Fernstudium? Ich liebe es!

Im Rahmen der Blogparade Fernstudium? Ich liebe es!, die ich hier vor kurzer Zeit ausrief, habe ich noch verspätet einen Beitrag nachzureichen, den ich - Schande über mein Haupt - bisher nicht veröffentlicht habe. Danach kann ich dann übergehen zur Auswertung der Parade.

FernstudiumIch will im Rahmen dieses Beitrags mal weg vom Wort Fernstudium und mehr hin zu den Worten „Selbststudium“ oder „autodidaktisches Lernen“, dann kann ich vielleicht einfacher meine Meinung zum Thema darstellen.

Gelesen habe ich schon immer gerne, nichts Ungewöhnliches, ich entdeckte auch recht früh neben der Schulbibliothek die Stadtbibliothek in meiner Heimatstadt und lieh mir neben Romanen nach einer Weile auch mehr und mehr Sachbücher aus. So beschäftigte ich mich oft lieber mit Themen, die mich wirklich interessierten, als mit den Sachen, die ich von der Schule aus lernen musste. Ich erinnere mich noch ganz gut, wie ich mir einmal ein Buch auslieh „Einführung in die Philosophie“, auf akademischem Niveau, weil ich kaum eines der Fachwörter dort kannte (Empirie z.B.), schrieb ich mir einfach alle unbekannten Wörter in ein Heft nebst Definitionen. So verstand ich den Schmöker gleich ein bisschen besser.

In meiner frühen Jugend hatte ich übrigens zeitweilig 3 Rechner in meinem Zimmer stehen. Zwei davon gehörten meinem Vater, der sie beruflich nutzte einer mir. Ich fing recht früh an, in QBasic zu programmieren und brachte mir jede Menge Kniffe bei. Dann stieg ich auf Turbo Pascal um und wurde immer besser. Ich stellte mir mit der Zeit beachtliche Programmbibliotheken zusammen, mit denen ich schnell alle möglichen Programme zusammenschustern konnte. Dabei lernte ich hauptsächlich durch Nachahmung vorhanderer Programme und mittels der Hilfedatei des Programms. Nachdem ich aber durch einen Computercrash alle Bibliotheken unwiederbringlich verlor, hörte ich auf damit. Aus Trauer und Wut verkaufte ich sogar meinen PC (ein 586er) :)

Später, da war ich so ungefähr 18, wollte ich unbedingt das Spielen der Gitarre lernen. Die ersten Griffe auf einer Sperrholzgitarre mit Stahlseiten fast dicker als meine Finger ließ ich mir von einem Freund zeigen. Ich kaufte mir dann recht flott eine ordentliche Gitarre und ein Buch zum Selbstlernen: „Westerngitarre für Anfänger“ oder so. Heute habe ich hier eine tolle halbakustische Westerngitarre von Yamaha und eine Höfner-Konzertgitarre. Ich kann nicht professionell spielen, aber es reicht für meine Ansprüche und ist jederzeit ausbaufähig. Das „autodidaktische“ Erlernen der Gitarre, mal mehr, mal weniger systematisch, war quasi mein erstes richtiges Selbststudium. Sicher, hätte ich einen Lehrer gehabt, würde ich vielleicht heute spielen wie ein Gott - aber darauf kam es mir niemals an. Ich konnte die Motivation zum Lernen nur aufrecht erhalten, weil ich schnelle Erfolge hatte und einfach spielte, worauf ich Lust hatte.

Auch mein Abitur habe ich „auf eigene Faust“ gemacht, nachdem ich es in der 11. Klasse abgebrochen hatte. Insbesondere in dieser Zeit lernte ich zu lernen. Eine wichtige Voraussetzung für Selbstlerner! Etwas, das ich bei den Größten Fehlern im Fernstudium noch ergänzen sollte: Sich vor dem eigentlichen Studium mit Lernen und Lerntechniken zu beschäftigen, kann Wunder wirken.

Später, das hatte ich hier auch schon erwähnt, lernte ich z.B. Latein auf eigene Faust. Ich besuchte zwar kurz einen Intensivkurs und kurz vor dem Latinum eine Prüfungsvorbereitung, aber die meiste Zeit lernte ich doch selbst mit der Hilfe verschiedenster Lehrbücher, Software und Vokabelprogramme.

So könnte ich noch viele Beispiele von Dingen aufführen, die ich mir selbst beigebracht habe: die Gestaltung von Websites mit HTML, ein bisschen PHP & MySQL, Lektorat, Korrektur und Formatierung wissenschaftlicher Arbeiten bzw. Typografie, Schreiben & Texten usw.

Ich bin in keiner Sache „Spezialist“. Manchmal bedauere ich das, meist bin ich aber sehr froh darüber, von „Fachidiotie“ verschont zu bleiben und ein Wissen zu haben, das enorm in die Breite geht und mir dabei hilft, „ganzheitlich“ zu denken und zu verstehen. Außerdem kann ich mich gut mit Spezialisten verständigen, weil ich ihr Vokabular kenne, weil ich ihre Denke verstehe.

Das liebe ich an Fernstudium und Selbststudium: Lernen, was ich will, wann ich will, wie viel ich will.

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr).

Über Wolf

Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Wolf

Hallo Alicia,

ja, die meisten Vorlesungen waren wirklich Zeitverschwendung. Deswegen sah der Ablauf bei mir immer so aus: Zig Vorlesungen vor dem Start raussuchen, alle die ersten ein zwei Mal besuchen und dann nie wieder, bis auf wenige, die sich wirklich gelohnt haben. Von diesen wenigen ist aber noch heute sehr viel hängen geblieben.

Na ja, und die Seminare musste man ja meist besuchen, da hieß es einfach: Zeit abbummeln ... Am schlimmsten war immer diese Referatewut von faulen Dozenten, die einfach das ganze Semester über Referate von Teilnehmern halten ließen. Toller Lerneffekt, wenn die, die eigentlich lernen sollten, lehren mussten.

Viel Spaß & Erfolg Dir weiterhin beim Wiwi-Studium :-)

Hey Christian,

cooler Artikel! Bei mir sieht´s ähnlich aus. Dadurch, dass ich bereits ein Präsenzstudium hinter mir habe (was mir eher schlecht als recht gefiel) und jetzt ein Fenrstudium mache, habe ich den direkten Vergleich.

Das Studium an der "normalen" Uni war für mich auch eher ein Fernstudium, da ich auch lieber zuhause gelernt habe und der Großteil der Vorlesungen + Seminar reine Zeitverschwendung für mich war, zumal ich mir nebenbei noch meine Brötchen mit nem 400 €-Job verdienen musste.

Jetzt genieße ich die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung richtig! Also plädiere ich auch für: MEHR FERNSTUDIUM :D!

Viele Grüße,
Alicia

Wolf

Hallo Matthias,

das freut mich :-) Das Hauptmann-Zitat mag ich auch sehr.

Viele Grüße
Christian

Ich habe mich in vielen deiner persönlichen Schilderungen wiedergefunden!

"Sobald jemand in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer neuen Sache Schüler werden." (Gerhart Hauptmann)

Mehr Beiträge zum Thema