Was kostet ein Fernstudium und was fördert der Staat?

Ein Fernstudium oder ein weiterbildender Fernkurs verursacht Kosten, die teilweise höher sind als bei einem Präsenzstudium. Häufig stellt die Finanzierung kein großes Problem dar, wenn das Studium oder die Weiterbildung neben einem Beruf erfolgt. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, die Sie zusätzlich in Anspruch nehmen können und die Ihnen im Folgenden vorgestellt werden. Sie lernen hier, was ein Fernstudium kostet und wie Sie es finanzieren können.

Kosten für das Fernstudium

Was ein Fernstudium so kosten kannn … Gebühren, Lebenszeit, Energie (Foto: © stockWERK/Fotolia)

Die Kosten für ein Fernstudium bzw. einen Fernkurs sind sehr unterschiedlich, je nach Studiengang oder Kurs, Anbieter und Studiendauer. Studiengebühren werden bei vielen Anbietern monatlich entrichtet, monatliche Preise varriieren von weniger als 100 EUR bis mehreren 100 EUR. Vergessen Sie nicht, den Gesamtpreis für den Kurs oder den Studiengang zu errechnen und in Relation zum erzielten Nutzen zu setzen. Mehr Nutzen werden Sie höchstwahrscheinlich erzielen, wenn Sie sich nicht am billigsten Angebot orientieren, sondern am für Sie passendsten.

Zu den reinen Kursgebühren können weitere, eher versteckte Kosten auftreten, etwa

  • Prüfungsgebühren
  • Gebühren für zusätzliche Lehrbücher oder Skripte
  • Reisekosten für Seminare
  • ggf. müssen Sie sich ein Notebook anschaffen.

Informieren Sie sich vorher ausführlich über die Gesamtkosten des Studiengangs oder Kurses, der Sie interessiert. Wenn eine Fernhochschule oder eine Fernschule keine Auskunft darüber geben möchte, was ein Kurs insgesamt kostet, ist sie nicht seriös. Fragen Sie auch vorher, was passiert, wenn Sie mal einen Kurs nicht fortführen können. Bezahlen Sie dann trotzdem den Gesamtpreis? Können Sie das Studium oder die Weiterbildung pausieren, ohne weiterzubezahlen?

Studienfinanzierung

Wie zeigen ihnen im Folgenden die wichtigsten Wege, mit denen Sie Ihr Fernstudium finanzieren können.

Eigenfinanzierung

Viele Fernstudenten studieren neben ihrem Beruf, wodurch die Entrichtung der Kursgebühren häufig kein großes Problem darstellt. Möglicherweise können Ersparnisse genutzt werden, um die Kosten für das Fernstudium zu decken. Auch wenn Sie Ihre Weiterbildung bzw. Ihr Studium aus eigener Tasche finanzieren können: Prüfen Sie dennoch, ob Sie weitere Ermäßigungen in Anspruch nehmen können.

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Finanzierung durch den Arbeitgeber

Finanziert Ihnen Ihr Chef eventuell Ihre Weiterbildung oder Ihr Studium, zumindest in Teilen? Falls Sie das nicht wissen: Fragen kostet nichts! Heben Sie bei einem Gespräch die Vorteile hervor, die das Unternehmen durch Ihre Weiterbildung erlangen wird. Betonen Sie auch, dass Sie während der Dauer des Fernstudiums in ihrer Arbeit nicht beeinträchtigt sein werden. Machen Sie sich vor einem Gespräch eventuell einen Spickzettel mit Argumenten für die Unterstützung durch das Unternehmen und mit möglichen Gegenargumenten, die sie entkräften können.

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Ermäßigungen

Viele Anbieter bieten Rabatte und Ermäßigungen, etwa falls Sie bereits vorher einen Lehrgang beim gleichen Anbieter belegt haben, oder wenn Sie zusammen mit einem Ehepartner das Studium aufnehmen. Rabatte gibt es teilweise auch für Arbeitslose, Auszubildende, Studenten, Renter/Pensionäre, Schwerbehinderte oder Zivildienstleistende. Informieren Sie sich am besten direkt bei Ihrem Wunschanbieter.

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BAföG

BAföG auch für ein Fernstudium? Hier gibt es alle Infos ...

