bis du absolut nichts mehr finden kannst.

Stimmt jetzt endlich alles? Dann bitte noch einmal ausdrucken und alles prüfen 😉 Und dann endlich drucken und binden lassen. Tipp: Sobald gedruckt ist, darfst du nie wieder in den Text schauen und nach Fehlern suchen. Ist besser für dein Nervenkostüm. 

Weiterführende Links und Hilfe

Veröffentlicht vor 4 Wochen. Abgelegt unter Abschlussarbeit, Word, Wissenschaft.

Christian Wolf

Christian ist Wissenschaftsredakteur und Blogger, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine neuen Beiträgen von Christian zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Mehr Beiträge zum Thema