Interview: Fernstudium zum Betriebswirt am ILS

Heute gibt es ein Interview mit Sabine, eine in meinen Augen vorbildliche Fernlernerin, die nicht nur einen Fernkurs erfolgreich bestanden hat. In diesem Interview soll es aber erst einmal nur um ihre Ausbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt gehen, die Sabine über das ILS absolviert hat.

 

Hallo Sabine, schön, dass Du Dich für ein Interview zu Deiner Ausbildung zur Staatlich Geprüften Betriebswirtin am Institut für Lernsysteme bereiterklärt hast. Stell Dich kurz vor: Wer bist Du, was machst Du so?

Hallo Christian, danke, das mache ich natürlich gerne. Mein Name ist Sabine Hutter, ich bin 24 Jahre alt und hauptberuflich im Personalwesen tätig. Nebenberuflich arbeite ich als freiberufliche Webtexterin und Übersetzerin.

Warum hast Du Dich für eine Ausbildung zum Betriebswirt entschieden und warum gerade der Staatlich Geprüfte Betriebswirt?

Weiterbildung läuft für mich immer unter der Prämisse: „Alle Türen für die Zukunft offen halten“. Ich hatte vorher schon den Personalfachkaufmann IHK gemacht. Der nächste logische Schritt war dann für mich der Betriebswirt, weil er auf dem Fachkaufmann aufsetzt. Ich wollte ursprünglich eigentlich den IHK-Betriebswirt machen. Da jedoch die nächste IHK, die einen entsprechenden Teilzeitkurs angeboten hätte, über 100 km von mir entfernt liegt, wollte ich wieder ein Fernstudium machen – und da blieb dann nur der Staatlich Geprüfte Betriebswirt. Ich habe mich dann etwas umgehört und festgestellt, dass der Staatlich Geprüfte Betriebswirt in der Wirtschaft ebenso gut anerkannt ist wie die IHK-Variante. Somit war die Entscheidung gefallen.

Und warum am ILS?

Diese Entscheidung habe ich genau genommen nicht selbst getroffen. Zu meinem ersten Fernlehrgang habe ich mich angemeldet, als ich 17 Jahre alt war. Damals hat den Anbieter ganz einfach noch meine Mutter ausgesucht. Später bin ich dann beim ILS geblieben, weil ich im Großen und Ganzen dort zufrieden war und mir von verschiedenen Seiten berichtet wurde, dass sich die verschiedenen Fernlehrgangsinstitute recht ähnlich sind. Da ein erneuter Kurs beim ILS auch noch durch einen netten Rabatt begleitet war, war die Entscheidung dann recht schnell gefallen.

Voraussetzungen für die staatliche Prüfung am Ende des Kurses sind ja ein Realschulabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie Berufserfahrung. Hattest Du zum Zeitpunkt des Kursbeginns bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung?

Ja, meine Berufsausbildung hatte ich damals schon abgeschlossen. Ich habe aber viele getroffen, die zu Anfang beispielsweise noch nicht die erforderliche Berufserfahrung vorweisen konnten oder die die fehlende Berufsausbildung mit genügend Berufserfahrung wett machen mussten. Gerade in den Seminaren hat man da aber gute Ansprechpartner, mit denen man das direkt besprechen kann, weil die Schule, die die Seminare durchführt, gleichzeitig auch die spätere Prüfungsstelle ist.

Das ILS bereitet auf verschiedene Schwerpunkte vor, Marketing, Finanzwirtschaft, Logistik, Personalwirtschaft, Touristik und Wirtschaftsinformatik. Für welchen Studienschwerpunkt hast Du dich denn entschieden und warum?

Ich habe mich für Personalwirtschaft entschieden, da ich ja im Personalwesen tätig bin und dieser Schwerpunkt eine einheitliche Linie mit meiner vorhergehenden Weiterbildung zum Personalfachkaufmann bildete. Rückblickend betrachtet muss ich allerdings sagen, dass es relativ egal ist, welchen Schwerpunkt man wählt. Es handelt sich dabei wirklich nur um einen „Schwerpunkt“ und nicht um eine Spezialisierung, wie ich ursprünglich gedacht hatte. Das Ergebnis war bei mir, dass ich mit sehr oberflächlichen Informationen zu tun hatte, die bereits beim Personalfachkaufmann wesentlich tiefergehend besprochen wurden. Hinzu kam, dass gut 90 Prozent meiner Mitschüler in diesem Schwerpunkt nicht mal im Personalwesen tätig waren. Es gab sogar welche, die noch kurz vor Schluss ihren Schwerpunkt gewechselt haben, weil ihnen kein passendes Thema für die Projektarbeit eingefallen ist. Insgesamt ist dieser Schwerpunkt also recht überbewertet, aber im Zeugnis macht er sich ganz gut.

