Ist die Regelstudiendauer im Fernabitur realistisch?

Sabine
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Je nachdem, welche Vorbildung ihr habt, wird für euer Abitur Fernstudium eine bestimmte Regelstudiendauer festgelegt. Wenn ihr beispielsweise beim ILS den dritten Einstieg wählen würdet, würde man von einer Regelstudienzeit von 30 Monaten ausgehen, bei einem wöchentlichen Zeitaufwand von etwa 15 Stunden. Doch stellt sich schon die Frage, ob diese Regelstudienzeit realistisch ist.

Zeit ist Geld. Das gilt allerdings für das Fernabi nur bedingt. (Foto: © aytuncoylum/Fotolia)

Durchschnittswerte

Eines dürfte logisch sein: Kein Anbieter des Fernabiturs wird vorhersagen können, wie lange die einzelnen Fernschüler brauchen werden, um ihren Lehrgang abzuschließen. Wenn wir jetzt mal bei dem Beispiel mit den 30 Monaten ausgehen, ist es nahezu unmöglich, genau diese 2,5 Jahre zu brauchen, denn wer lernt schon exakt 15 Stunden in der Woche. Davon abgesehen sind ja auch die 15 Stunden pro Woche eher ein statistischer Wert, denn während der eine den Stoff bereits verinnerlicht, indem er ihn einmal liest, sitzt ein anderer wochenlang an demselben Heft, weil der Stoff einfach nicht hängen bleiben mag. Lasst euch also von diesen Zeitvorgaben nicht zu sehr verunsichern.

Die individuelle Situation

Wenn ihr arbeitslos seid, dann würdet ihr über 15 Stunden pro Woche wahrscheinlich lachen, denn dann ließen sich ja problemlos pro Tag vier bis sechs Stunden effektiven Lernens einbauen und ihr würdet wesentlich schneller vorankommen. Eine Mutter mit drei Kindern und einem Halbtagsjob täte sich schon schwer damit, überhaupt die 15 Stunden pro Woche zu schaffen, wenn nicht das ganze Wochenende dafür draufgehen soll. Ihr seht schon, es kann sich naturgemäß bei der Regelstudienzeit nur um einen Durchschnittswert handeln, weil die Teilnehmer am Fernabi einfach zu unterschiedlich sind.

Das Lerntempo

Natürlich lernt nicht jeder gleich schnell und davon abgesehen hat auch die Auswahl der Hilfsmittel einen Einfluss darauf, wie schnell man vorgehen kann. Ich habe Leute kennengelernt, die die Hochschulreife nur mithilfe der Studienhefte abgelegt haben. Sie haben diese zwar ausführlich gelernt, mussten sich aber längst nicht so lange mit einer Thematik auseinandersetzen wie wir anderen, die wir oft mit viel Sekundärliteratur gearbeitet haben.

Hinzu kommen auch die unterschiedlichen Voraussetzungen. Manche Teilnehmer am Fernstudium Abitur kommen gerade frisch von der Schule und machen direkt mit dem Fernabi weiter. Bei anderen liegt der Besuch einer Schule manchmal schon Jahrzehnte zurück. Dass hier das Lerntempo nicht identisch sein kann, dürfte jedem klar sein.

Was passiert, wenn man die Hochschulreife nicht in der Regelstudienzeit ablegt?

Ganz einfach: Erst mal nichts. Da ja auch die Fernlehrgangsanbieter wissen, dass sehr viele Teilnehmer, die das Abitur nachmachen, mit dieser Zeitvorgabe nicht klarkommen werden, besteht von vornherein die Möglichkeit, kostenlos zu überziehen. Hierfür wird nochmal ein nicht unwesentlicher Zeitraum zur Verfügung gestellt. Wenn wir wieder von unserem genannten Beispiel ausgehen: Zu den 30 Monaten Regelstudienzeit kommen ganze 18 Monate kostenlose Überziehungszeit hinzu. Insgesamt hat man also vier Jahre Zeit, um das Abitur abzulegen.

Erst wenn man den Lehrgang nach diesen vier Jahren immer noch nicht abgeschlossen hat, werden wieder Beiträge an den Fernlehrgangsanbieter fällig. Allerdings muss nicht wieder voll bezahlt werden. Es wird dann in der Regel ein Monatsbeitrag pro Quartal berechnet. Für vier Monatsbeiträge bekommt ihr also ein komplettes Jahr Verlängerung.

Das Fernabitur schneller abschließen

Es gibt auch Teilnehmer, die das Abitur in kürzerer Zeit ablegen möchten. Das sind beispielsweise Abgänger aus der Oberstufe vom Gymnasium, die einen Großteil des Stoffs bereits kennen, oder Teilnehmer, die sich in Vollzeit auf das Fernabitur konzentrieren. Sie werden wahrscheinlich das Abitur nachholen, ohne die Regelstudienzeit komplett auszureizen.

Das ist grundsätzlich überhaupt kein Problem. Wenn ihr so schnell vorangehen möchtet, solltet ihr das aber vorweg mit eurem Studienbetreuer besprechen. Hintergrund ist folgender: Die Fernlehrgangsanbieter sind inzwischen ein wenig sensibilisiert, da es immer mehr Teilnehmer gibt, die sich ihre Lösungen einfach komplett bei Ebay kaufen, diese innerhalb kürzester Zeit einreichen und dann schließlich bei den Prüfungen gnadenlos versagen. Deshalb wird man automatisch „verdächtig“, wenn man sehr schnell voran geht. Wenn ihr eurem Fernlehrgangsanbieter bereits von vornherein erklärt, warum ihr so schnell vorankommt, entgeht ihr dieser Gefahr.

Übrigens: Die Fernlehrgangsanbieter lassen sich nicht darauf ein, die Studiengebühr zu senken, wenn ihr einige Monate Betreuung gar nicht mehr braucht – das habe ich schon ausprobiert. Wenn ihr also fertig seid, kann es passieren, dass ihr die Studiengebühr noch einige Monate weiterzahlen müsst. Alternativ könnt ihr den Restbetrag natürlich auch in einem Betrag bezahlen, damit ihr die Sache abschließen könnt.

Veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr). Abgelegt unter Fernabitur, Selbstorganisation, Fernabi.

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

Kommentare und Fragen

Christian Wolf

Bei meinem Externenabitur hat sich die Studiendauer nach den Prüfungsterminen gerichtet. Ich hatte vor der Anmeldung beim Prüfungsamt die Wahl, alle Prüfungen in einem Jahr oder innerhalb von 2 Jahren zu absolvieren. Ich entschied mich für 2 Jahre und hatte so bis zu den ersten Prüfungen ca. ein halbes/dreiviertel Jahr Zeit für die Vorbereitung.

Generell empfiehlt es sich, langfristig zu planen und zu versuchen, sich an die Regelstudiendauer zu halten. Sicher kann immer was dazwischenkommen, aber gerade bei so großen Stoffmengen wie beim Abitur hilft es nicht unbedingt, wenn man sich zwischendurch mal eine Auszeit von einem halben Jahr gönnt, man kommt zu schnell wieder raus aus dem Lernrhythmus.

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