Chancengleichheit Bildung?

Zitate aus: Handbuch Bildungsforschung, 3 Aufl. (2010); Hrsg. R.Tippelt, B.Schmidt. S.57-58

5.1 Sozioökonomischer Status

Sozialerhebung der Deutschen Studentenwerkes (BMBF 2007)
" Die Ergebnisse für 2005 sprechen für sich : Von 100 Kindern aus Nichtakademikerfamilien erreichen 46 Kinder die gymnasiale Oberstufe und letztendlich schaffen 23 Kinder den Sprung an die Hochschule. Im Vergleich dazu gelangen 88 von 100 Akademikerkinder auf die Oberstufe und schließlich 83 an die Hochschule. Die Chance eines Akademikerkindes, eine Hochschule zu besuchen, ist damit mehr als dreieinhalb Mal so hoch wie die Chance eines Nichtakademikerkindes. "

5.2 Geschlecht

" Im Jahre 2008 waren lediglich 39% der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss Frauen."

5.3 Region

" Die Chancen von Kindern aus der Oberschicht, ein Gymnasium zu besuchen, verglichen mit Kindern aus einer niedrigeren Sozialschicht, sind in Sachsen-Anhalt über zehnmal größer. In Brandenburg annähernd viermal so hoch. "
5.4 Migrationshintergrund

"Rund sechs Millionen der unter 25 -Jährigen hatten 2005 in Deutschland einen Migrationshintergrund, das ist mehr als ein Viertel (27,2%) aller Schüler und Schülerinnen in Deutschland.


"Betrachtet man die Chancen(un)gleichheit im deutschen Bildungssystem über die Zeit, dann hat das katholische Arbeitermädchen vom Lande heutzutage die Gestalt eines "Hartz-IV-Migrantensohns" angenommen." 

Beitrag veröffentlicht vor 6 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr).

Kommentare und Fragen

kaltestantchen

Natürlich ist das auch ein Faktor der Bildung, aber ich denke, nicht gerader der Chancengleichheit. Die meisten Eltern wollen nur das Beste für ihr Kinder. "Mein Kind soll es einmal besser haben als ich!" Hört man oft. Doch haben viele "kleine Leute" wenig Mittel ihre Kinder zu födern.
Nehmen wir mal eine alleinerziehnde Mutter. Sie hat meist keinen so gut bezahlten Job. Sie kommen gerade so über die Runden. Nun hat das Kind Probleme in der Schule. Die Mutter hat aber wenig Zeit und kann das auch nicht unbedingt, was das Kind da lern soll. Nachhilfeunterricht kann sie nicht bezahlen und auch ein Buch über 20 € ist schon Luxus. Sie vermittelt aber ihrem Kind, es muss fleißg lernen, damit es einen guten Anschluß macht und mehr aus ihm wird als aus ihr. Das Kind muss nun andere Wege finden, den Stoff zu verstehen. Gelingt das, gut und wenn nicht?
Hier sind wir nun wieder an einem Punkt, wo man sich fragen kann, was ist Bildung? Es ist ja mehr als lernen, es ist eher ein Zurechtfinden in der Welt und sie sich zu nutzen machen.

Höhere Schulische Bildung müssen sich die Eltern leisten können oder man muss gute Kompetenzen haben einen anderen Weg zu finden.

Natalja

Um eins vorab zu schicken: ich finde es wirklich super dass wir hier unsere Meinungen austauschen.

Jetzt wieder zurück zum Thema.
Ich komme aus einer Familie mit Migrationshintergrund bzw. bin selber mit der Familie im Alter von 13 Jahren nach Deutschland eingereist. Kaltestantchen, was den Famileinzusammenhalt angeht, da kann ich dir wirklich nur zustimmen. In der 11 Klasse wurden wir mal gefragt wie gross unsere Familein sind und ob es noch eine "Familie" überhaupt gibt. Von 30 Kindern waren wir vll. 7 bei denen die Eltern noch nicht geschieden sind und sich nach 20 Jahren Ehe immer noch aushalten, davon waren drei Jugendliche Russland-Deutsche, 2 Deutsche und 2 Türken ;) Wenn ich es richtig in Erinnerung habe...
In meinem russisch sprechendem Freundeskreis gibt es nur zwei Familien mit einer alleinerziehender Mama. Aber es heisst auch nicht, dass die Familien wirklich funktionieren.
Ich denke für die Generation unseren Eltern ist es sehr unüblich sich scheiden zu lassen und wenn man schon gemeinsam ein Schritt nach Ausland gewagt hat, dann bleiben die auch zusammen.
Aber es ist wiederum ein anderes Thema ;)

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder aus den sagen wir mal "einfacheren" Familieverhältnissen nicht unbedingt immer zum Studium angeregt werden. Zumindestens habe ich oft genug gehört, dass eine gute Ausbildung auch schon eine sehr gute Leistung ist, was ich auch nicht anzweifeln will. Meine Eltern sind da eine Ausnahme, sie haben uns seit der Kindheit erklärt wie wichtig es sei zu studieren und je mehr wir lernen desto bessere Chancen haben wir dann später im Berufsleben. Nicht jeder muss jetzt studieren um ein gutes Berufsleben zu haben, es gibt Menschen die sind praktisch veranlagt und können mit der ganzen Theorie nichts anfangen. Und wiederum andere die philosophieren und debattieren können, aber nicht in der Lage sind selbständig Öl zu wechseln. Was ich damit sagen will, es muss nicht jeder zwingend studieren aber ich persönlich werde meine Kinder (hoffentlich) dazu anregen und motivieren eine möglichst hohen Bildungsabschluss zu kriegen, zwingend werde ich sie dazu nicht.

