Abi auf dem zweiten Bildungsweg

Vom Zweiten Bildungsweg spricht man immer dann, wenn Schulabschlüsse nicht auf dem „normalen“ Weg durch den Besuch einer Regelschule erworben werden, sondern durch andere Möglichkeiten.

Wenn ihr das Abi auf dem Zweiten Bildungsweg nachholen wollt, stehen euch viele verschiedene Wege offen. Die gängigsten sind:

  • Kurse an den Volkshochschulen
  • Abendgymnasium
  • Kolleg
  • Fernstudium Abitur
  • Externenprüfung

Abi nachholen über die Volkshochschule (VHS)

Einige Volkshochschulen bieten auch heute noch Kurse für die Vorbereitung auf die Hochschulreife an. Sie sind aber meist nur noch in größeren Städten anzutreffen. Die Volkshochschulen regeln die Kurse selbst, wodurch sich regionale Unterschiede ergeben. In der Regel dauern die Kurse drei bis vier Jahre und werden als Abendunterricht angeboten, damit auch Berufstätige das Abi nachmachen können.

Das Kursprogramm ist unterschiedlich gestaltet. In manchen Fällen werden sogar nur einzelne Fächer geschult, wodurch noch ein Selbststudium oder ein abgespecktes Abitur Fernstudium notwendig wird, um die restlichen Fächer abdecken zu können. Die VHS bereitet auf die Externenprüfung zur Hochschulreife vor.

Das Abendgymnasium

Das Abi nachholen könnt ihr auch am Abendgymnasium, wenn ihr die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Gewöhnlich wird für das Abitur eine mehrjährige Berufstätigkeit gefordert, alternativ reichen auch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder der Hauptschulabschluss. Auch eine Aufnahmeprüfung kann unter Umständen gefordert werden. Das Abitur dauert am Abendgymnasium je nach Vorbildung drei bis vier Jahre. Eine Auffrischung wird meist für Schüler angeboten, die die Schule bereits länger nicht mehr besucht haben oder die nur einen Hauptschulabschluss haben. Unter Umständen kann das Abitur auch bereits nach zwei Jahren abgelegt werden, wenn bereits die Fachhochschulreife vorliegt.

Das Abitur gliedert sich am Abendgymnasium in mehrere Phasen. Je nach Vorkenntnissen wird je ein Semester Aufbaukurs und Vorkurs erforderlich, die gemeinsam als Vorkursphase bezeichnet werden. Die ersten zwei Semester des eigentlichen Lehrgangs werden als Einführungsphase betitelt. Die Qualifikations- oder Kursphase entspricht dem dritten bis sechsten Semester. Der Unterricht erfolgt gewöhnlich abends und am Wochenende und umfasst pro Woche mindestens 20 Stunden.

Der Besuch des Abendgymnasiums kann meist kostenfrei erfolgen – abgesehen von benötigtem Unterrichtsmaterial.

Das Kolleg

Ein Kolleg ist eine Vollzeitschule; der Unterricht wird dabei stets tagsüber und während der Woche erteilt. Das Kolleg stellt daher nur dann eine Möglichkeit für das Abitur dar, wenn man gerade keiner Berufstätigkeit nachgeht oder sich eine mehrjährige Auszeit finanziell leisten kann. Das Abi nachmachen über das Kolleg dauert in der Regel drei Jahre. Viele Kollegs nehmen sogar direkt die Externenabiturprüfung ab, sodass die Prüfung in einem gewohnten Umfeld stattfinden kann.

Als Voraussetzung für das Kolleg werden meist die mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren angesehen. Auch eine mehrjährige Berufstätigkeit kann für die Zulassung ausreichend sein. Wenn ihr am Kolleg das Abi nachmachen wollt, werdet ihr zwei Phasen durchlaufen. Die Einführungsphase setzt die Grundsteine für die spätere Qualifikationsphase, die zwei Jahre dauert. Die Einführungsphase kann unter Umständen eingespart werden, wenn ein Versetzungszeugnis in die zwölfte Jahrgangsstufe eines Gymnasiums vorliegt. Dann dauert das Abitur am Kolleg nur zwei Jahre.

Der Besuch des Kollegs ist kostenfrei, auch Lehrmittel müssen nicht bezahlt werden. Allerdings kommt natürlich die Problematik hinzu, dass neben der Vollzeitschule höchstens ein Nebenjob ausgeübt werden kann. Um die Lebenshaltungskosten zu decken, kann unter Umständen Schüler-BAföG in Anspruch genommen werden.