Ein akademischer Fernstudiengang, der an einer staatlich zugelassenen Hochschule (Fachhochschule oder Universität) absolviert wird, kann durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz gefördert werden. Dabei erfolgt die Hälfte der Förderung als Zuschuss, die andere Hälfte als Darlehen, das nach dem Studium innerhalb einer bestimmten Zeit zurückgezahlt werden muss. Das Studium muss ein Vollzeitstudium sein.

Es gelten die normalen BAföG-Voraussetzungen: BAföG erhält, wem unter Berücksichtigung des eigenen Einkommens und Vermögens sowie des Einkommens der Eltern oder des Ehegatten, die für den Lebensunterhalt und die Ausbildung notwendigen Mittel nicht zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website Das neue BAföG oder direkt in Ihrem zuständigen Studentenwerk.

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Schüler-BAföG

Wer an einer Fernschule das Fernabitur absolviert oder einen anderen Lehrgang, der auf die staatlichen Externenprüfung zum Realschulabschluss oder zur FH-Reife vorbereitet, bekommt unter Umständen Schüler-BAföG. Vorteil des Schüler-BAföGs ist, dass es nicht zurückerstattet werden muss, also zu 100 % als Zuschuss gewährt wird. Zudem wird es elternunabhängig gewährt.

Der Schüler darf allerdings nicht mehr bei seinen Eltern wohnen und muss einen eigenen Hausstand pflegen.

Weitere Infos zum Schüler-BAföG: BAföG-Aktuell.de.

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Meister-BAföG

Das so genannte Meister-BAföG gilt nicht nur für Meisterkurse, sondern für Aufstiegsfortbildungen allgemein, die mit Meisterkursen vergleichbar sind. Gefördert werden Handwerker und Fachkräfte, die eine Fortbildung zum Meister, zum Techniker, zum Fachkaufmann oder Betriebswirt absolvieren möchten.

Die Förderung besteht dabei aus einem Zuschuss von 30,5 % der Lehrgangsgebühren, der nicht zurückgezahlt werden muss, und einem Darlehen, für das Zinsen anfallen. Das Darlehen muss allerdings nicht in Anspruch genommen werden.

Weitere Informationen zum Meister-BAföG: www.aufstiegs-bafoeg.de

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Studienkredit

Studienkredite für akademische Studiengänge, die auch die Kosten für ein Fernstudium decken sollen, werden von verschiedenen Banken angeboten. Die wichtigste Bank ist dabei die öffentlich-rechtliche KfW Bankengruppe, die zinsgünstige Studienkredite mit einer monatlichen Höchstrate von 650 EUR vergibt, für maximal 5 Jahre. Zinsen in Höhe von etwa 3 % werden mit der ersten Auszahlung fällig. Für die Rückzahlung gilt ein Zeitraum von maximal 25 Jahren, vorzeitige Tilgung ist möglich. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Website der KFW. Dort erfahren Sie auch, welche Hochschulen förderungsfähig sind.

Andere Privatbanken bieten auch Studienkredite an, etwa die Deutsche Bank oder die Sparkassen. Zinssätze variieren zwischen knapp 5 und 10 %. Auf der Website der Stiftung Warentest finden Sie einen Vergleich von Studienkrediten, allerdings aus dem Jahre 2003 (aktuelle Testergebnisse sind teilweise kostenpflichtig).

Bitte bedenken Sie, dass Sie einen Kredit kaufen und die Rückzahlung Sie finanziell belasten kann. Auch werden Sie bei Inanspruchnahme eines Kredites gezwungen sein, Ihr Studium zügig abzuschließen.

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Steuerersparnisse

Kosten für eine Fort- und Weiterbildung, die beruflich bedingt ist, können Sie steuerlich geltend machen und absetzen als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist, dass Sie die Fort- oder Weiterbildung absolvieren, um ihre Kenntnisse im ausgeübten Beruf zu verbessern oder zu erhalten. Geltend machen können Sie dabei z.B.:

  • Studiengebühren bzw. Kursgebühren
  • Gebühren für Seminare und Prüfungen
  • Kosten für Fachliteratur
  • Reisekosten für Fahrten zu Seminaren und Arbeitsgemeinschaften
  • Arbeitsmittel wie ein Notebook oder auch Software
  • Verpflegungs- und Übernachtungskosten für Seminarreisen

Wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt für nähere Auskünfte. Nähere Infos finden Sie auch hier.

