Erfahrungsbericht von meinen mündlichen Abitur Prüfungen

So, nachdem ich euch kürzlich mal von meinen Erfahrungen im schriftlichen Abitur berichtet habe, dreht sich heute alles rund um meine mündlichen Prüfungen. Gleich vorweg: Warm geworden bin ich mit mündlichen Prüfungen noch nie – und das hat sich auch bei den Abi-Prüfungen nicht verändert. Anmerkung: Bitte beachtet, dass meine Prüfungen inzwischen schon einige Jahre her sind. Es kann also sein, dass der Ablauf inzwischen in einigen Fächern ein wenig anders sein kann!

Mündliche Abitur-Prüfung im Fach Deutsch

In Deutsch wählt man ja schon weit vor der Prüfung zwei Lektüren aus, über die man dann später geprüft wird. Dementsprechend weiß man ja eigentlich schon lange vorher, was einen erwartet. Ich hatte mich für die zwei Werke „Nathan der Weise“ und „Homo Faber“ entschieden. Dieses Fach war noch nie wirklich meine Welt, weshalb ich mich da auch nicht so wirklich vorbereitet habe. Ich habe die zwei Bücher zweimal als Hörbuch angehört und jeweils eine oder zwei Interpretationshilfen bzw. Lektüreschlüssel gelesen, um ein bisschen in die Analyse einzusteigen.

Die Fragen waren richtig heftig tiefgehend. Im Gedächtnis geblieben ist mir beispielsweise, dass sich der Prüfer darauf einließ, dass an einer Stelle in Homo Faber weiße Blumen (Lilien) vorkamen und er wollte wissen, wofür diese ein Symbol wären. Naja, bei derlei tiefgehenden Fragen war ich ziemlich aufgeschmissen und hatte kaum eine Chance. Es waren aber auch ein paar Fragen für die „Nicht-Deutsch-Genies“ dabei, damit man ein bisschen Punkte sammeln konnte – für mich wurden es letzten Endes 8 Punkte, die voll meinen Erwartungen entsprachen.

Mündliche Abitur-Prüfung im Fach Chemie

Die Chemie-Prüfung war ein absoluter Reinfall. Eine andere Mitschülerin hatte uns am Tag zuvor sogar genau von dieser Aufgabenstellung berichtet, aber selbst das hat nicht viel geholfen. Ich hatte mich für das Säure-Base-Gleichgewicht als Thema entschieden. Aufgabenstellung war dann die Inhaltsangabe eines Mineralwassers, von dem ausgehend man dann verschiedene Fragen beantworten musste. Ich habe eine Folie für den OHP-Projektor bekommen und konnte dort meine Lösungen notieren und den Prüfern vorstellen. Ich musste aber in der Prüfung leider feststellen, dass die Prüfungsvorbereitung nicht annähernd so tiefgehend war, wie man es hier gebraucht hätte. Vielleicht hätte das entsprechende Seminar da etwas rausgerissen, das kann ich nicht beurteilen. Aber nur mit den ILS Lernunterlagen und weiteren Büchern für den Oberstufenstoff im Fach Chemie war ich chancenlos.

Die Prüfer haben sich nämlich leider auch nicht auf die zwei gewählten Schwerpunkte beschränkt, sondern haben auch sehr viele Fragen gestellt, die in das Grundwissen gingen. Grundwissen ist zwar schön und gut, aber wenn das schon zwei Jahre her ist und man es in der Annahme, dass nur die zwei Themen geprüft werden, nicht wiederholt hat, nutzt das auch nichts. Immerhin haben mir die Prüfer noch vier Gnadenpünktchen gegeben, damit ich keine Fünf im Zeugnis stehen habe.

Mündliche Abitur-Prüfung im Fach Geschichte

Vor der Geschichte-Prüfung hatte ich sehr viel Angst – auswendig lernen ist nicht meine Stärke und dementsprechend hatte ich in diesem Fach für mich die eine Fünf einkalkuliert, die man haben darf. Am Tag zuvor haben mir meine Mitbewohner in der Prüfungs-WG nochmal den kompletten Stoff in Kurzfassung ins Hirn gestopft. Und das hat tatsächlich geholfen, denn einiges davon war am nächsten Tag noch präsent. Die Prüfung selbst war machbar, wenn man im Stoff einigermaßen drin war. Die Fragen waren wirklich gut zu beantworten, keine extrem schwierigen Ausreißer dabei. So habe ich es tatsächlich geschafft, elf Punkte zu bekommen, obwohl ich vor Geschichte am meisten Angst hatte.

Mündliche Abitur-Prüfung im Fach Geografie

In Geografie bin ich ganz gemäß dem Motto „Mut zur Lücke“ gegangen, denn die Vorbereitung fiel mir für dieses Fach aufgrund der extremen Breite der Themen sehr schwer. Ich hatte die Themen „Ökosystem Wald“ und „Demografie“ gewählt. Wir bekamen in der Vorbereitungszeit für die mündliche Prüfung einige Quellen vorgelegt, anhand derer wir unsere Fragen zu beantworten hatten. Mir fiel zu den gestellten Fragen schon einiges ein und ich hatte den Eindruck, dass ich sie gut beantworten hätte können. Allerdings war in der Prüfung ein Prüfer dabei, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die gestellten Aufgaben mehr oder weniger zu ignorieren und mir stattdessen zahlreiche Fragen zu stellen, die sehr tief ins Detail gingen. Die meisten davon konnte ich nicht beantworten und ging daher mit vier Punkten aus der Prüfung. Selbst wenn ich da jetzt besser vorbereitet gewesen wäre, hätte ich nicht wesentlich mehr Punkte geschafft.

Die äußeren Bedingungen

Der Rahmen war bei den mündlichen Prüfungen wesentlich besser. Es war ein großer Flur, in dem sich alle Prüflinge trafen, die demnächst dran kamen. Auch eine Vertreterin der Fernschule war stets anwesend. Sie versuchte, die Teilnehmer zu beruhigen (und zu beraten, wenn es Fünfer und Sechser gehagelt hatte). Von dort aus wurden wir jeweils in den Vorbereitungsraum geführt und anschließend in den Prüfungsraum begleitet. Es war ruhig und man war während der Prüfung ungestört.

Fazit

Ich habe die mündlichen Prüfungen geschafft – aber gerade noch so! Nach meinen zwei Reinfällen mit vier Punkten hatte ich zwischendrin wirklich mal panische Angst, dass ich nun so kurz vor dem Ende scheitere. Zu diesem Zeitpunkt gab es nämlich tatsächlich schon einige, die aus einer Prüfung mit Null Punkten herausgegangen und dementsprechend durchgefallen sind. Ich kann euch nur raten: Nehmt die mündlichen Prüfungen nie auf die leichte Schulter. Ich hab’s getan und hätte beinahe mein Abi dafür geopfert.

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 8 Monaten).

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

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