Das Fernstudium Abitur

Das Fernabi ist die Lösung für all diejenigen, die kein Abendgymnasium in ihrer Nähe haben, die Schule nicht besuchen möchten oder einfach lieber zeitlich und örtlich flexibel bleiben. Das Fernabitur kann stets auch neben einer Berufstätigkeit absolviert werden, was es für viele Menschen besonders attraktiv macht.

Beim Fernabitur bekommt ihr Lehrbriefe für all eure Prüfungsfächer zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe ihr euch auf die Prüfung vorbereitet. Der Lernstoff wird regelmäßig durch Einsendeaufgaben abgeprüft. In verschiedenen Seminaren der Fernlehrgangsanbieter könnt ihr euer Wissen vertiefen und den Kontakt mit euren Mitstudenten ausbauen. Ebenso könnt ihr offene Fachfragen klären, die vielleicht im normalen Lernalltag untergehen. Das Fernabi könnt ihr dann entweder bei eurem Fernlehrgangsanbieter vor Ort in einer Nichtschülerprüfung ablegen, oder ihr schließt euch einer Abiturprüfung in einem Gymnasium an eurem Heimatort an.

Die Gebühren für das Schüler-BAföG unterstützen lassen.

Die Externenprüfung

Alle bisher genannten Möglichkeiten bereiten auf die Externenprüfung, auch Nichtschülerprüfung, vor. Doch muss nicht zwingend ein Kolleg, ein Abendgymnasium oder sonst ein Kurs belegt werden, um zu dieser Prüfung zugelassen zu werden. Vielmehr müsst ihr nachweisen, dass ihr euch umfassend auf die Prüfung vorbereitet habt. Dies muss nicht zwingend durch einen Lehrgang geschehen.

Ihr könnt euch auch die Prüfungsordnung des jeweiligen Bundeslandes besorgen und euch entsprechend des Lehrplanes selbst auf die Prüfung vorbereiten. Hierfür könnt ihr in Bibliotheken und Buchgeschäften auf zahlreiche Bücher und Medien zurückgreifen, um euch den notwendigen Lernstoff selbst anzueignen und ihn einzuüben. Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass diese Variante der Vorbereitung auf die Externenprüfung sehr aufwändig und schwierig durchzuhalten ist. Zudem bleibt stets die Ungewissheit, dass vielleicht ein Thema gar nicht behandelt oder falsch gelernt wird. Es gibt bei dieser Lernform keinerlei Kontrolle und auch keinerlei Motivation von außen, was das Selbststudium mit anschließender Externenprüfung sehr schwierig macht. Dennoch ist es keinesfalls unmöglich und viele wählen diesen Weg.

Welcher Weg ist der Richtige?

Nun, diese Frage kann außer euch selbst leider niemand beantworten. Wenn ihr Zeit habt, eine Vollzeitschule zu besuchen, sollte das Kolleg eure erste Wahl sein. Für Berufstätige, die feste Arbeitszeiten haben, bietet sich das Abendgymnasium ebenso wie der Besuch eines VHS-Kurses an. Auch das Fernstudium Abitur ist eine Möglichkeit für sie. Wer mit wechselnden Arbeitszeiten berufstätig ist, dem bleibt meist nur das Fernabitur oder das Selbststudium, da die Kurszeiten an Volkshochschulen oder an Abendgymnasien bei Schichtarbeit meist nicht eingehalten werden können. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile, die ihr auf eurem persönlichen Hintergrund abwägen müsst.

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 10 Monaten).

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

Kommentare und Fragen

Wolf

Abzocke bezog sich konkret auf ILS und Co. - dort wird meiner Ansicht nach keine Hilfestellung geleistet, die auch nur annähernd den dafür aufgewandten Kosten entspricht.

Ich kann das leider nicht so beurteilen, Sabine (die andere ;-)) hat ja hier schon einen Beitrag zu ihren Erfahrungen mit dem Abi am ILS (https://www.fernstudi.net/blogs/abitur-nachholen-am-ils-meine-erfahrungen)geschrieben.

Was Du beschreibst ist sicher auch ein Mangel in unserem Bildungssystem. Und irgendwo ja auch politisch so gewollt, wo kämen wir denn da hin, wenn alle Bürger sich selbstständig weiterbilden könnten.

