Engagement als Fernstudi? Warum sollte ich?

Weil ich gerade diesen Artikel in der Online-Ausgabe der ZEIT gelesen und getwittert habe (Egoismus - Altruisten kommen weiter), an dieser Stelle mal ein paar Gedanken zum Thema Engagement im Studium.

Der Artikel in der ZEIT ist nicht der einzige, der sich momentan mit dem Thema beschäftigt, aber auch er wiederholt mantrisch: "Jahrzehntelang vertraten Wissenschaftler die Ansicht, der Mensch sei nur an seinem eigenen Wohlergehen interessiert […] Neue Erkenntnisse revidieren jedoch inzwischen auch noch das Bild des ewigen Egomanen […] Stattdessen beweisen Umfragen, Studien und Experimente: Wir sind mehrheitlich dazu bereit, auf unsere Mitmenschen und Kollegen Rücksicht zu nehmen, ihnen Unterstützung anzubieten und Mithilfe zu leisten." Der Artikel kumuliert in der großartigen Erkenntnis: "Geben ist tatsächlich seliger als nehmen."

Altruisten, Egoisten, Ichlinge, der Dalai Lhama, Ego-Trips, na ja, man mag von dem Artikel und dieser Art Hysterie um die quasi natürlichste Sache der Welt, das Engagement für die Gemeinschaft, halten, was man will: Engagement ist doch eine gute Sache, die sich lohnt. Und zwar aus ganz egoistischen Gründen, wie ich finde.

Ich will aber darüber hier nicht philosophieren, sondern eher von meinen Erfahrungen berichten und Euch dazu animieren, Euch selbst als Fernstudenten zu engagieren und nicht einfach nur zu konsumieren, sondern auch zu produzieren. Fernstudi.net fing ich vor zwei Jahren an aufzubauen, damals noch unter anderem Namen, mit der Absicht, Geld zu verdienen. Mittlerweile geht es nicht mehr nur darum, ums bloße Geldverdienen ("Erst kommt das Fressen, dann die Moral"), sondern darum, Fernstudenten zu vernetzen, ihnen eine digitale Bleibe zu bieten, einen Raum, in dem sie trotz räumlicher Entfernung gemeinsam arbeiten, lernen und ihr Studium bestehen können.

Ich will hier auch jetzt nicht von meinem Engagement anfangen, von der Zeit und der Anstrengung, die ich hier reininvestiere und hin und wieder nur durch ein Gefühl der Befriedigung vergolten bekomme, wenn die Aktivität auf der Plattform etwas zunimmt. Vielmehr möchte ich Euch dazu animieren, aktiv zu werden, über Euer Pflichtprogramm hinaus, Hilfsbereitschaft zu beweisen und Euren Kommilitonen und Mitschülern das Lernen zu erleichtern. Wie das geht? Seid kreativ! Alleine eine Plattform wie fernstudi.net bietet so viele Möglichkeiten - Gruppengründungen und -Moderation, Hilfestellungen für Einsteiger im Forum, Engagement als Tutor oder Moderator, oder einfach nur das Schreiben über Euer Studium und Eure Gedanken im Blog.

Und wenn Ihr Euch nicht zu "Höherem" in der Lage fühlt, vielleicht weil Ihr die Technik nicht versteht oder weil Ihr vielleicht auch einfach zu faul seid, dann helft wenigstens denen, die sich engagieren, die Foren oder Lerngruppen zum Thema betreiben und moderieren, die über ihr Studium bloggen oder die einfach Fragen zum Studium haben. Von den "Aktiven" und "Produzenten" gibt es jede Menge, wenn man sich so umschaut. Aber gemessen an denen, die eher passiv sind und über ihr Pflichtprogramm nicht hinausgehen, die sich nicht für eine Community engagieren, sind sie doch deutlich in der Minderheit.

Also, auf auf, ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag ein paar mehr von Euch, die hier nur lesen, dazu antreiben kann, etwas für Eure Gemeinschaft zu tun. :) Denkt daran und verwechselt Engagement nicht mit dem Klicken eines "Gefällt-mir-Buttons". Engagement heißt nicht, "gefällt mir" zu klicken, wenn Euch eine Sache zusagt, sondern etwas zu schaffen, bei dem andere sagen: "Gefällt mir!"

Wofür und warum engagiert Ihr Euch als Studis?

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr).

Über Wolf

Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Wolf

Hallo Sabine,

Du bist wirklich schon außerordentlich engagiert, wie auch z.B. Ursi (https://www.fernstudi.net/community/?userid=11182), die sich besonders um Schweizer Fernstudenten (https://www.fernstudi.net/community/gruppen/studentenverbindung-der-fernuni-hagen-schweiz) kümmert. Studenten wir Ihr seid gute Vorbilder.

Freilich kann man von keinem Studenten verlangen, sich so stark zu engagieren, aber ich finde, dass jeder sich ein wenig Gedanken machen sollte, was er der Gemeinschaft gibt. Schon allein ein Blog, den sehr viele Studis schreiben, und wenn er auch eher eigennützig verfasst wird, ist eine tolle und hilfreiche Sache für andere.

In meinem Studiengang (Bildungswissenschaft) findet sich überdurchschnittlich viel Engagement

Ja, ist mir auch schon aufgefallen :-) Vielleicht liegt es auch daran, dass für Euch die neuen Werkzeuge des Internets leichter zu handhaben sind und ihr einen geradezu natürlichen Umgang damit pflegt.

Aber natürlich gibt es auch aus allen anderen Fachbereichen sehr viele hilfsbereite Leute, die z.B. in Foren nützliche Antworten geben, Lerngruppen organisieren usw.

Sabine Siemsen

Lieber Christian - sehe ich ganz genauso !

In meinem Studiengang (Bildungswissenschaft) findet sich überdurchschnittlich viel Engagement - aber selbst hier trifft man auf Menschen, für die das Studium einfach nur monetär wichtig ist: Inhalte auf Klausurrelevanz filtern, möglichst schnell und effizient in einem gut bezahlten Job landen - und der soll am besten schon mit offenen Armen warten und die Uni ihre Studiengänge gefälligst möglichst marktkonform zuschneiden - das ist für mich kein Studieren!

Wie ich mich engagiere? Ich habe vor, das Bildungssystem zu reformieren und vor allem dafür zu sorgen, dass lebenslanges Lernen nicht nur ein Schlagwort bleibt. Und vor allem nicht reduziert wird auf VHS und Berufsbildung, sobald Mensch Ü30 ist: http://www.sieseco.de

Ausserdem bin ich in der Studierendenschaft aktiv und profitiere auch selber davon: Durch Kontakte, wichtige Informationen, einen besseren Überblick und die Möglichkeit, nicht nur zu meckern sondern an den richtigen Stellen etwas tun zu können.

Ich hoffe, Dein Aufruf hier trifft auf offene Ohren und findet von da den Weg in tiefere Regiionen :-)

LG Sabine

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