So holt ihr bei der Einkommensteuererklärung das Maximale aus eurem Fernlehrgang raus

Sicherlich stellt auch ihr euch die Frage, ob und wie ihr euren Fernlehrgang von der Steuer absetzen könnt. Schließlich ist er auch so schon teuer genug. Ihr habt dabei verschiedene Möglichkeiten, finanziell zu profitieren.

Die Voraussetzungen

Damit ihr die Kosten für euren Fernlehrgang von der Steuer absetzen könnt, müsst ihr folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Ihr müsst ein Einkommen von mehr als 8.004 Euro im Jahr (Stand 2011) haben, sonst zahlt ihr eh keine Einkommensteuer.
  • Euer Fernlehrgang muss beruflichen Zwecken dienen, also entweder einer berufsspezifischen Weiterbildung oder einer zweiten Ausbildung bzw. Umschulung.

Sonderausgaben oder Werbungskosten?

Kosten für Weiterbildung, Umschulung und Ausbildung können steuerlich geltend gemacht werden (Foto: © bounlow-pic/Fotolia)

Wenn es um die steuerliche Absetzbarkeit geht, kommen die Begrifflichkeiten Werbungskosten und Sonderausgaben immer wieder zur Sprache und stiften Verwirrung. Welche Art von Kosten vorliegt, hängt davon ab, welches Ziel ihr mit eurem Fernlehrgang verfolgt.

Wenn ihr eine berufliche Weiterbildung absolviert, kommen für euch Werbungskosten in Frage. Dies ist der Fall, wenn ihr euch speziell in eurem ausgeübten oder erlernten Beruf weiterbildet. Beispiele hierfür sind Meister- und Technikerweiterbildungen sowie Fachkaufleute oder Fachlehrgänge (z. B. EDV-Kurse). Im Rahmen der Werbungskosten könnt ihr sämtliche Kosten in unbegrenzter Höhe ansetzen.

Handelt es sich dagegen um eine Erstausbildung (also keine Weiterbildung) oder einen Schulabschluss, seid ihr in der Regel im Bereich der Sonderausgaben richtig (Ausnahmen bestätigen die Regel). Im Rahmen der Sonderausgaben sind die ansetzbaren Kosten auf 4.000 Euro pro Jahr beschränkt.

Was kann ich von der Steuer absetzen?

Bei genauerer Betrachtung sind es einige Posten, die ihr von der Steuer absetzen könnt. Ich möchte euch die wichtigsten gerne hier erläutern:

Studiengebühren: Wenn ihr einen Fernlehrgang belegt, zahlt ihr monatlich (oder je nach Vereinbarung in einem anderen Rhythmus) eure Studiengebühren. Diese könnt ihr in voller Höhe ansetzen. Lasst euch dafür von eurem Fernlehrgangsanbieter am Jahresende eine Bescheinigung über die gezahlten Beiträge ausstellen, die ihr beim Finanzamt einreichen könnt. Manche schicken diese sogar automatisch zu, sobald ein Jahr rum ist.

Prüfungsgebühren: Wenn ihr eine Prüfung vor dem Staat oder vor der IHK ablegen wollt, kostet dies in den meisten Fällen eine nicht unerhebliche Prüfungsgebühr. Ihr bekommt dafür von der jeweiligen Stelle eine Rechnung. Diese bewahrt ihr besser auf, denn auch sie könnt ihr voll bei der Einkommensteuer einreichen.

Fachliteratur: In den meisten Fernlehrgängen werdet ihr ohne Fachliteratur nicht auskommen. Im Fernabitur müsst ihr euch beispielsweise Lektüren für das Fach Deutsch besorgen. Aber auch um den Lernstoff zu vertiefen braucht ihr weitere Bücher. Auch wenn es vielleicht lästig ist, aber ihr solltet jeden Kaufbeleg aufbewahren. Ebenso könnt ihr euren Mitgliedsbeitrag in der örtlichen Bücherei von der Steuer absetzen.

Arbeitsmittel: Für euren Fernlehrgang werdet ihr einiges an Arbeitsmitteln brauchen. Dazu zählt Verbrauchsmaterial wie Stifte, Textmarker, Papier, Blöcke, Briefumschläge, Briefmarken oder ein Taschenrechner. Auch einen Computer oder ein Notebook könnt ihr absetzen, ebenso wie Software, die ihr für eure Weiterbildung benötigt.

