Darf ich mir bei den Einsendeaufgaben helfen lassen?

Diese Frage ist bewusst erst einmal etwas abgeflacht formuliert. Während die einen überlegen, ob es beim Abi nachmachen in Ordnung ist, wenn sie für die Einsendeaufgaben einmal etwas in einem Buch oder im Studienheft nachschlagen, verschwenden die nächsten kaum einen Gedanken an ihr Gewissen, wenn sie die Lösungen bei Ebay kaufen.

Ist die Hilfe im Fernabi zulässig?

Verzweiflung durch Einsendeaufgaben? Lieber ein paar Schritte zurückgehen, anstatt Lösungen zu kaufen (Foto: © Ulia Koltyrina/Fotolia).

Wenn ihr diese Frage einem Fernlehrgangsanbieter stellt, wird die Antwort ziemlich eindeutig ausfallen: Nein! Dass sich die wenigsten davon abhalten lassen, dürfte auch klar sein. Moral und Anstand sind schnell vergessen, wenn man an einem Punkt in der Einsendeaufgabe feststeckt und keine Möglichkeit sieht, auf die Lösung zu kommen. Und ich habe im Lauf der Jahre festgestellt, dass viele Fernlerner, die das Abitur nachholen, sehr kreativ werden, wenn es darum geht, sich „helfen“ zu lassen.

Die Risiken

Im Endeffekt wird niemand nachprüfen können, ob ihr eure Einsendeaufgaben im Fernabitur selbst geschrieben oder abgeschrieben habt, schließlich fertigt ihr sie zuhause an. Bedenkt allerdings eines: Die Einsendeaufgaben dienen tatsächlich der Überprüfung eures Wissens. Es kann leicht sein, dass ihr diese Überprüfung nicht braucht, weil ihr euch sicher seid, dass ihr den Stoff könnt. Allerdings kommt auch bei vielen irgendwann die Stunde der Wahrheit: Spätestens bei den Probeklausuren müsst ihr euer Wissen unter Beweis stellen. Schon manch einer ist durch die Probeklausuren gefallen, obwohl er eigentlich dachte, dass ihn sein Fernstudium Abitur gut vorbereitet hat. Wenn ihr euch also bei euren Einsendeaufgaben helfen lassen wollt, denkt auch immer daran, dass ihr in der Prüfung für die Hochschulreife allein sein werdet.

Die Möglichkeiten

Die Möglichkeiten, bei den Einsendeaufgaben im Fernabi ein wenig zu schummeln, sind vielfältig. Die einfachste Variante ist es, die entsprechenden Antworten im Studienheft oder in einem Buch nachzuschlagen. Diese Methode funktioniert allerdings nicht in den Fächern, wo es nicht um die reine Wiedergabe geht, sondern das Wissen auch angewandt werden muss, beispielsweise in Mathematik oder Physik. 

Die wohl ehrlichste Möglichkeit, bei der ich persönlich am wenigsten Gewissensbisse hätte, ist, sich von anderen Leuten Anregungen (nicht die Lösungen!) geben zu lassen. Hierfür steht bei jedem Fernlehrgangsinstitut ein Forum zur Verfügung, über das ihr euch mit anderen Leuten austauschen könnt, die das Abitur nachmachen. Lasst euch hier einfach einen Denkanstoß geben, wie ihr die Aufgabe lösen könntet. So kommt ihr mit der Einsendeaufgabe weiter, habt aber nicht so richtig betrogen, da ja immer noch eine eigene Denkleistung erforderlich ist, um den Denkanstoß auch anzuwenden. Eventuell lernt ihr dabei sogar noch etwas.

Wenn sich das Abitur Fernstudium allmählich dem Ende zuneigt, werden immer mehr Aufgabenlösungen getauscht. Dies bedeutet, dass man die Einsendeaufgaben selbst schreibt, von denen man Ahnung hat. In den eher ungeliebten Fächern lässt man sich die Lösungen von jemand anderem geben, der in dem Fach gut ist. Er erhält dafür im Gegenzug eine Lösung, die ihr schon habt. Auch das ist nicht ganz fair und natürlich Betrug, aber wie gesagt gang und gäbe, besonders in den Fächern, in denen die Bearbeitung der jeweiligen Hefte für die Prüfung nicht mehr nötig ist. In meinem Jahrgang haben zum Beispiel einige die meisten Oberstufenhefte im Fach Deutsch nicht gemacht. Wenn man Deutsch im Mündlichen hat, muss man sich mit zwei Lektüren beschäftigen. Warum sollte man sich dann stundenlang mit Aufsätzen herumärgern?!

Die wohl schäbigste Form ist es wohl, die Lösungen bei Ebay zu kaufen, was inzwischen ziemlich billig geworden ist, wie ich so feststelle. Allerdings muss ich eins auch sagen: Wenn jemand es dann trotzdem schafft, die Hochschulreife abzulegen, soll er sich ruhig die Lösungen kaufen. Wer jedoch denkt, dass er sich einfach mal alle Lösungen kauft, die so einreicht und dann irgendwann locker und lässig durch die Prüfung spaziert, ohne je ein Heft angeschaut zu haben, der täuscht – das wird in 99,5 Prozent der Fälle nicht funktionieren. 

Tipp: Egal, ob ihr die Lösungen tauscht, kauft oder mithilfe von Büchern selbst schreibt: Denkt daran, immer alles ordentlich umzuformulieren, denn die Korrektoren vom Fernlehrgangsinstitut merken es recht schnell, wenn ihr die Lösungen für die Einsendeaufgaben im Fernabitur nicht selbst geschrieben habt. Es wird übrigens in der Regel auszugsweise überprüft, ob ihr aus dem Internet kopiert habt. Da die meisten Fernlerner ihre Einsendeaufgaben für das Abitur Fernstudium per Mail oder über den jeweiligen Onlinecampus abgeben, können die Korrektoren die Texte sogar durch einen Plagiatsfinder jagen, der das ganze Internet durchsucht.

Fazit

Um eurer Prüfung willen solltet ihr besser darauf achten, dass es nicht zur Regel wird, dass ihr euch die Lösungen auf anderem Wege besorgt. Bevor ihr aber an eurem Abitur Fernstudium verzweifelt, lasst euch lieber helfen. Wenn ihr ewig über einer Aufgabe sitzt und sie nicht lösen könnt, werdet ihr früher oder später ziemlich frustriert sein – das steht aber in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, den euch diese eine Aufgabe bringt.

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 10 Monaten).

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

Kommentare und Fragen

Marcus Schweizer

Sagt die Schülerin zum Lehrer: "Ich würde wirklich ALLES tun, wenn Sie mich nicht durchfallen lassen!"
Lehrer schaut interessiert: "Wirklich ALLES?"
Schülerin: "Ja wirklich!"
Lehrer: "Dann lerne!"

:-)

Wolf

Hier fehlt noch ein Like-Button unter den Kommentaren (und auch Blogbeiträgen), muss ich bei Gelegenheit mal noch einbauen :D
Sabine

hihi, das nenn ich mal nen echten Schenkelklopfer. *gg*

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