Die Examination in München

Zu Ende des Kurses musste ich zum ersten Mal eine schriftliche Prüfung ablegen. Ganz ohne Material, so aus dem Kopf! Gut, ich war das ja noch aus meiner Schulzeit gewohnt, sollte an sich normal sein. Doch die Prüfungen an der OU sind ja alle auf Englisch und die bisherigen TMAs waren von zu Hause aus. Da habe ich Wörter nachgeschlagen, konnte in den Büchern nachsehen und hatte jedenfalls allerlei Möglichkeiten, also neben meinem internen Speicher auch noch jede Menge externer Daten zur Verfügung. Kann das gut gehen, das war die Frage!

 


Morgens fuhr ich gleich mit genügend Zeit im Vorlauf nach München, mit der Straßenbahn und U-Bahn an das Deutsche Museum, wo die Prüfungen stattfinden sollten. Dort angekommen, hatte ich noch gut ne Stunde Zeit, die ganze Situation auf mich wirken zu lassen. Um 10 Uhr ging es los, die Sitzordnung war vorgegeben und die nötigen Blätter lagen alle auf dem Tisch. Aus den Fragen konnte ich auswählen, welche ich beantworten wollte.

Das hab ich ganz am Anfang festgelegt. Die ersten Begriffe waren dann erklärt, es ging weiter und das mitgebrachte Wörterbuch hab ich etwa 2 oder 3 mal aufgeschlagen. Die ersten 90 Minuten ging schnell vorbei, keine Blockaden oder sonstigen Probleme, eigentlich schrieb ich nur drauf los. Ich hab mich richtig gefreut, dass mir die Sprache doch nicht soviel gemacht hat, wie ich vorher gedacht hatte. 


Den ersten Teil hatte ich auch gleich geschafft. Dann ging es mit dem ersten Essay los. Wir bekamen ein Extrablatt, auf dem wir Notizen machen konnten. Vor jedem Essay habe ich mir eine ganz grobe Struktur notiert, welche Punkte ich dort behandeln möchte. Es war einfach meine Strategie, erst zu denken und dann zu schreiben, kann ich übrigens sehr empfehlen! .-)

Das hört sich vielleicht lustig an, aber es gibt viele, die anfangen zu schreiben und dann immer wieder herum überlegen, was der nächste Gedanke sein könnte! Ich leg mich einfach fest, dann schreib ich das fertig und gut ist. Was mir anfangs nicht eingefallen ist, kommt einfach nicht mehr mit rein.

Die anwesenden Prüferinnen waren nett

Die zwei Prüfungsaufseherinnen, ich nenn sie mal so, waren mir bis dahin unbekannt. Aber wie ich das von der OU gewohnt bin, waren sie sehr freundlich und nett. Ich erwähne das, weil es einfach entspannender ist, wenn da vorne Personen sitzen, die freundlich lächeln, sich anständig benehmen und nicht im Diktatorstil die Taschen kontrollieren.

Es schafft eine ganz andere Atmosphäre, als wenn streng schauende „Diktatoren“ über einen Wachen. Ich kenn das noch aus Schulzeit, wo Lehrer oder Lehrerinnen durch die Bänke laufen, nach Spickzetteln suchen und jeder schon einmal im Generalverdacht als Betrüger feststeht.

Was für ein Klamauk das war, merk ich jetzt erst. Die Taschen wurden im übrigen auf die Seite gestellt, kontrolliert wurde von den Damen nichts. Zwischendrin kam ein mir bekanntes Gesicht zu Besuch, der Chef von OU München, schaute, wie es läuft und ging auch wieder.

Nach gut 3 Stunden hatte ich ganze 10 Seiten vollgeschrieben, alles auf Englisch. Ich hätte mir das nicht vorstellen können, dass ich das jemals machen würde. Vorher und sogar zu Beginn des Studiums hätte ich nicht geglaubt, wenn mir einer erzählt hätte, dass ich mal 10 Seiten Englischprüfung schreibe.

Da fiel mir wieder mal auf, wie wenig man sich selbst eigentlich zutraut, obwohl ich schon sehr optimistisch zu meinen eigenen Fähigkeiten stehe. Es muss einfach jemand oder Situationen geben, wo man selbst gefordert wird! Sei es durch Personen oder indem man sich selbst in die Situationen bringt.

Veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren). Abgelegt unter Prüfung, Lernen, Abschlussarbeit.

Marcus Schweizer

Ich studiere Psychologie an der Open University.

Beruflich bmach ich Menschen glücklich :-)

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