Zinsen: Wenn ihr einen Kredit aufnehmen müsst, um eure Weiterbildung zu finanzieren, müsst ihr natürlich auch Zinszahlungen leisten. Diese könnt ihr wiederum von der Steuer absetzen. Lasst euch von eurer Bank eine Aufstellung über die im vergangenen Jahr gezahlten Zinsen geben. Diese könnt ihr beim Finanzamt einreichen.

Seminargebühren: Nicht alle Seminare bei den Fernlehrgangsinstituten sind immer kostenlos. Wenn ihr Seminargebühren zu zahlen habt, bekommt ihr dafür eine Rechnung, die ihr bei der Einkommensteuer geltend machen könnt. In diesen Bereich fallen aber auch die Gebühren für Seminare, die ihr zusätzlich zum Fernlehrgang absolviert, beispielsweise ein Sprachkurs bei der VHS zur besseren Erlernung der zweiten Fremdsprache im Fernabitur.

Fahrtkosten: Wenn ihr zu Seminaren fahrt, könnt ihr die entstehenden Fahrtkosten absetzen. Hierfür reicht ihr entweder die Belege von der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein oder ihr berechnet den anzusetzenden Betrag anhand der Kilometerpauschale in Höhe von 0,30 Euro pro Kilometer. Ihr dürft dabei nur die Strecke für den kürzesten Weg ansetzen, es sei denn ein weiterer Weg hätte eine wesentlich kürzere Fahrtdauer zur Folge.

Mein Tipp: Wenn ihr mit der Bahn fahrt, kommt ihr meistens über die Kilometerpauschale zu einem höheren ansetzbaren Betrag. In diesem Fall lasst ihr die Bahntickets weg und „tut so“, als wäret ihr mit dem Auto gefahren. So könnt ihr mehr von der Steuer absetzen.

Verpflegungspauschale: Für Seminare könnt ihr auch die gesetzlich geregelten Verpflegungspauschalen ansetzen. Diese betragen

  • 24 Euro bei einer Abwesenheit von 24 Stunden,
  • 12 Euro bei einer Abwesenheit von 14 bis 24 Stunden,
  • 6 Euro bei einer Abwesenheit von 8 bis 14 Stunden und
  • 0 Euro bei einer Abwesenheit von weniger als 8 Stunden.

Dazu gleich noch ein Rechenbeispiel. Alternativ könnt ihr natürlich auch die einzelnen Belege aufbewahren und beim Finanzamt einreichen. Allerdings wäre dies eine ziemliche Krämerei, wenn ihr wegen jeder Wurstsemmel in der Pause eine Rechnung vom Kioskverkäufer braucht.

Rechenbeispiel:

Ihr fahrt am 6. März 2011 gegen 18 Uhr zu eurem Seminar los. Das Seminar beginnt am 7. März 2011 und dauert bis zum 18. März 2011. Am 19. März 2011 fahrt ihr nach Hause und kommt um 17 Uhr an.

Pauschale 6. März 2011: Abwesenheit von 18 Uhr bis 24 Uhr = 6 Stunden = keine Pauschale

Pauschale 7. bis 18. März 2011: jeden Tag Abwesenheit von 0 Uhr bis 24 Uhr = 24 Stunden = 24 Euro / Tag

Pauschale 19. März 2011: Abwesenheit von 0 Uhr bis 17 Uhr = 17 Stunden = 12 Euro

Die Gesamtpauschale beträgt also 12 x 24 Euro + 1x 12 Euro = 300 Euro

Stellt diese Berechnung so auch für euren Fall auf und reicht beim Finanzamt einfach diese ausführliche Berechnung ein, denn eine Rechnung für die Pauschalen könnt ihr logischerweise nicht vorweisen.

Lerngemeinschaften: Auch für Lerngemeinschaften könnt ihr wie schon beschrieben Verpflegungspauschalen und Fahrtkosten absetzen. Hierfür müsst ihr aber genau über die Treffen Buch führen. Ihr müsst erfassen, wann ihr euch wo getroffen habt, wie lange ihr gelernt habt und wer daran beteiligt war. Dies sollte dann möglichst bei allen Teilnehmern identisch sein, denn es kann durchaus vorkommen, dass das Finanzamt hier auch mal bei den jeweils anderen nachsieht, ob die Angaben korrekt sind.