Bei einem Fernstudium, das auf eine staatliche Prüfung vorbereitet, ist der Arbeitsaufwand sicher höher als bei vielen anderen Fernkursen. Das ILS empfiehlt einen wöchentlichen Arbeitsaufwand von 15 Stunden. Weißt Du noch, wie viele Stunden Du wöchentlich in den Fernkurs zum Betriebswirt investiert hast?

Ich habe wesentlich mehr Zeit investiert als die 15 Stunden, ich bin allerdings auch um einiges früher fertig geworden. Ich schätze mal, dass es bei mir eher 25 bis 30 Stunden pro Woche waren. Ich gehe aber davon aus, dass die 15 Stunden durchaus realistisch sind. Das sind ja alles nur Durchschnittswerte, darum darf man ja auch immer eine gewisse Weile kostenlos überziehen.

Und nebenbei hast Du gearbeitet?

Ich habe über den gesamten Zeitraum Vollzeit gearbeitet und hatte auch noch einen Nebenjob als Servicekraft in einem Restaurant. Bei mir ging das problemlos, weil ich sehr arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeiten hatte, die mir das ermöglicht haben.

Der Fernkurs ist ja auf insgesamt 36 Monate, also 3 Jahre angelegt, wobei die Regelstudienzeit kostenfrei um bis zu 18 Monate überzogen werden kann. Wie lange hast du insgesamt gebraucht, vom ersten Studienheft bis zur Abschlussprüfung?

Ich habe nur 26 Monate gebraucht. Ich hatte da aber gegenüber vielen anderen einfach den Vorteil, dass ich das Arbeiten mit einem Fernstudium schon gewohnt war und ich daher gleich voll durchstarten konnte. Am Anfang ist es doch recht befremdlich, ganz alleine zuhause zu lernen und es dauert bei vielen eine Weile, bis sie da reinkommen – das war auch bei mir im ersten Fernstudium nicht anders. Zudem habe ich ja doch wesentlich mehr gelernt als die durchschnittlichen 15 Stunden und den Lehrgang dadurch etwas straffer durchgezogen.

Das Studienmaterial besteht aus insgesamt etwa 100 Studienheften sowie 3 Audio-CD mit einem Tonsprachkurs. Wie fandest du die Studienmaterialien?

Ich fand das Studienmaterial beim Betriebswirt didaktisch sehr gut aufbereitet. Die meisten Hefte waren wirklich sehr gut zu verstehen, sodass dann auch die Einsendeaufgaben kein großes Problem mehr waren. Der Schwierigkeitsgrad des Studienmaterials war außerdem auch dem Niveau der Abschlussprüfung völlig angemessen, sodass hier keine falschen Vorstellungen geweckt wurden. Ein großes Problem haben die meisten mit den Studienunterlagen im Fach Wirtschaftsmathematik. Die schulische Voraussetzung für den Betriebswirt ist ja eigentlich „nur“ der Realschulabschluss. In Mathematik wird jedoch nur noch ein Heft für Wiederholungen genutzt und dann steigen die Unterlagen direkt in die Oberstufenmathematik ein. Wofür Gymnasiasten dann zwei oder drei Jahre Zeit haben, um das zu lernen, hatten wir fünf oder sechs Lernhefte. Für mich war es okay, weil ich das Abi eh noch relativ frisch in der Tasche hatte, aber viele andere sind daran echt verzweifelt und teilweise sogar gescheitert.

Und die Betreuung? Hattest Du einen persönlichen Ansprechpartner und Tutor?

Ich hatte natürlich beim ILS einen mir zugeteilten Ansprechpartner. Der hat auch stets bei allen Anfragen sehr schnell und kompetent weitergeholfen. Die Möglichkeit, die Tutoren telefonisch oder per Mail zu kontaktieren, habe ich während der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal genutzt. Die meisten, die mir davon berichtet haben, waren mit der Qualität dieser Möglichkeit eh nicht zufrieden. Wenn ich mal auf Fragen gestoßen bin, die ich nicht für mich selbst klären konnte, habe ich das mit meinen Studienkollegen besprochen und da fanden sich dann meistens schnell Lösungen. Es hat ja doch jeder so seine Fächer, in denen er besonders gut ist.