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Stipendium

Viele verschiedene Stiftungen stellen in Deutschland Stipendien für engagierte und gute Studenten zur Verfügung, die auch teilweise die kompletten Fernstudium-Kosten decken können. Voraussetzungen können z.B. eine besondere Begabung, politisches Engagement, überdurchschnittliche Studienleistungen etc. sein. Eine Bewerbung bei einer oder mehrerer Stiftungen (etwa der Friedrich-Naumann-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Hans-Böckler-Stiftung) kann sich durchaus lohnen.

Weitere Informationen zum Stipendium finden Sie in der Stipendiendatenbank des BMBF stipendienlotse.de. Eine Übersicht über bundesweite Stiftungen finden Sie hier.

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Aufstiegsstipendium

Das Aufstiegsstipendium ist ein Sonderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF, das sich an bereits Berufserfahrene richtet, die besonders engagiert und motiviert sind. Unterstützt wird ein erstes Studium an einer Hochschule. Gedeckt werden in der Regel die Kosten für ein Fernstudium oder Studium durch Zahlung von monatlich 650 EUR + 80 EUR Büchergeld. Voraussetzungen sind:

  • eine abgeschlossene Berufsausbildung mit besonders erfolgreichem Abschluss; die Berufsabschlussprüfung oder die Aufstiegsfortbildung muss mit einer Durchschnittsnote von mindestens 1,9 oder mit mindestens 87 Punkten bestanden sein;
  • Berufserfahrung von mindestens 2 Jahren;
  • das 2. Fachsemester eines möglicherweise bereits aufgenommenes Studium darf noch nicht beendet sein.

Alternativ kann der Betrieb, in dem Sie beschäftigt sind, einen begründeten Vorschlag abgeben. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des BMBF aufstieg-durch-bildung.info.

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Bildungsprämie

Die Bildungsprämie ist ein Programm des BMBF, das individuelle berufliche Weiterbildung unterstützen soll und auch auch zur Kostendeckung für ein Fernstudium beitragen kann. Die Bildungsprämie besteht aus 2 Teilen:

Zum einen gibt es den Prämiengutschein von maximal 500 EUR; ihn können alle Erwerbstätigen erhalten, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen 25.600 EUR (bei gemeinsam veranlagten 51.200 EUR) nicht übersteigt; für die Weiterbildung muss mindestens die gleiche Summe aufgebracht werden. Der Prämiegutschein wird gewährt für Lehrgänge, Prüfungen oder Zertifikate und Fortbildungen.

Zum anderen wird durch das Weiterbildungssparen eine Entnahme aus angespartem Guthaben erlaubt. Ein Ansparguthaben wird dabei vorausgesetzt.

Weitere Informationen zur Bildungsprämie gibt es hier.

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Bildungsgutschein

Kosten für ein Fernstudium können Sie auch durch einen Bildungsgutschein mindern.

Ein Bildungsgutschein ist eine Maßnahme und Bescheinigung der Arbeitsämter, durch den berufliche Weiterbildung insbesondere von Arbeitslosen gefördert werden soll. Der Bildungsgutschein ist eine Kann-Leistung, über die ein Sachbearbeiter entscheidet. Er muss, nach der Ausstellung, innerhalb von drei Monaten eingelöst werden. Ansprüche auf Arbeitslosengeld gehen nicht verloren. Konkrete Voraussetzungen:

  • Notwendigkeit der Teilnahme an einer Weiterbildung, um Arbeitslose beruflich wieder einzugliedern oder um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden;
  • in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mindestens 3 Jahre Berufserfahrung.

Übernommen werden die Kosten für einen Lehrgang, für Lehrmaterialien, Arbeitskleidung, Prüfungsgebühren etc. Der Lehrgang muss vom Arbeitsamt anerkannt worden sein.

Weitere Hinweise zum Bildungsgutschein zur Finanzierung eines Fernstudiums finden Sie hier. Lesen Sie auch: Bildungsgutschein: So überzeugen Sie Ihren Berater.

