Prokastination adé: Mit dieser Technik erledige ich die Arbeit von 2 Tagen in 2 Stunden

Christian

Habt ihr auch so einen heftigen Drang, zu prokrastinieren? Lieber auf Facebook zu surfen, Whatsapps zu schreiben und Youtube-Videos zu schauen, als an der nächsten Seminararbeit zu schreiben? Dann lest weiter, denn ich stelle euch hier eine einfache Methode vor, mit der ihr eurer Zerstreuung einerseits ein Ende macht, um so voranzukommen. Und die euch andererseits trotzdem erlaubt, Katzenvideos zu schauen und ständig Instagram zu checken.

Mit dieser einfachen Methode managt ihr nicht nur eure Zeit, sondern vor allem eure Aufmerksamkeit. Foto: Reddogs/Fotolia

Ich kenne 3 Arbeitsleben: Das Leben als Festangestellten, das Leben als Selbstständigen und das Leben als Studenten. Als ich aus einer Festanstellung zurück in die Selbstständigkeit ging, fiel mir vor allem auf, dass ich in den ersten Tagen der Selbstständigkeit nicht annähernd so konzentriert gearbeitet habe wie als Angestellter. Und auch im Studium hätte ich wohl mehr erreichen können, wenn ich nicht so zerstreut gewesen wäre.

Warum ich als Angestellter Webentwickler  im Großraumbüro nicht so zerstreut war, liegt hautpsächlich an Folgendem:

  • Als Angestellter war ich vertraglich gezwungen, 8 Stunden am Stück an meinen Aufgaben zu arbeiten. Quasi wie ein Ruderer auf einer Galeere.
  • Ich musste während der Arbeitszeit selten darüber nachdenken, was ich wann mache. Dafür gab es die Projektmanager, die immer wussten (mehr oder weniger), was ich zu tun hatte und bis wann das erledigt sein musste.
  • Ich habe in einem Großraumbüro gearbeitet. Im Großraumbüro beobachtet man sich gegenseitig und arbeitet daher deutlich mehr als alleine, und zwar aus der Furcht heraus, unproduktiver zu sein als die Kollegen. Das führte u.a. auch dazu, dass ich am Arbeitsplatz nie Unterhaltungsseiten wie Facebook besucht habe und dass ich während der Arbeitszeit nie mein Smartphone gecheckt habe.
  • Als Angestellter musste ich meine Arbeitszeiten dokumentieren, und zwar minutiös. 

Diese ganzen Zwänge fallen weg, wenn man selbstständig arbeitet. Und auch, wenn man selbstständig lernt. Wenn man aber die Prinzipien dahinter versteht, kann man sie für sich nutzen. Im Folgenden beschreibe ich euch, wie ihr das für euer Studium oder eure Weiterbildung umsetzen könnt.

Schritt 1: Projektmanagement

MeisterTask Oberfläche (Abbildung: meistertask.com)

Der erste und wichtigste Schritt, wenn ihr eure Prokrastination überwinden und produktiver studieren wollt: Ihr müsst genau festlegen, wovor ihr euch drückt. Das könnt ihr auf dem Papier machen oder ihr nutzt dafür Software, so wie ich das tue. Damit zwingt ihr euch, darüber nachzudenken, was zu tun ist wie lange ihr dafür braucht.

Mein bevorzugtes Projektmanagement-Tool ist derzeit MeisterTask. Das ist einfach gehalten & intuitiv, kostenlos bzw. Freemium und es gibt eine App für Mobilgeräte. Damit organisiere ich ein Projekt im Groben. Das sieht so aus, dass ich einzelne Aufgaben einzelnen Kategorien zuweise. Im Studium könnte das so aussehen, dass ihr euch eine Kategorie „In Arbeit“, eine Kategorie „Zu recherchieren“ und eine Kategorie „Zu lesen“ anlegt. 

Jede Aufgabe sollte auch geschätzt werden. Wie lange brauche ich voraussichtlich für den Task?

Detailaufgaben bzw. Tagesaufgaben strukturiere ich dann ganz klassisch mit Zettel und Stift (bzw. der Stickie-Notes-App von Apple). Damit liste und sortiere ich die Kleinigkeiten bzw. Unteraufgaben, die ich für eine größere Aufgabe noch zu erledigen habe.