Der Lernerfolg wird ja am ILS durch regelmäßig zu bearbeitende Einsendeaufgaben überprüft. Teilweise kann man die Lösungen der Einsendeaufgaben im Internet kaufen. Wie anspruchsvoll waren die Aufgaben?

Das lässt sich pauschal gar nicht beantworten. Es gab Einsendeaufgaben, die wirklich „billig“ waren – man konnte die Antworten theoretisch einfach aus dem Heft abschreiben. Nicht, dass das Sinn der Sache wäre, aber es lief dann quasi auf auswendig lernen hinaus, wovon ich noch nie ein Freund war. Es gab aber auch viele Fächer, wo wirkliche Transferleistungen gefragt waren. Da hätte es nichts geholfen, etwas auswendig zu lernen, da man das Gelernte wirklich anhand von Praxisfällen anwenden musste. Sehr anspruchsvoll waren eigentlich in fast allen Fächern die Fallstudien. Da ging es kaum mehr um die reine Wissenswiedergabe, sondern wirklich darum, abzuprüfen, ob man das Gelernte auch in der Praxis umsetzen kann.

Im ILS-Fernstudium zum Staatlich geprüften Betriebswirt stehen insgesamt 3 Präsenzseminare an, die jeweils 2 Wochen dauern. Fandest Du die hilfreich?

Jein. Für den Lernstoff waren die ersten beiden nicht besonders hilfreich, da in den Fächern meist keine wirkliche Wiederholung stattgefunden hat, sondern vielmehr Stoff behandelt wurde, der gar nicht Teil der Studienhefte war. Zudem ist auch die Qualität der Lehrer dort schwankend. Das Prüfungsvorbereitungsseminar war dann wiederum sehr sinnvoll, weil dadurch in den meisten Fächern der Lernstoff für die Prüfungen deutlich eingegrenzt werden konnte und man auch Gelegenheit hatte, offene Fragen zu klären. Immer sehr gut waren die Präsenzseminare jedoch für den gegenseitigen Austausch unter den Studis. Schließlich kannte man sich vorher größtenteils nur aus Mails, Foren oder Messengern.

Hattest Du viel Kontakt zu Mitschülern? Oder warst Du eher Einzelkämpferin?

Ich hatte eine Handvoll Leute, mit denen ich intensiv zusammengearbeitet und auch einen Teil meiner Freizeit verbracht habe. Wenn das zu viele werden, ist es nicht mehr effektiv. Man muss sich auf die anderen ja schließlich auch einstellen. Zudem ist mir dann irgendwann mit meinen Jobs auch einfach die Zeit dafür ausgegangen.

Das ILS bietet ja auch für seine Schüler einen Online-Campus. Hast Du den genutzt?

Das ILS-Studienzentrum habe ich vorrangig zum Verschicken der Einsendeaufgaben genutzt. Im Forum habe ich zwar regelmäßig mitgelesen, war dort aber nicht besonders aktiv, weil zu wenig los war. Wenn man dort eine Frage gestellt hat, hat man oft tagelang überhaupt keine Antwort bekommen. Fachfragen brauchte man schon gar nicht zu stellen. Das kannte ich vom Abitur-Forum her ganz anders, da hat eigentlich jeder jedem gerne geholfen und dementsprechend war da auch viel los. Insgesamt gab es beim Betriebswirt sehr viele „Eigenbrötler“, die ihr Ding lieber alleine durchziehen wollten.

Der Fernkurs bereitet ja vor allem auf die Staatliche Prüfung zum Betriebswirt vor. Wie war die Prüfung bei Dir?

Ich fand die Prüfungen angemessen schwierig, aber trotzdem machbar, wenn man einigermaßen vorbereitet war. Ich habe mit einem Notenschnitt von 1,2 abgeschlossen. Ich hatte aber auch eine große Portion Glück in der Hosentasche. Man hat ja eine Vornote, die mit der Prüfungsleistung sozusagen „verrechnet“ wird. Die Prüfungskonferenz hat mir in allen Fällen, wo ich in der Prüfung selbst etwas schlechter als in der Vornote war, die bessere Vornote gegeben. Dementsprechend bin ich auf ein wirklich tolles Ergebnis gekommen. Zudem hatte ich in der mündlichen Prüfung einen wirklich sehr sympathischen Prüfer, der mich weniger über meine Projektarbeit selbst ausgefragt hat, sondern mehr über die Praxis bei meinem Arbeitgeber – und da könnte wohl jeder punkten.