kaltestantchen

Bildungschancen, ein heißes Thema!
Ich denke, da kommen mehere Faktoren zusammen.
Aber ein entscheidener ist das GELD! Ein weiteres ist die Zufriedenheit, die Familie und das Umfeld. Z.B. haben die türkischen Familien eine riesen Vorteil, sie haben noch eine und halten zusammen. Die Kinder werden aufgefangen und wie werkstattschreiber meint, durch sie gefordert und gefördert.
Natürlich liegt es auch am Angebot vor Ort, wobei wir schon wieder beim Geld sind.
Das katholischen Mädchen vom Lande hat die besten Voraussetzungen noch ein Studium zu machen. Denn kahtolisch ist man zu meist im "Westen" und dort funktioniert auch meist noch Familie. Und durch die Religion bekommt sie Halt und Förderung (durch kirchliche Angebote). Verlierer sind für mich die im "Osten". Keine Jobs, wenig Geld, wenig Angebote, kaum Zufriedenheit, wenig Perspektive und damit niedriger Bildungstand.
Was ich für meine Familie sehe, so haben Kinder aus Großfamilien, die funktionieren, den Vorteil mehr "Leben" zu lernen, mehr "Miteinander". Doch bei vielen Dingen müssen sie zurückstecken, da es zumeist an Geld mangelt. Hier greift dann meist die Familie (Oma, Opa, Onkel, Tanten usw.) Hat man das nicht, und kein Harz IV, wird es eng. Und man kann oft nur zusehen wie die nächste Förderung dein Kind nicht mitmachen kann, z.B. Musikschule.
In einem so reichen Land wie Deutschland, finde ich es so traurig, wie mit unseren Kinder umgegangen wird und wie wenig sie gewünscht sind.

werkstattschreiber

Hallo Natalja,

sehr spannende Beiträge, auch die Einträge weiter unten.

Bildung hat u. a. mit Förderung/Forderung zu tun. Kinder aus Arbeiterhaushalten oder solche mit Migrationshintergrund werden von zu Hause aus anders gefördert/gefordert als solche, die aus Akademikerhaushalten kommen. Damit meine ich nicht nur finanziell, sondern auch bezogen auf die Möglichkeiten, die in Aussicht gestellt werden (können) [zumindest stelle ich mir das so vor]. Die Schwerpunkte sind einfach anders verteilt.

Natalja

stelle grade verwundert fest, dass ich wieder mal einige Schreibfehler versteckt habe :) Und die Korrektur ist ja nicht mehr möglich, nun möge mir das hier jeder Leser verzeihen.

Natalja

Sicher ist es für alleinerziehende Eltern sehr schwer, das mag ich gar nicht anzweifeln, aber wir leben hier in einem Land wo es so viele Möglichkeiten gibt, auch für finanziell schwachen Familien.
Es muss nicht immer das Buch für 20 Euro sein, es gibt auch die Stadtbibliothek, wo man eigentlich ziemlich gute Bücher bekommt. Nur sind die Bibliotheken nicht gerade viel besucht und leiden an jährlichen Etat Kürzungen. Ich komme aus einer einfachen Familie mit einem Alleinverdiener (Papa) und Mama die der deutschen Sprache nicht wirklick mächtg ist. Und vorallem aus dem Land wo so was wie Nachhilfe in der Schule, kaum jemanden Bekannt ist ausser dem Privatunterricht das sich wirklich nur "die Elite" leisten kann.

Hier gibt es Vereine, ehrenamtlich Organisation und die Schulen bieten verstärkt Hausaufgaben Betreuung an. Das Studium ist im internationalen Vergleich eigentlich fast "geschenkt" bei den Gebühren die man hier zahlt.* Ausserdem gibt es so viele Möglichkeiten eine Förderung zu beantragen. Und aus meinen früheren Erfahrungen als Student kann ich auch berichten, dass ab dem zweiten Semester auch fast jeder in meinem Studiengang eine werkstudentische Tätigkeit ausgeübt hat. Also ist es auch Möglich gewesen das Studium mit beruflicher Praxis zu kombinieren, ich glaube mit Kindern wäre es schwieriger ;)

Die Musik oder Kunstschule kann sich aber wirklich nicht jeder leisten, aber es war ja auch schon immer so und wird vermutlich auch so noch eine Zeit lang bleiben.


* kann hierzu einige Quellen nennen

Natalja

Ich mag ja ganz falsch liegen, aber ich vermute jetzt einfach mal dass die Akademiker ihren Kindern das Studium einfach viel stärker vermitteln. Wenn beide Eltern ein abgeshclossenes Studium haben, werden sie vond em Kind vermutlich mehr abverlangen und es stärker danach drillen midnestens einen Abitur zu haben. Natürlcih gibt es aber auch hier Ausnahmen.
Und andersrum kann ich mir eben vorstellen dass eine Familie wo beide Eltern eine gute Ausbildung haben und erfolgreich sind, ihre Kinder stärker vermitteln werden wie wichtig es sei eine gute Ausbildung zu machen um in Anschluss vll. noch doch zu studieren.

Denke ich jetzt zu stark mit den Vorurteilen?

Natalja

danke :)