FernUni Hagen: Erfahrungen und Rückblick

Christian Wolf
 | 8 Kommentare

Während für viele von Euch das neue Semester gerade startet, ist für mich die bisherige Studienreise mit dem Wintersemester 2010/11 erst einmal zuende: Ich bin exmatrikuliert. Grund genug, ein wenig die Erfahrungen mit der FernUni Hagen zu reflektieren. 6 Semester habe ich an der FernUni verbracht, wenn ich mich nicht verzählt habe. Wie an anderer Stelle schon geschrieben, habe ich nicht sonderlich intensiv studiert (eingeschrieben war ich übrigens auch als Teilzeitstudent), dennoch habe ich jede Menge Erfahrungen gemacht, von denen ich hier ein wenig berichten möchte.

Das Informatikzentrum der FernUni (Foto: © Ulrich Schneider/CC BY-SA 3.0)

Warum die FernUni Hagen?

Für die FernUni habe ich mich entschieden, weil zum einen eine Freundin dort bereits Kulturwissenschaften studierte, zum anderen weil es die einzige staatliche Uni in Deutschland ist. An keiner anderen deutschen Fernhochschule ist es außerdem möglich, Geisteswissenschaften zu studieren.

Als ich das Studium begann, war ich noch nicht so gut informiert über die deutsche Hochschullandschaft wie heute und habe mich auch nicht großartig weitergehend informiert, ich wusste nur, dass ich mein Wunschfach Geschichte eben nur an der FernUni (zum Teil) studieren kann.

Für meine Ansprüche war die FernUni also eigentlich perfekt. Für andere Fernstudienanfänger gibt es sicher bessere Möglichkeiten, auf die ich im Fazit näher eingehe.

Studiengebühren

Ein Fernstudium verursacht Kosten, die Studiengebühren bzw. Bezugsgebühren der FernUni spielten sicher auch eine Rolle bei meiner Entscheidung. Das Studium an der FernUni ist vergleichsweise günstig. Studiengebühren gibt es derzeit gar nicht, fällig werden nur so genannte Bezugsgebühren. Für jede belegte Semesterwochenstunde (SWS) wird derzeit eine Gebühr von 20,– EUR/Semester fällig. Ein Modul mit 5 SWS kostet entsprechend 100 EUR im Semester. Hinzu kommt pro Semester der Studiendenschaftsbeitrag von 11 EUR. Im Semester fallen so Gebühren von 100–300 EUR an, je nach Belegung.

Bei der Zahlung der Gebühren war die FernUni immer sehr kulant. Gerade zu Beginn fiel es mir schwer, die Gebühren mit einem Mal zu zahlen, ich konnte dann eine Ratenzahlung vereinbaren. Wichtig ist, dass die Gebühren vor der Rückmeldung vollständig beglichen sind, sonst ist eine Rückmeldung nicht möglich, die Exmatrikulation erfolgt.

Studienmaterialien

Studienhefte der FernUni aus dem Fach Kulturwissenschaften

Nun ja, zu den Studienmaterialen schrieb ich bereits an anderer Stelle genug. Sie waren von sehr unterschiedlicher Qualität. Die Hefte sind mit einer einfachen Klebebindung versehen, die sich regelmäßig nach und nach auflöst, die Studienmaterialien sollten also zusätzlich geheftet werden.

Inhaltlich sind sie natürlich durchgehend auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Aus formaler Perspektive: Ich habe lange als Lektor/Korrektor gearbeitet und ein Auge für gute Rechtschreibung - nicht alle Hefte waren Korrektur gelesen oder professionell formatiert, so zumindest mein Eindruck.

Manche Studienmaterialien kamen angestoßen an, die Hülle einer CD-ROM im Fach Wirtschaftswissenschaft war beschädigt (vermutlich wäre es aber kein Problem gewesen, sie umzutauschen). Übrigens war auch das ein oder andere Büchlein dabei.

Ich finde, dass es hier zwar sehr etwas Nachholebedarf für die FernUni gibt (einheitliche Standards für Korrektur und Layout?), aber man sollte angesichts der geringen Studiengebühren auch nicht zu viel erwarten. Kosten, die für den Druck eingespart würden bei erhöhter Verwendung von elektronischen Formaten, könnten z.B. in qualitative Verbesserung fließen (mehr bunte Bildchen :)).

