Weiterbildung zum Betriebswirt: IHK, staatlich geprüft oder Zertifikatslehrgang?

Die Weiterbildung zum Betriebswirt kannst du auf verschiedensten Wegen absolvieren. Neben der typischen Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer und dem Staatlich geprüften Betriebswirt gibt es außerdem Zertifikatslehrgänge. Heute wollen wir uns einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten sowie deren Vor- und Nachteile verschaffen.

Der Betriebswirt IHK: Einer der wertvollsten Abschlüsse

Foto: © Robert Kneschke/Fotolia

Um den Betriebswirt an der Industrie- und Handelskammer ablegen zu dürfen, musst du bereits eine Aufstiegsfortbildung absolviert haben, zum Beispiel zum Meister, Fachwirt oder Fachkaufmann. Die nicht-akademische Weiterbildung gehört zu den höchsten Bildungsabschlüssen außerhalb einer universitären Ausbildung, die du in Deutschland erreichen kannst. In Hinblick auf den Wert der Weiterbildung setzt der Deutsche Qualifikationsrahmen den Betriebswirt IHK mit dem akademischen Master gleich. Die Industrie- und Handelskammer orientiert sich an fächerübergreifenden Inhalten, die sich nicht auf eine bestimmte Branche konzentrieren, sondern an der Betriebswirtschaftslehre und ihren Teildisziplinen. Die Weiterbildung an der IHK zeichnet sich durch eine ausgewogene Mischung aus Praxisbezug und theoretischen Inhalten aus.

Diese Tabelle zeigt einige Kurse, die zum IHK-Abschluss führen:

KursAnbieterAbschlussDauerKosten*
Geprüfter Technischer Betriebswirt IHK Studiengemeinschaft Darmstadt IHK-Abschluss 18 Monate 142 EUR/Mon.
Geprüfter Technischer Betriebswirt IHK Hamburger Akademie für Fernstudien IHK-Abschluss 18 Monate 154 EUR/Mon.
Geprüfter Betriebswirt IHK Stiftung Handelsakademie Hessen-Thüringen IHK-Abschluss 24 Monate 141 EUR/Mon.

*Ohne Gewähr.
Tagesaktuelle Angaben erhalten Sie beim Anbieter direkt.

Vorteile

  • Es gibt viele verschiedene Modelle, damit man den Betriebswirt mit den eigenen zeitlichen Möglichkeiten vereinbaren kann, z. B. Abendlehrgänge, Wochenendseminare, berufsbegleitende Kurse und Vollzeitweiterbildungen.
  • Der Betriebswirt IHK ist inhaltlich anspruchsvoll und bildet die Teilnehmer sehr breit gefächert weiter.
  • Der Abschluss genießt in der Wirtschaft – insbesondere in der Industrie – ein sehr hohes Ansehen.

Nachteile

  • Lebt man nicht in einem Ballungsgebiet oder einer größeren Stadt, sind Fahrtzeiten von bis zu einer Stunde einzukalkulieren.
  • Besonders bei berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten muss über Monate oder Jahre hinweg mit einer enormen Doppelbelastung gerechnet werden.
  • Es ist nicht jederzeit möglich, mit dem Kurs zu beginnen. Vollzeitlehrgänge werden bei der IHK meist zwischen ein und dreimal pro Jahr angeboten. Berufsbegleitende Weiterbildungen hingegen starten oft sogar nur einmal jährlich.
  • Die Zugangsvoraussetzungen sind relativ streng gefasst: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Aufstiegsfortbildung und Berufserfahrung geht es nicht.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die im kaufmännischen Bereich eine Aufstiegsfortbildung anstreben und idealerweise in der Industrie tätig sind.

Der Betriebswirt HWK: Speziell für Handwerksmeister

Der Betriebswirt der Handwerkskammer richtet sich speziell an Fach- und Führungskräfte, die im Handwerk tätig sind (z. B. Kfz-Mechatroniker, Maurer, Zimmerer). Ziel dieser Weiterbildung ist es, diese Zielgruppe zur Gründung und Unternehmensführung von Handwerksbetrieben zu qualifizieren. Der Betriebswirt HWK ist die höchste im Handwerk erreichbare Qualifikation. Auch hier besteht gemäß DQR eine Gleichstellung mit dem akademischen Master. 2011 wurde die Weiterbildung neu strukturiert und führt seitdem zu dem Titel „Geprüfter Betriebswirt (HwO)“, wobei HwO für die Handwerksordnung steht.

Vorteile

  • Der Betriebswirt HWK dauert bei Weitem nicht so lang wie der IHK-Betriebswirt oder der Staatlich geprüfte Betriebswirt. Selbst berufsbegleitend beträgt die Dauer nur ein Jahr, im Vollzeitmodus sogar nur ca. 3 Monate.
  • Die Weiterbildung weist einen sehr starken Praxisbezug auf und ist ganz gezielt auf die Besonderheiten der Führungsarbeit in Handwerksbetrieben ausgerichtet.
  • Im Handwerk genießt dieser betriebswirtschaftliche Abschluss hohes Ansehen.
  • Die Weiterbildung kann mit dem Jahresurlaub und einem gut gefüllten Überstundenkonto oder wenigen Wochen unbezahlter Freistellung in Vollzeit absolviert werden, ohne die Berufstätigkeit unterbrechen zu müssen.