Fallen euch noch weitere Posten ein, die man absetzen kann? Dann würde ich mich freuen, wenn ihr sie in den Kommentaren noch ergänzen würdet!

Weitere Infos zu den Kosten und zur Finanzierung von Fernstudium und Fernkursen auch hier: Was kostet ein Fernstudium und was fördert der Staat?

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 10 Monaten).

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

Kommentare und Fragen

Hey ist bei einem Fernstudium auch eine Lerngemeinschaft mit Verpflegungspauschale absetzbar?

Hallo Eva,
garantieren kann ich dir das nicht, habs nicht ausprobiert. Mein Gefühl sagt mir, dass das funktionieren sollte. Dokumentiere aber alles gut, so wie wenn du zu einem Seminar fahren würdest. Welche Termine? Von wann bis wann? Fahrtstrecke usw.
Viel Erfolg!
Herzliche Grüße
Sabine

Halllo Sabine!

Wie empfehlst du die Angabe der Studiengebühren bei der Einkommensteuererklärung?

Angenommen ich zahle die Fortbildungsgebühren Monatlich und es dauert 15 Monate.

Ist es ratsam erst wenn alles abgeschlossen ist den Gesamtbetrag in dem darauf folgenden Jahr anzugeben. oder zum Jahresende jeden Jahres?

fernstudi.net

Hallo Marion,

die Fortbildungsgebühren gibst du für die Erklärung des Jahres an, in dem sie anfallen. Details erfragst du am besten direkt bei einem Steuerberater bzw. einer Steuerberaterin.

Vielen Dank für den informativen Beitrag! Eine Steuerklärung kann mit Halbwissen echt kompliziert sein und ich muss gestehen ich ware die letzten Jahre zu Faul, überhaupt eine einzureichen. Wenn man sich mit bestimmten Sachen nicht sicher ist, würde ich mir von einem Steuerberater helfen lassen. Lg Yvonne

Hallo Sabine,

Dankeschön für diesen informativen und gut beschriebenen Artikel !!
Mit diesen Hinweisen und Informationen komme ich weiter.

Empfehlenswert an alle Leser- und Leserinnen im Bereich Fernstudium ;-) !

MfG

Wolf

Ja, Steuerberatung für Angestellte ist in der Regel überflüssig, da ist die Steuererklärung nicht so kompliziert in der Regel; bei Selbstständigkeit sieht es da schon anders aus, je nach Beruf und Umfang.

Oliver Lau

Hallo Christan,

also wenn jemand selbständig ist, dann sollte darüber nachgedacht werden dafür einen Studenten oder eine Arbeitskraft einzustellen. Dafür sind dann sicherlich nicht 69,00 EUR für Minuten Arbeit zu bezahlen. Die Alternative wäre auch ein Steuerberater oder eine Leiharbeitskraft.

Oliver Lau, Einbeck
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Hallo,
ich habe meine Erklärung immer von einem Hilfeverein machen lassen, die wollen aber für 15 Minuten arbeit 69 Euro was ich total unverschämt finde. Hätte vielleicht doch BWL studoeren sollen ;-)

69 Euro würde ich niemals ausgeben. Ich war auch mal bei so einem Verein, die tun ja gerade so als ob es nicht dein Geld wäre was du zurückbekommst.
Frag doch einfach mal ein paar bekannte, BWL'ler gibt es ja genug die machen dir das für 20 Euro.
Gruß Martin P.
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Oliver Lau

69 Euro für 15 Minuten Arbeit an der Steuererklärung würde ich auch nicht ausgeben. Du solltest Dir lieber den Leitfaden zur Steuererklärung durchlesen und dann die Steuererklärung selbst ausfüllen. So schwierig ist das nicht, sofern Du keine komplizierten oder umfangreichen Steuerfälle in der Steuererklärung einfügen mußt. Du mußt die Steuererklärung sowieso selbst unterzeichnen und haftest für deren Richtigkeit. Daher solltest Du auch wissen was Du da erklärst und Dich damit befassen.

Oliver Lau, Einbeck
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