Ein genauer Blick auf den Unterschied von Objektivität und Subjektivität in der Psychologie

Im vorherigen Beitrag bin ich auf die Forschung im Allgemeinen eingegangen. Dabei habe ich am Ende gezeigt, dass ein grundlegender Unterschied zwischen qualitativer und quantitativer Forschung besteht. Jetzt möchte ich das Gebiet aus dem Blickwinkel von Objektivität und Subjektivität angehen, also quantitativer und qualitativer Forschung.

Quantitative Forschung versucht, objektive Beweise zu liefern

Objektive Forschung möchte beweisen. Jede Studie mit objektiven Zielen möchte nichts anderes, als Wissen zu beweisen, das für alle Menschen überall auf der Welt gilt. Ein wichtiges Mittel dafür ist die Generalisierung. Das bedeutet, dass die Ergebnisse als allgemein gültig angesehen sind. Um die zu erreichen, bedarf es möglichst vielen Teilnehmern in den Studien, um eindeutige Aussagen geben zu können. Um die Datenmengen zu bewältigen, bedarf es Statistiken. Viele kennen den Placebo Effekt, vielleicht auch randomisierte Studien und andere Begriffe aus der quantitativen Forschung.

Die Maßnahmen und Vorgehensweisen dienen einzig dazu, objektive Ergebnisse zu erhalten. Auch die Art der Daten, das Design der Studie oder die Einteilung der Teilnehmer in Gruppen beugt den Einflüssen vor, die das Ergebnis wiederum nicht objektiv werden lassen. So finden die ganzen Puzzleteile zueinander. Was eine Studie aussagt, muss dann von anderen bestätigt werden, denn alle Ergebnisse werden von anderen Forschern geprüft. Daher ist eine genaue Beschreibung der Studie notwendig und auch das müssen die OU Studenten können.

Unter den Perspektiven in der Psychologie, die auf Objektivität setzen, sind der Behaviorismus, die Kognitionspsychologie oder die Evolutionspsychologie. Sie bedienen sich verschiedener Methoden, meist aber Experimenten. Ihre Daten können sie auch durch Beobachtung oder Tests gewinnen.

Qualitative Forschung sucht nach subjektiven Eindrücken

Die subjektive Forschung oder qualitative Forschung möchte das Innenleben von Menschen erfahren. Ihr geht es nicht um allgemein gültige Wahrheiten, sondern wie Menschen sich und ihre Umwelt erleben. Es gibt zwar verbindliche Vorgehensweisen, wie man zum Beispiel ein Interview durchführt oder bewertet, aber verschiedene Forscher bringen ganz unterschiedliche Ergebnisse hervor. Das soll auch so sein. Die Daten bestehen meistens aus Schrift, ob das nun Aufsätze, Erfahrungsberichte oder Auswertungen sind. James Marcia entwickelte ja seine eigene Interviewmethode und stufte die Antworten in verschiedene Bereiche zwischen völlig unselbstständig und selbstbewusst ein. Sprache ist also das Hauptaugenmerk in der subjektiven Forschung, ob geschrieben oder gesprochen.

Die Forschung ist meist ein interaktiver Prozess zwischen Teilnehmer und Wissenschaftler, daher hat die Person des Forschers einen größeren Einfluss, das sollte der Forscher in seinen Auswertungen auch immer beachten. Die qualitative Forschung ist keineswegs eine „Gutwetter“-Angelegenheit oder für verirrte Alltagsphilosophen. Sie dient mehr der Grundlagenforschung, um abzusehen, ob an einer Sache was dran ist. Dieses Wissen wird dann von der objektiven Forschung überprüft.     Die Perspektiven, die sich der subjektiven Forschung bedienen, sind unter anderem die psychoanalytische Psychologie, Sozialpsychologie und allgemein gesagt die sprachbasierten Richtungen. Sie bedienen sich meist der Methoden Interviews oder Fragebögen.

Beitrag veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr).

Über Marcus Schweizer

Marcus Schweizer

Ich studiere Psychologie an der Open University. Beruflich bmach ich Menschen glücklich :-)

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