Nachteile

  • Der HWK-Betriebswirt eignet sich weniger für einen Einstieg in Industriebetriebe, da sich die Aufstiegsfortbildung zu stark an den Bedürfnissen des Handwerks ausrichtet. Industrieunternehmen bevorzugen meist Industriemeister mit entsprechender IHK-Weiterbildung zum Betriebswirt, die auch deutlich umfangreicher ist.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die im Handwerk eine Führungsposition oder die Gründung eines eigenen Unternehmens anstreben.

Der Staatlich geprüfte Betriebswirt: Branchenübergreifende Weiterbildung

Die Weiterbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt ist unabhängig von einer bestimmten Branche organisiert, sondern beschäftigt sich neutral mit den verschiedenen Teildisziplinen der Betriebswirtschaft. Die Prüfung wird vor einer staatlichen Stelle abgelegt und führt zu einem der höchsten Abschlüsse, die man außerhalb einer Hochschule erlangen kann, dem Titel „Staatlich geprüfter Betriebswirt“. Innerhalb des Deutschen Qualifikationsrahmen steht der Staatlich geprüfte Betriebswirt auf einer Stufe mit dem akademischen Bachelor, ist also etwas unterhalb der HWK- und IHK-Angebote angesiedelt.

Möchtest du die staatliche Prüfung ablegen, könnten diese Anbieter für dich interessant sein:

KursAnbieterAbschlussDauerKosten*
Staatlich geprüfter Betriebswirt Studiengemeinschaft Darmstadt Staatlich geprüfter Betriebswirt 36 Monate 152 EUR/Mon.
Staatlich geprüfter Betriebswirt Institut für Lernsysteme Staatlich geprüfter Betriebswirt 36 Monate 152 EUR/Mon.
Staatlich geprüfter Betriebswirt Hamburger Akademie für Fernstudien Staatlich geprüfter Abschluss 36 Monate 152 EUR/Mon.

*Ohne Gewähr.
Tagesaktuelle Angaben erhalten Sie beim Anbieter direkt.

Vorteile

  • Verglichen mit dem Betriebswirt IHK sind die Zugangsvoraussetzungen zum Staatlich geprüften Betriebswirt deutlich weniger streng. Eine Aufstiegsfortbildung (z. B. Meister, Fachwirt) ist hier nicht erforderlich, lediglich eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung werden vorausgesetzt.
  • An staatlichen Fachschulen für Wirtschaft ist die Teilnahme bis auf ein vergleichsweise kleines Schulgeld kostenfrei.
  • Der Staatlich geprüfte Betriebswirt wird in sehr vielen verschiedenen Durchführungsvarianten angeboten, vom Präsenzlehrgang an einer Fachschule bis hin zum Fernlehrgang mit nur wenigen Präsenzphasen.
  • Der Abschluss ist in der Wirtschaft gut angesehen.

Nachteile

  • Kommt der Besuch einer staatlichen Fachschule nicht in Frage, bleiben nur die oft sehr hochpreisigen privaten Anbieter. Hier kann der Kurs mit mehreren tausend Euro zu Buche schlagen.
  • Der zeitliche Aufwand für den Staatlich geprüften Betriebswirt ist mit dem des IHK-Betriebswirts vergleichbar, gemäß dem DQR steht der Wert des Abschlusses aber niedriger.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die sich neben dem Beruf weiterbilden und für die der IHK-Betriebswirt nicht in Frage kommt, und Arbeitnehmer, für die die Möglichkeit des Besuchs einer Fachschule für Wirtschaft besteht.

Zertifikatslehrgänge: Der „kleine“ Betriebswirt

Sehr viele unterschiedliche Institute bieten sogenannte Zertifikatslehrgänge an. Dabei legen die Teilnehmer keine staatliche oder IHK-Prüfung ab, sondern erhalten lediglich ein Teilnahmezertifikat oder die Bestätigung über eine interne Prüfung. Die Inhalte und die Schwerpunkte unterscheiden sich ebenso wie die Dauer und zeitliche Organisation. Sie eignen sich vor allem dann, wenn es den Teilnehmern weniger auf den Abschluss, sondern mehr auf die zeit- und kostengünstige Erweiterung ihres Wissens im betriebswirtschaftlichen Bereich ankommt. Eine Anerkennung auf DQR-Niveau besteht für solche Lehrgänge in aller Regel nicht.

