Fernabitur finanzieren: Schüler-BAföG

Wie ich kürzlich schon in einem Artikel erklärt habe, ist das Abitur nachmachen per Fernabi nicht gerade eine billige Angelegenheit. Umso mehr stellt sich natürlich die Frage, wie das Fernstudium Abitur finanziert werden kann. Neben verschiedenen Rabatten und Förderungen ist das Schüler-BAföG eine gerne genutzte Möglichkeit.

Wer bekommt Schüler-BAföG für das Fernabitur?

Aufstiegsförderung durch BAFöG, das geht auch bei Fernabiturienten (Foto: © fotodo/Fotolia).

Für Teilnehmer an einem Abitur Fernstudium gelten zunächst die gleichen Voraussetzungen wie für die Besucher von Abendschulen u. ä. Einrichtungen des zweiten Bildungsweges. Ihr dürft höchstens 30 Jahre alt sein. Ausnahmen hiervon sind aber möglich, wenn ihr mit dem Fernabitur den zweiten Bildungsweg nutzt. Wenn ihr für das Abi nachmachen Schüler BAföG beziehen möchtet, müsst ihr außerdem die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder in die deutsche Gesellschaft integriert sein (vgl. § 8 BAföG). Ihr müsst zudem über die entsprechende Eignung verfügen, was in der Regel bedeutet, dass ihr noch am Kurs teilnehmt. Ihr dürft nicht mehr bei euren Eltern leben und müsst einen eigenen Haushalt haben.

Dann gibt es noch eine Reihe weiterer Voraussetzungen, die Fernschüler und das Abitur-Fernstudium im Speziellen erfüllen müssen. Der Kurs, der euch auf die Hochschulreife vorbereiten soll, muss nach § 12 FernUSG zertifiziert sein bzw. zugelassen sein. Ihr müsst mit einer Bescheinigung eures Lehrgangsanbieters nachweisen, dass ihr in den letzten sechs Monaten an einem Fernstudium Abitur teilgenommen habt. Eine weitere Voraussetzung ist, dass ihr die Hochschulreife in den nächsten zwölf Monaten ablegen werdet. Das bedeutet, dass ihr die Förderung durch Schüler-BAföG grundsätzlich nur für das letzte Jahr eures Fernlehrgangs beantragen könnt. Außerdem erwarten die Ämter, dass ihr euch während dieser Zeit voll auf euren Kurs konzentriert. Diese ununterbrochene Lernphase für die Hochschulreife muss mindestens drei Monate dauern und von der Fernschule bescheinigt werden.

Die Höhe des Schüler-BAföGs

Wie hoch euer Schüler BAföG für das Abitur nachholen ausfällt, hängt vorrangig von zwei Faktoren ab. Zum einen ist ausschlaggebend, ob ihr bei euren Eltern oder in einer eigenen Wohnung lebt. Zum anderen spielt die Art der Ausbildungsstätte eine Rolle, der ein Fernlehrgang gleichgestellt ist. Je nachdem, wie ihr hier eingestuft werdet, wird für euch ein Bedarfssatz festgelegt, der sich zwischen 216 Euro und 597 Euro bewegen kann. Dazu kommt dann noch ein Zuschlag für die Kranken- und Pflegeversicherung, sofern ihr euch versichern müsst. Oft springt aber eh die Familienversicherung ein. Wenn ihr Kinder zu betreuen habt, könnt ihr außerdem einen Kinderbetreuungszuschlag in Höhe von 113 Euro bzw. 85 Euro ab dem zweiten Kind erhalten.

Wenn ihr das Abi nachholen und das Schüler BAföG für die Finanzierung nutzen möchtet, solltet ihr euch aber auch darauf einstellen, dass euer Einkommen und Vermögen eine Rolle bei der Höhe des BAföGs spielen. Euer Vermögen und das Einkommen werden auf die Höhe angerechnet. Dabei bleibt es aber nicht, auch das Einkommen eures eventuell vorhandenen Ehegatten und sogar das der Eltern wird berücksichtigt. Das Einkommen und Vermögen eurer Eltern bleibt nur dann außen vor, wenn ihr bestimmte Ausnahmeregelungen erfüllt, beispielsweise wenn ihr nach dem 18. Lebensjahr bereits fünf Jahre gearbeitet habt oder wenn ihr eine dreijährige Ausbildung absolviert und danach wenigstens drei Jahre gearbeitet habt.

Es gibt auch Freibeträge, die das anzurechnende Einkommen mindern. Für euch selbst stehen grundsätzlich 255 Euro pro Monat als Freibetrag zur Verfügung. Wenn ihr verheiratet seid, kommen weitere 535 Euro Freibetrag hinzu und pro eigenes Kind 485 Euro. Bei euren Eltern bleiben 1.605 Euro anrechnungsfrei, wenn sie verheiratet sind, oder 1.070 Euro, wenn sie alleinstehend sind.

Schüler-BAföG in der Praxis

Ich habe damals das Schüler-BAföG für das Abitur nachmachen nicht beantragt, weil ich die Voraussetzungen nicht annähernd erfüllt hätte, daher kann ich leider mit eigenen Erfahrungen nicht dienen. Gerne berichte ich euch aber darüber, was ich von anderen Fernschülern so mitbekommen habe.

Grundsätzlich sieht es wohl so aus, dass die Entscheidungen der jeweiligen Entscheidungsträger in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausfallen. Während bei den einen der Antrag problemlos durchgeht und genehmigt wird, wird er bei wieder anderen in derselben Situation mehr oder weniger kommentarlos abgelehnt. Viele Antragsteller verstehen die Welt nicht mehr.

Ich habe in meinem Fernlehrgang einige Leute kennengelernt, die für ihr Abitur-Fernstudium erfolgreich Schüler-BAföG beantragt haben. Ich hab aber auch mitbekommen, dass die Leute, die bei der SGD sind, überdurchschnittlich oft Probleme mit ihrem Antrag haben, während die Anträge der ILSler und der anderen Hamburger Fernschulen oft wesentlich schneller „durchgewinkt“ werden. Woran das liegt, kann ich euch leider auch nicht sagen.

Ich kann euch nur raten: Bleibt dran! Wenn ihr einen negativen Bescheid bekommt, könnt ihr immer Einspruch einlegen und dann entsprechend argumentieren. Einen Versuch ist das allemal wert, schließlich geht es um euer Geld und da solltet ihr nicht vorschnell aufgeben.

Weitere Infos

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 8 Monaten).

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

Kommentare und Fragen

Mehr Beiträge zum Thema