E-Learning

Aus meiner Sicht einer der großen Mängel der FernUni, im Bereich E-Learning gibt es kaum ein Angebot, zumindest nicht im Fachbereich Kulturwissenschaften. Ich hätte mir z.B. Online-Vorlesungen gewünscht, einfach als Videostream abrufbar, und sogar dafür mehr Studiengebühren gezahlt. Nicht einmal einen Youtube-Kanal hat die FernUni, obwohl das doch eine tolle Möglichkeit der "Öffentlichkeitsarbeit" wäre. Hier kann die FernUni sich sehr viel von der Open University abgucken, wie ich finde.

Moodle, das als Lernplattform genutzt wird, halte ich persönlich für eine Zumutung, was die Usability angeht, ich habe es fast nie genutzt, zumal die Seite zu Beginn des Studiums kaum erreichbar und nutzbar weil, weil die Server immer überlastet waren.

Ein offizielles Forum für Fernstudierende gibt es auch nicht, von den Kursforen in Moodle abgesehen. Es gibt nur ein privat organisiertes Forum, den Studienservice, aber ein Austausch mit Dozenten findet dort meines Wissens nicht statt. Im Bereich Social Media lebt die FernUni meiner Meinung nach im digitalen Mittelalter, mal von den Bildungswissenschaftlern abgesehen.

Andere Unis bieten mittlerweile übrigens iPads oder E-Reader zur Leihe an. Wäre das schön gewesen, alle Studienmaterialien auf einem Gerät! Fehlanzeige, solche Sachen befinden sich an der FernUni noch in der Testphase ...

Präsenzveranstaltungen

Prräsenzveranstaltungen habe ich selten besucht, aber die Veranstaltungen sind hilfreich, um Kommilitonen kennen zu lernen, zur Klausurvorbereitung, um die Dozenten kennen zu lernen. Da gibt es aus meiner Sicht keine Kritik zu üben. Das Studienzentrum hier in Berlin habe ich bisher nie besucht, aber es ist in aus vielerlei Hinsicht hilfreich.

Betreuung

Betreuung musste ich selten bis gar nicht in Anspruch nehmen. Als es um die Anerkennung alter Scheine ging, rief ein Prof. aus dem Bereich Kulturwissenschaften mich sogar persönlich auf Handy zurück, um die Sache mit mir zu klären. Die Gebührenverwaltung z.B. reagierte immer sehr rasch auf meine Mails. Tiefergreifende Betreuung, etwa für eine Hausarbeit, musste ich nie in Anspruch nehmen, aber ich denke, dass auch die einwandfrei gewesen wäre.

Fazit

Hauptgebäude der FernUniversität Hagen (Foto: Ulrich Schneider, GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

Ich habe einige Kritikpunkte aufgezählt, letztendlich sind das aber alles Dinge, mit denen ich leben konnte, insbesondere im Bereich der Geisteswissenschaften. Für schwierige Themen der Wiwis oder Informatiker sind E-Learning-Angebote und einwandfreie Studienmaterialien z.B. wichtiger.

Insgesamt bin ich mit der FernUni Hagen zufrieden, ich kann das Studium der Kulturwissenschaften wirklich weiterempfehlen für alle, die sich für Geschichte, Philosophie und Literatur interessieren (sehr sehr schade übrigens, dass die Soziologie nicht mehr vertreten ist, die fand ich sehr interessant).

Die FernUni eignet sich insbesondere für wissenschafts- und forschungsorientierte Studierende, es ist eben eine Uni. Wer es praktischer braucht, sollte aber erwägen, an einer Fachhochschule fernzustudieren, insbesondere im Bereich Wirtschaft oder Informatik.

Wie sind Eure Erfahrung mit der FernUni, insbesondere in Bezug auf die oben genannten Punkte? Schreibt es einfach hier in die Kommentare.

Veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr). Abgelegt unter FernUni Hagen, Fernstudium-Erfahrungen, KuWi.

Christian Wolf

Christian ist Wissenschaftsredakteur und Blogger, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine neuen Beiträgen von Christian zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Michael

Hallo



ich studiere im letzten Semester an der FU und starte demnächst mit meiner Bachelor Arbeit.



Ich konnte Raten vereinbaren, wurde persönlich betreut und hatte keine Probleme mit den Skripten. Ergänzend nutzte ich die Schwabe Bücher.



Wer sich ins Zeug legt und diszipliniert lernt wird auch belohnt. An der Präsenzuniversität habe ich keine bessere Betreuung erhalten, eher im Gegenteil. Daher blieb ich an der FU.



Beste Grüße !!!

Nicole

Inzwischen stellt die FU Hagen im Studiengang Psychologie immer mehr auf Onlinevorlesungen um.