Fakt ist, dass es nicht so ist. Und hier leisten die Fernschulen, und auch die Kollegs, VHS und Abendschulen (http://www.abi-nachholen.info/) einen großen Beitrag. Die Fernschulen haben schon sehr viele Schüler zum Abi geführt, klar, vielleicht gibt es Mängel (im Netz schreiben ja auch mehr die unzufriedenen Kunden als die zufriedenen), und natürlich sind die Institute profitorientiert, im Gegensatz zu den meisten Abendschulen. Nebenbei ermöglichen sie es übrigens auch Schülern im Ausland, ein deutsches Abitur zu erwerben.

Da die Fernschulen, das will ich mal so offen sagen, aus Marketing-Gründen gerne verschweigen, wie schwierig das Fernabitur eigentlich ist, hat es fernstudi.net sich zur Aufgabe gemacht, hier umfassend aufzuklären (Fernabitur: fernstudi.net will Abbrecherquote verringern (https://www.fernstudi.net/fernstudium-news/728-fernabitur-fernstudinet-will-abbrecherquote-verringern)) und Hilfen zu bieten, z.B. über das Fernabitur-Forum (https://www.fernstudi.net/forum/fernabitur/), das genauso denen weiterhilft, die ganz auf eigene Faust lernen.

Sabine Siemsen

Hallo Christian,

Abzocke bezog sich konkret auf ILS und Co. - dort wird meiner Ansicht nach keine Hilfestellung geleistet, die auch nur annähernd den dafür aufgewandten Kosten entspricht.

Du hast natürlich recht, nicht jeder ist (von Haus aus) fähig zum selbstorganisierten Lernen - aber jeder der Abitur machen möchte oder studieren, könnte das zunächst lernen - und würde sich einen großen Gefallen damit tun :-)

Und nein, Uni umgehen geht nicht, denn meinen gewünschten Abschluss bekomme ich nicht ohne Studium - das Abitur aber schon ohne diese Institute
:-)

Und ich bin ja desgakb an der FernUni - der einzigen öffentlichen Hochschule, die ein solches selbstorganisiertes Lernen ermöglicht, ohne abzuzocken :-) - ich bin der Ansicht, dass Bildung zu den Grundrechten gehört, die nichts kosten sollten - oder zumindest so wenig, dass jeder der will auch kann - oder entsprechend unterstützt wird.

LG Sabine

Wolf

Hallo Sabine (Siemsen),

was verstehst Du denn unter "Abzocke"?

Ich finde nicht, dass man jedem, der sein Abitur nachholen möchte, pauschal anraten sollte, komplett auf sich allein gestellt zu lernen (das meinst du doch sicher?) und sich nur bei Bedarf Hilfe in sozialen Netzwerken zu holen.

Mal davon abgesehen, dass die Bedeutung sozialer Online-Netze für Lernprozesse derzeit vielleicht teilweise noch überschätzt bzw. falsch eingeschätzt wird, ist nicht jeder Mensch gleichmaßen in der Lage, so wie du vielleicht oder ich, ganz auf sich allein gestellt zu lernen. Viele Menschen bekommen gerne gesagt, was sie als nächstes zu tun haben, und haben Schwierigkeiten damit, zu 100 % auf eigenen Beinen zu stehen. Dann hättest du ja im Prinzip auch nicht ein Studium an der FernUni aufnehmen müssen, von der du betreut wirst, die dir systematisch den Lernstoff vermittelt.

Grüße
Christian

Sabine Siemsen

Liebe Sabine,

schön hier von Dir zu lesen :-) - gute Aufstellung finde ich, auch wenn ich persönlich doch stärker von der "Abzocke" privater Institute abrate und empfehle, sich die Kompetenzen für den zwar zunächst anspruchsvolleren, aber letztlich viel befriedigerenden Weg des Selbstgesteuerten Lernens zu entscheiden und sich Unterstützung nur für die Bereiche zu holen, wo man sie eben braucht - und am besten über ein soziales Netzwerk in dem sich viele Erfahrungen zum Thema bündeln.

Freue mich schon auf Deine weiteren Artikel (und würde mich auch sehr über Deine Geschichte auf meiner Community freuen ;-) ) - alles Liebe, man liest sich

Sabine
Siemsens Selbstlerner Community

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