Schritt 2: Aufmerksamkeitsmanagement

„Pomodoro“ ist italienisch und heißt „Tomate“ (Bild: Francesco Cirillo/CC BY-SA 2.5)

Um nun eine Aufgabe zu erledigen und nicht in Prokrastinations-Tätigkeiten zu verfallen, managed ihr nicht eure Zeit, sondern eure Aufmerksamkeit. Dazu benutzt ihr die sogenannte Pomodoro-Technik. Das funktioniert so:

  1. Ihr legt eine Aufgabe fest, die ihr beackern wollt. Dank Schritt 1 wisst ihr ja nun genau, was zu tun ist. 
  2. Ihr schließt Facebook und alle Seiten, die euch ablenken könnten. Ihr schaltet euer Handy in den Flugmodus, setzt euch Kopfhörer auf und lasst Fahrstuhlmusik laufen (Tipp: Brandenburgische Konzerte). 
  3. Ihr stellt euch einen Timer auf 25 Minuten. Ihr könnt dafür auch eine App nutzen. Ich nutze die App Be Focused für MacOs.
  4. Ihr bearbeitet eure Aufgabe. Und zwar genau 25 Minuten lang. 25 Minuten sind nicht lang, das bekommt ihr hin 😉 Wenn ihr den Drang verspürt, Facebook zu besuchen oder euer Smartphone zu checken, zwingt ihr euch, weiter an euer Aufgabe zu arbeiten; Facebook verschiebt ihr auf die Pause, die in wenigen Minuten folgt.
  5. Ihr macht 5 Minuten Pause. Die Pause nutzt ihr, um euch zu belohnen, etwa mit 'nem Stück Schokolade oder einer Runde Facebook-Surfen. Die Belohnung ist wichtig! Damit konditioniert ihr euch auf konzentriertes Arbeiten.
  6. Ihr startet wieder bei 1).

Nach 4 Intervallen könnt ihr eine längere Pause von 30 Minuten einlegen. Ziel sind beispielsweise für den Anfang 10 Arbeitsintervalle pro Tag.

Wenn ihr fortgeschrittener seid, macht ihr es wie ich: Ich arbeite in 45-Minuten-Intervallen mit 10-Minuten-Pausen. Davon dann 10 Stück am Tag. So komme ich auf die knapp 8 Stunden konzentrierter Arbeit, die ich als Angestellter Ruderer im Großraumbüro gedient habe.

Arbeits- bzw. Lernzeit müsst ihr nicht erfassen, aber wenn ihr das tut, hilft euch das dabei, euch von außen zu beobachten und Fortschritte sowie Tendenzen zu erkennen. Arbeitszeit könnt ihr mit MeisterTask erfassen, oder ihr nutzt eine der Pomodoro-Apps, die gleichzeitig Statistiken bieten.

Ach, und die gegenseitige Beobachtung im Büro simuliert ihr, indem ihr beispielsweise über euen Lernfortschritt bloggt, indem ihr auf Instagram regelmäßig Statusupdates postet oder indem ihr hier auf fernstudi.net in die Timeline postet, was ihr gerade gelernt habt.

Zusammenfassung

Um es noch einmal zusammenzufassen, was ihr tut, um eurem Drang zum Prokrastinieren ein Schnippchen zu schlagen:

  • Schreibt euch auf, was ihr tun müsst, wie lange es ungefähr dauern wird und wann ihr es tun wollt.
  • Schaltet alle Ablenkungen ab, startet einen Timer und arbeitet 25 Minuten fokussiert an eurer Aufgabe.
  • Macht 5 Minuten Pause und belohnt euch. Startet dann wieder von vorne.

Ach so, dass ich mit dieser Methode die Arbeit von 2 Tagen in 2 Stunden schaffe, ist übrigens kein Witz. Früher hätte ich für einen Artikel wie diesen 2 Arbeitstage eingeplant! Mit Pomodoro schreibe ich einen solchen Beitrag in 2 Stunden. 

Veröffentlicht vor 1 Woche. Abgelegt unter Lernen, Produktivität.

Christian

Christian ist Wissenschaftsredakteur und Blogger, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann!

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