Wie es in anderen Fächern aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Die angesprochene Kulanz bei den Gebühren, habe ich an der FU HA nie erlebt. Weder liess sich eine Ratengebühr vereinbaren, noch waren die Bürohengste u. -stuten überhaupt zu einem Entgegenkommen bereit. Stattdessen werden für jedes Versäumnis direkt weitere Kosten i.H.v. satten 25 EUR generiert, die weder verhandelbar sind, noch aufschiebend wirken. Selbst der Hinweis, allein erziehend zu sein, lässt bei diesem blasierten und herzlosen Bürokratenhaufen keinerlei Milde walten.



Vom didaktisch wertlosen Studienmaterial, im Duktus der FU auch als Studienbriefe bezeichnet, will ich gar nicht anfangen. Dass eine Fernuniversität, wie der Name bereits impliziert, nicht nur besondere Anforderungen an die Studierenden stellt, sondern auch an die Universität selbst, ist bei der FU HA offenbar bis heute nicht angekommen. Stattdessen wird munter fort altbackenes, an Syntax- und Rechtschreibfehlern reiches Material präsentiert, welches zudem auf die inhaltlichen Ausführungen exemplifizierende Beispiele fast gänzlich verzichtet, dass es schlechterdings nur als frech zu bezeichnen ist, wie ignorant und arrogant an den Studierenden vorbei verwaltet wird.



Mehr möchte ich a.d.St. gar nicht ausführen, obschon es beginnend bei den Gebühren für das Studium bis hin zu den Lerngruppen, Foren und Dozenten noch reichlich zu kritisieren gäbe. Allein, mir ist die Zeit dafür zu schade. Das Kapitel liegt hinter mir und das ist auch besser so.

Hallo Robert,



das mit den Raten ging bei mir noch ganz gut, ist natürlich mittlerweile schon einige Jahre her. Über die Finanzierung sollte man sich schon vorher und von Anfang an ausreichend Gedanken machen, auch wenn die FernUni nicht sehr teuer ist.



Angesichts der geringen Gebühren habe ich auch nie mehr von den Materialien erwartet, obwohl ich natürlich auch etwas enttäuscht war. Gute Lehrbücher zu produzieren ist ziemlich teuer: Bezahlt werden muss nicht der Dozent oder Prof als Autor, sondern auch ein Lektor, ein Setzer, der Druck an sich usw. Das will sich die FernUni wohl angesichts der geringen Gebühren nicht leisten, und so wird das alles den Profs und Dozenten überlassen, die nun neben dem, was Sie eigentlich tun sollten, auch noch Verlagsarbeit übernehmen. Ob das wirklich so ist, weiß ich nicht, ich vermute es nur.

Also ich habe sehr schlechte Erfahrungen mit der Fernuni Hagen gemacht. Der Prüfungsausschuss um Dr. Jens Wehrmann, Vanessa Hoffmann und Dr. Ulrike Baumöl benimmt sich vollkommen daneben und bewertet Prüfungen mit "nicht ausreichend" mit an den Haaren hergezogenen Begründungen. Diese Leute scheinen sich besonders profilieren zu wollen oder anscheinend wollen die ein paar Studenten los werden. Ich habe die Fernuni Hagen dann auch verlassen. Daher kann ich jedem nur empfehlen von dieser "Universität" Abstand zu nehmen...

Hallo Tim,

schade, dass du so schlechte Erfahrungen mit der FernUni gemacht hast. Das, was du beschreibst bzw. empfindest, kommt so oder so sicher auch ab und an an jeder Präsenzuni vor. Vor allem die sehr vollen Hochschulen, wie der FernUni mit ihren über 70000 eingeschriebenen Fernstudis, können es natürlich nicht jedem einzelnen Studenten recht machen. Wer eine intensivere Betreuung wünscht und es sich leisten kann, fährt vielleicht mit einer privaten Fernhochschule besser.

karina

Also inzwischen habe ich weitergelesen und mir ist klar geworden Du bist exmatrikuliert. Das finde ich schade. Ich studiere jetzt seit 5 Wochen und stimme mit Dir in den wesentlichen Punkten überein, soweit ich das bisher beurteilen kann. Letztlich ist man doch sehr stark auf sich selbst zurückgeworfen in dieser Form von Studium und das erfordert eine hohe Motivation. Ein Bildungsziel verfolge ich im übrigen auch nicht, aber inzwischen habe ich gemerkt, dass die Beschäftigung mit Literatur sehr fruchtbar für mich ist.

Hi Karina,

danke für Deinen Kommentar. Wünsche Dir auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg im Kuwi-Studium und hoffe, dass Du alle evtl. kommenden Motivationslöcher erfolgreich überwindest.

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