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Weiterbildungstipendium

Das Weiterbildungsstipendium wird von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung betreut, wie auch das Aufstiegsstipendium, und vom BMBF vergeben. Es unterstützt junge Menschen bei ihrer weiteren beruflichen Qualifizierung mit Zuschüssen von bis zu 5100 EUR. Das Weiterbildungsstipendium wird einkommensunabhängig vergeben. Gefördert werden Weiterbildungen zum Techniker, zum Fachwirt oder Handwerksmeister sowie fachübergreifende Weiterbildungen, etwa EDV-Kurse oder Sprachkurse. Auch ein berufsbegleitendes Studium kann gefördert werden. Voraussetzungen:

  • Berufsabschlussprüfung mit mindestens 87 Punkte oder
  • Platzierung bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb unter den ersten Dreien oder
  • begründeter Vorschlag des Arbeitsgebers oder Berufsschule
  • Berufstätigkeit zum Zeitpunkt der Bewerbung oder als arbeitssuchend gemeldet

Weitere Informationen zur Deckung der Fernstudium-Kosten durch ein Weiterbildungsstipendium erhalten Sie hier.

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Förderung für Soldaten und Zivis

Auch Soldaten und Zivildienstleiste können bei beruflicher Weiterbildung gefördert werden und die eigenen Kosten für ein Fernstudium minimieren.

Zivildienstleistende haben während ihrer Dienstzeit Anspruch auf eine Reihe an Zuschüssen für Bildungsmaßnahmen fachberuflicher, berufsübergreifender oder schulischer Art. Zuschüsse gibt es für Lehrgangsgebühren, Studiengebühren, Lehrmittel und Prüfungsgebühren. Es werden maximal 665 EUR vergeben. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Soldaten auf Zeit bzw. Wehrdienstleistende erhalten ebenfalls Unterstützungen für berufliche Weiterbildung. Auch hier sind Zuschüsse für Lehrgangsgebühren, Studiengebühren, Lehrmittel und Prüfungsgebühren möglich, bei Zeitsoldaten komplett, bei Wehrdienstleistenden anteilig. Weitere Informationen erteilt der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr.

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Förderung durch Bundesländer

Einzelne Bundesländer haben Programme aufgelegt, die Sie bei Ihrer Weiterbildung durch Zuschüsse unterstützen können. Was Sie in Anspruch nehmen können, hängt auch davon ab, in welchem Bundesland Sie leben.

Bildungsscheck NRW: Der Bildungsscheck bezuschusst private und betriebliche Weiterbildungsausgaben zur Hälfte, mit maximal 500 EUR. Gefördert werden önnen Weiterbildungsmaßnahmen, die der beruflichen Qualifizierung und dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit dienen. Weitere Informationen und Voraussetzungen hier.

Bildungsscheck Mecklenburg-Vorpommern: Auch hier können bis zu 500 EUR für eine Weiterbildungsmaßnahme bezuschusst werden, gefördert werden Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Informationen finden Sie hier.

Qualifizierungsscheck Hessen: Durch den Qualifizierungsscheck Hessen werden Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftige in kleinen und mittleren Unternehmen in Hessen gefördert. Es werden 50 % der Kosten übernommen, maximal jedoch 500 EUR pro Person und Kalenderjahr. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Qualischeck Rheinland-Pfalz: Beschäftige, die in Rheinland-Pfalz leben und arbeiten, sowie Unternehmen und Selbstständige in Rheinland-Pfalz, können Ihre Weiterbildung durch den Qualischeck bezuschussen lassen. Auch beim Qualischeck können 50 % der Kosten übernommen werden, höchstens jedoch 500 EUR pro Person und Kalenderjahr. Weitere Informationen finden Sie hier.

Bildungsscheck Brandenburg: Wer in Brandenburg lebt und eine Weiterbildung plant, kann sich evtl. durch einen Bildungsscheck unterstützen lassen. Es können maximal 500 EUR der Kosten übernommen werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Bildungsurlaub

Der Bildungsurlaub bzw. die Bildungsfreistellung ist eine Form des Urlaubs, der primär nicht der Erholung, sondern insbesondere der beruflichen und politischen Weiterbildung dienen soll. Bis auf Baden-Württemberg, Bayern, Sachen und Thüringen gibt es in allen Bundesländern Bildungsurlaubgesetze. Ausgegangen wird in der Regel von einer bezahlten Freistellung von 5 Arbeitstagen pro Jahr für Weiterbildungsmaßnahmen. Gesetze der einzelnen Bundesländer im Überblick:

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Fragen zur Finanzierung eines akademischen Fernstudiums? Nutzen Sie das Forum für Studienberatung: Forenbeitrag Finanzierung für ein Fernstudium.

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Beitrag veröffentlicht vor 4 Jahren (aktualisiert vor 6 Monaten).

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