Meinen Glückwunsch zur 1,2! Und nützen Dir der Abschluss und das erworbene Wissen beruflich etwas?

Mir hat der Kurs vor allem geholfen, so etwas wie eine unternehmerische Sichtweise zu entwickeln. Ich gehe heute anders durch den Betrieb, ich verstehe wesentlich mehr von den Abläufen im Unternehmen. Einen Karrieresprung habe ich dadurch nicht erreicht, ich habe aber auch in der letzten Zeit keinen angestrebt. Zusammengefasst könnte man sagen: Ich bin in dem, was ich beruflich mache, einfach besser geworden und das weiß mein Chef auch zu schätzen.

Der Fernkurs zum Betriebswirt kostet monatlich etwa 145,– EUR, und das über 3 Jahre. Das ist nicht wenig - wie hast du dein Studium finanziert, wenn ich fragen darf?

Bei mir war der Lehrgang nicht ganz so teuer. Ich habe einen netten Rabatt bekommen, weil ich vorher schon Kurse beim ILS belegt hatte. Ansonsten war die Finanzierung für mich mit zwei Jobs aber auch nie das große Problem.

Weißt Du eigentlich etwas über die Abbrecherquote des Kurses?

Nicht wirklich. Das ist auch ein Thema, bei dem sich das ILS nicht leicht in die Karten schauen lässt. Das ILS wirbt ja gerne damit, dass der Großteil der Prüflinge besteht. Das funktioniert aber halt nur für diejenigen, die es auch bis dahin schaffen. Grundsätzlich ist es so, dass sehr viele in den ersten Wochen und Monaten wieder abspringen, weil sie sich unter dem Fernstudium vielleicht doch etwas anderes vorgestellt hatten oder die Lernerei einfach doch nicht mit ihrem Alltag vereinbaren können. Mein Gefühl sagt mir, dass es die meisten, die das erste Jahr überstehen, auch früher oder später zur Prüfung schaffen.

Letzte Frage: Welche Eigenschaften sollte jemand, der sich zum Staatlich geprüften Betriebswirt per Fernstudium ausbilden lassen will, unbedingt mitbringen?

Das ist eine schwierige Frage, weil ich im Lauf der Jahre sehr viele unterschiedliche Charaktere kennengelernt habe, die alle auf ihre Art damit umgegangen sind. Ich denke, man braucht eine gewisse Zähigkeit, weil man einfach sehr viel Zeit investiert und jahrelang keine wirklichen Ergebnisse sieht. Man muss ansonsten auch bereit sein, die privaten Belange ab und zu hintenan zu stellen. Nicht immer haben Familie, Freunde und Bekannte Verständnis dafür, wenn man „schon wieder“ lernen muss. Das wichtigste ist aber wohl die Fähigkeit, sich immer und immer wieder selbst dazu zu bewegen, weiterzumachen – das übernimmt nämlich leider sonst keiner für einen.

Ein schönes Schlusswort! Ich danke Dir für das ausführliche Interview und wünsche Dir viel Erfolg auf Deinem weiteren Weiterbildungs- und Karriereweg.

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Sabines Fazit und Bewertung findet Ihr hier: Alle Infos zum Betriebswirt mit dem ILS. Sabines Website findet Ihr hier: gekonnt-gesagt.de.

Beitrag veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 10 Monaten).

Über Wolf

Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Hallo,

vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich selber habe den Verkaufsleiter beim ILS gemacht. Den Betriebswirt HWK absolvierte ich bei der Handwerkskammer. Der Vorteil vom Präsenzunterricht ist, dass man glecih fragen kann wenn man etwas nicht versteht. Beim Fernstudium bekommt man auch Unterstützung aber nicht so schnell. Es kommt halt darauf an was einem besser liegt. Besonders eine Aufstiegsfortbildung wie der staatlich geprüfte Betriebswirt sind eine besoders harte Aufgabe im Fernstudium.

freundliche Grüße
Josef

Wolf

Hallo Joseph,
das stimmt, die Form des Fernstudiums verlangt einem schon ein ganzes Stück mehr an Disziplin ab als Präsenzunterricht. Dafür hat sie aber viele weitere Vorteile, und am Beispiel von Sabine sieht man ja, dass beispielsweise die Ausbildung zum Betriebswirt problemlos per Fernstudium zu bewältigen ist. Sabine hat übrigens am ILS auch noch ihr Abitur nachgemacht und sich zur Personalkauffrau weitergebildet: Dreimal Fernstudium mit dem ILS: Meine Erfahrungen.

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