Die dritte Aufgabe

Die dritte Einsendearbeit wird heute abgeschickt. Es galt eine Szene zu schreiben mit mindestens einer handelnden Figur und einem starken Konflikt. Mit dieser Aufgabe habe ich mich sehr lange aufgehalten, weil mir keiner der verfassten Texte gut genug erschien. Insgesamt habe ich fünf Fassungen geschrieben, die sich mit dem inneren Konflikt der handelnden Person zu unterschiedlichen Themen befassten. Eine Botschaft des SL (Studienleiter/s) an mich war: Loslassen! Unbedingt! Das ist nicht so einfach. Immer findet sich noch ein Haar in der Suppe. ;)

Die Zeichenvorgabe von 6.500 war nur bei den ersten vier Texten ein Problem (zu wenig bzw. ich hatte zu viel), beim fünften und endgültigen Text habe ich die Zahl minimal unterschritten. Aber etwas zu viel war bislang auch kein Problem. Wenn die Arbeit dann mal weg ist, ist es meist gut, weil ich nun nichts mehr verändern kann. Jetzt ist der SL am Zug. Bis dahin gebe ich mich dem guten Gefühl hin, es endlich geschafft zu haben. Eine Idee zu haben ist eins, diese aber in eine passende Form zu bringen, die auch den gegebenen Vorgaben und meinen persönlichen Wünschen entspricht, ist wiederum etwas ganz anderes.

Aktuell beschäftige ich mich mit „dem guten Stil“, mache mir nebenbei Gedanken zu den Texten der vierten Einsendeaufgabe. Diesmal sollen es drei Texte (à 3.000 Zeichen) zu einem Thema aus verschiedenen Perspektiven sein. Eine Idee habe ich schon dafür, aber das muss nichts heißen, wie ich aktuell feststellen durfte.

 

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr) .

Kommentare und Fragen

Christian Wolf

Wohl wahr ... wird ja nicht jede weitere Auflage überarbeitet. Heutzutage sind die Ansprüche vieler Verlage auch sehr stark gesunken bzw. mussten dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit weichen.

Chris G.

Aber man muss dann einfach Schluss machen, weitere Fehlerchen können in einer möglichen nächsten Auflage korrigiert werden.


Und manche findet man noch in der 50. Auflage. ;-)

Christian Wolf

Ja, so ist dann auch im Verlagskorrektorat. Bei jedem Durchgang findet man wieder 'nen Fehler. Aber man muss dann einfach Schluss machen, weitere Fehlerchen können in einer möglichen nächsten Auflage korrigiert werden.

werkstattschreiber

Die wenigsten Autoren, sicher gar keine, schreiben quasi "Freestyle" perfekte Texte; manche überarbeiten ihre Texte jahrelang immer und immer wieder, bevor sie veröffentlichen (man muss wahrscheinlich auch lernen, nen Schlusspunkt zu setzen ;-))


Das meinte der SL mit „Loslassen! Unbedingt!“ :-)

Christian Wolf

Ja, den konservativen Geheimrat Goethe mag nicht jeder, den Revoluzzer Schiller und seine Räuber viele dafür um so mehr. Als Autor kann man von Goethe - neben den handwerklichen Schreib-Sachen - vor allem das lernen, wie ich finde: Vielseitigkeit und verschiedenste Interessen erweitern den eigenen Horizont und damit auch den "Themenpool" von Dingen, über die man schreiben könnte. Goethe war meiner Meinung nach das für die Literatur, was Mozart für die Musik gewesen war (auch wenn die Charaktere der beiden kaum zu vergleichen sind, aber ihre scheinbar spielerische Virtuosität ist es).

Bei den Einsendeaufgaben muss ich das Kürzen selbst vornehmen oder gleich zusehen im Rahmen zu bleiben.
Das Redigieren ist einer der wichtigsten handwerklichen Schritte beim Schreiben, nicht das durch einen Verlagslektor, sondern das durch den Autor selbst. Die wenigsten Autoren, sicher gar keine, schreiben quasi "Freestyle" perfekte Texte; manche überarbeiten ihre Texte jahrelang immer und immer wieder, bevor sie veröffentlichen (man muss wahrscheinlich auch lernen, nen Schlusspunkt zu setzen ;-))

werkstattschreiber

Wobei schreiben leichter als kürzen ist. Das steht fest. Am Ende muss so viel Text übrig bleiben, dass der Leser auch noch etwas damit anfangen kann und die Zusammenhänge versteht, die daraus hervor gehen. Ich als Schreiber habe diese Zusammenhänge im Kopf, aber der Leser nicht. Bei den Einsendeaufgaben muss ich das Kürzen selbst vornehmen oder gleich zusehen im Rahmen zu bleiben.

Bei den Klassikern zählt Goethe nicht unbedingt zu meiner ersten Wahl, eher Schiller, Kafka, Storm, andere.

Vielen Dank, Christian, für Deine Anmerkungen.

Christian Wolf

Die Zeichenvorgabe von 6.500 war nur bei den ersten vier Texten ein Problem (zu wenig bzw. ich hatte zu viel), beim fünften und endgültigen Text habe ich die Zahl minimal unterschritten.
Da fällt mir einer dieser Sprüche der "Schreibszene" ein, den man oft zu lesen bekommt: "Kill your darlings!".

Vor ähnlichen Problemen stehen Programmierer, die ein Feature nach dem anderen implementieren, weil sie die Idee so mögen. Beschränkung auf das Wesentliche ist schon eine Kunst für sich. Oder um es mit Goethe zu sagen:
Entschuldige, dass ich Dir einen langen Brief schreibe, für einen kurzen hatte ich keine Zeit.

Das Kürzen und Killen der "Darlings" ist dann auch Sache der Überarbeitung bzw. des Lektorats. Ich finde, dass man sich beim Schreibakt an sich nicht beschränken sollte. Ähnlich hielt es Schiller (ja, ich liebe die Klassiker :D), der in einem Brief an Körner (http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/briefe/vSchiller/1788/178812011.htm) schrieb:
Es scheint nicht gut und dem Schöpfungswerke der Seele nachteilig zu seyn, wenn der Verstand die zuströmenden Ideen, gleichsam an den Thoren schon zu scharf mustert. Eine Idee kann, isolirt betrachtet, sehr unbeträchtlich und sehr abenteuerlich seyn, aber vielleicht wird sie durch eine, die nach ihr kommt, wichtig; vielleicht kann sie in einer gewissen Verbindung mit anderen, die vielleicht ebenso abgeschmackt scheinen, ein sehr zweckmäßiges Glied abgeben: – alles dies kann der Verstand nicht beurtheilen, wenn er sie nicht so lange festhält, bis er sie in Verbindung mit diesen anderen angeschaut hat. Bei einem schöpferischen Kopfe hingegen, däucht mir, hat der Verstand seine Wache von den Thoren zurückgezogen, die Ideen stürzen pêle-mêle herein, und alsdann erst übersieht und mustert er den großen Haufen.