Positiv tun sich in diesem Bereich aber Zertifikatslehrgänge hervor, die von Hochschulen angeboten werden und durch die Betreuung seitens Universitätsprofessoren ein gewisses akademisches Niveau aufweisen können. Ein Beispiel hierfür ist das Fernstudium „Betriebswirt (IWW)“ vom Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Weiterbildung GmbH, das ein Institut an der Fernuniversität Hagen darstellt. Eines sei jedoch dazu gesagt: Inwiefern Arbeitgeber diesen Umstand zu würdigen wissen, ist fragwürdig. Längst nicht jeder Personalentscheider kennt Inhalt und Charakter solcher Lehrgänge. Für jemanden, der den Kurs nicht kennt, bleibt es ein Zertifikatslehrgang ohne Abschluss vor der IHK oder einer staatlichen Stelle, denn es wird nur eine institutsinterne Prüfung abgelegt.

Einen guten Überblick über bestehende Weiterbildungsmöglichkeiten gibt diese Tabelle:

KursAnbieterAbschlussDauerKosten*
Betriebswirt in Non-Profit-Organisationen Institut für Lernsysteme ILS-Zertifikat 30 Monate 142 EUR/Mon.
Betriebswirt Institut für Lernsysteme ILS-Zertifikat 32 Monate 142 EUR/Mon.
Hotelbetriebswirt SRH Hotel-Akademie Dresden Hotelbetriebswirt 36 Monate 290 EUR/Mon.
Betriebswirtschaft und Management Euro-FH Hochschulzertifikat 8 Monate 280 EUR/Mon.
Betriebswirt IWW Hagen Betriebswirt (IWW) 9 Monate 433 EUR/Mon.
IT-Betriebswirt IWW Hagen Hochschulzertifikat 9 Monate 433 EUR/Mon.
Betriebswirtschaftslehre kompakt AKAD Weiterbildung AKAD-Zertifikat 4 Monate 144 EUR/Mon.
Medienbetriebswirt Hamburger Akademie für Fernstudien HAF-Zertfikat 30 Monate 144 EUR/Mon.
Betriebswirtschaft für Führungskräfte afw Wirtschaftsakademie Bad Harzburg Harzburg-Diplom 16 Monate 170 EUR/Mon.
Gastronomiebetriebswirt IST-Studieninstitut IST-Diplom 18 Monate 168 EUR/Mon.

*Ohne Gewähr.
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Vorteile

  • Man erlangt die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse häufig in kürzerer Zeit, weil Zertifikatslehrgänge auf eine kürzere Dauer ausgelegt sein bzw. kompakter organisiert sein können.
  • Einen Zertifikatslehrgang können Teilnehmer gewöhnlich auch dann absolvieren, wenn sie weder über eine Aufstiegsfortbildung noch über langjährige Berufserfahrung verfügen – kurzum: Die Teilnahmevoraussetzungen sind oft minimal.
  • Zertifikatslehrgänge sind häufig deutlich günstiger als Kurse mit einer staatlichen oder IHK-Prüfung.
  • Zertifikatslehrgänge sind häufig auf bestimmte Branchen oder Tätigkeiten ausgerichtet (z. B. Medienbetriebswirt, Hotelbetriebswirt) und sind so eine sinnvolle Ergänzung für Arbeitnehmer, die in den jeweiligen Bereich einsteigen wollen oder dort bereits tätig sind.
  • Es gibt eine große Auswahl von Anbietern, sodass sich jeder Interessent genau das Angebot aussuchen kann, das ihm persönlich am meisten bringt.

Nachteile

  • Da es entweder keine oder nur eine institutsinterne Prüfung gibt, erwerben die Teilnehmer auch keine offizielle Berufsbezeichnung.
  • Bei allgemein ausgerichteten, betriebswirtschaftlichen Zertifikatslehrgängen ist eine Spezialisierung auf eine bestimmte Branche oder Funktion meist nicht möglich.
  • Zwar sind die Weiterbildungsbemühungen von Arbeitnehmern bei Arbeitgebern immer gern gesehen. Allerdings lässt sich natürlich nicht verleugnen, dass Zertifikatslehrgänge in Hinblick auf das Ansehen nicht mit „richtigen“ Abschlüssen mithalten können.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die sich im betriebswirtschaftlichen Bereich weiterbilden möchten, jedoch auf einen Berufsabschluss keinen Wert legen; Arbeitnehmer, die die Voraussetzungen für die umfangreicheren Weiterbildungskonzepte nicht mitbringen.

Jedem die Weiterbildung, die am besten zu ihm passt

Grundsätzlich gilt: Ob nun Zertifikat, IHK-Abschluss oder staatliche Prüfung – wichtig ist, dass du dich weiterbildest. Dennoch kann es natürlich nicht schaden, alle Optionen auszuloten. Warum solltest du dich mit einem einfachen Zertifikatslehrgang zufriedengeben, wenn dir der staatliche oder IHK-Abschluss mehr nützen würde und du die Voraussetzungen dafür erfüllst? Lass dir vorab immer alle Optionen durch den Kopf gehen, dann kannst du am Ende auch eine fundierte Entscheidung treffen.

Beitrag veröffentlicht vor 11 Monaten (aktualisiert vor 11 Monaten) .

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

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