Wir haben für das eigene Verhalten externe Gründe, wo wir bei anderen interne Gründe vermuten

Verhalten aus der Sicht von einem Selbst beurteilt und mit Blick auf andere Personen

Wenn wir Verhalten beurteilen, also sagen möchte, warum jemand etwas macht, dann legen wir zweierlei Maß an. Wir beurteilen andere anders als uns selbst. Bei uns nämlich, da begründen wir unsere Absichten mit externen Gründen, wobei wir anderen interne Einflüsse nahe legen. Sollten wir als Beispiel angeben, warum wir zu spät kommen, wird uns der Stau auf der Autobahn, die verspätete Straßenbahn oder das Telefon zu Hause angeben. Kommt jemand zu spät, denken wir eher an eine unpünktliche Person oder sagen, die Person sei unzuverlässig.
Im Grunde ein sehr seltsames Verhalten, das wir da an den Tag legen, oder? Mich persönlich lässt das etwas mutmaßen: als kleines Kind waren wir tatsächlich nicht in der Lage, die Umstände an unsere Absichten anzupassen oder anders gesagt, beeinflusste die Umwelt, wie wir handeln konnten. Nun lernen wir weiter und mit der körperlichen Möglichkeit, Dinge zu verändern, wie auch der geistigen Entwicklung, Pläne zu erstellen und durchführen zu können, sehen wir, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, was wir erfüllen können. Meine ganz persönliche Meinung ist daher, dass wir so verschieden beurteilen, da wir bei uns selbst noch das kindliche Vermögen mit einrechnen und bei anderen die entwickelten Fähigkeiten voraussetzen. Aber wie gesagt, das ist mein ganz persönlicher Gedanke und pure Spekulation. Schauen wir also mal, was die Forschung dazu herausgefunden hat.

Die Studien über die Rolle von Aktiven und Beobachtern

Storms führte im Jahr 1973 eine Studie durch, die sich übersetzt etwa mit Handeln und Beobachten beschreiben lässt. Er entwarf ein Experiment, bei dem Gruppen mit je 4 Personen geformt wurden, die sich gegenseitig nicht kannten. Dabei unterhielten sich zwei Leute und die anderen Zwei schauten zu. Es gab also zwei handelnde und zwei beobachtende Personen. Zwei Kameras in dem Raum sollten jeweils einen Redenden aufnehmen. Am Schluss einer Diskussion haben die Forscher gesagt, dass ein Videoband kaputt gegangen sei und dass die Gruppe nun das eine Video ansehen musste. Dazu sollten sie alle einen Fragebogen ausfüllen. Auch derjenige, der aufgenommen wurde, musste sein eigenes Verhalten mit dem Fragebogen beurteilen!
Bei der Kontrollgruppe hingegen waren beide Videos beschädigt, so ließ man diese glauben. Sie mussten die Fragestellungen auf Grund der laufenden Diskussion beantworten. Bei der Auswertung der Fragebögen mittels Statistiken zeigte sich, dass die Akteure situationsbezogene Gründe für Verhalten angeben und die Beobachter eher dispositionelle Gründe, die also an der Person liegen, vermuteten. Selbst diejenigen, die ihr eigenes Verhalten beobachteten, gaben als Beobachter eher persönliche und keine situationsbezogene Gründe für ihr Verhalten an.
In diesem Zuge ließ sich auch feststellen, dass Erfolge eher persönlichen Gründe haben und Misserfolge in der Umwelt vermutet werden.

Diesen Widerspruch zu überwinden ist ein Stück Arbeit an sich selbst, den wohl viele nicht mehr machen :-) Warum dies so ist bleibt abzuwarten, darüber war noch nichts in den Unterlagen zu finden. Dass es so ist, wurde nicht nur mit Studien nachgewiesen, die Erfahrung hat wohl jeder schon einmal bei sich selbst gemacht. Natürlich gibt es nicht wenige Leute, die bei allen Anderen die Schuld sehen. :-)

Beitrag veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 10 Monaten).

Über Marcus Schweizer

Marcus Schweizer

Ich studiere Psychologie an der Open University. Beruflich bmach ich Menschen glücklich :-)

Kommentare und Fragen

Marcus Schweizer

Ja, ich weiss nicht!
Das kommt darauf an, was man unter Selbstwertgefühl definiert und wonach man das beurteilt! Scheint mir aber zu weit weg zu sein...!

Jemand kann ja, gerade aus einem hohen Selbstwertgefühl heraus, sich selbst sehr objektiv einschätzen! Das macht auch Selbst-Bewusstsein aus!

Also welche Mechanismen das begründen und woran dieser Wechsel der Beurteilung liegt, warum eine Beurteilung sogar der eigenen Person je nach Situation anderst vorgenommen wird, das lässt sich so einfach nicht sagen!
Das Verhalten scheint ja sehr tief verwurzelt zu sein und muss auch einen Vorteil bringen! Wir verwenden schließlich etwa 40 % der geistigen Fähigkeiten, um ein "Außenbild" von uns selbst machen zu können......!

"Warum dies so ist bleibt abzuwarten, darüber war noch nichts in den Unterlagen zu finden"

Meine These:
Eines der psychischen Grundbedürfnisse des Menschen ist das nach einer Steigerung des Selbstwertgefühls. Ein Anderes ist das nach einer möglichst genauen Einschätzung der Umwelt.

Die Motivation der Beurteilung von anderen Menschen besteht vor allem in Bedürfnis 2, bei der Selbstbeurteilung können aber Bedürfnis 1 und 2 in Konflikt sein, die Erklärung die die Summe aus B1 und B2 maximiert, liegt dann wohl oft darin, dass ein externer Faktor verantwortlich ist.

Marcus Schweizer

Ja, da mag vieles eine Rolle spielen!
Interessanterweise hat ja in der Studie der/diejenige sich selbst ganz unterschiedlich betrachtet!

Also ein Teilnehmer, der auf dem Video gezeigt wurde, hat sich selbst ganz unterschiedlich bewertet: während der Diskussion, als Subjekt, waren es mehr äußere Gründe, wo er innere Gründe als Beobachter angegeben hat, als er sich später auf nem Video beobachtet hat!
Das legt nahe, dass es auf die Rolle ankommt, die man zum Zeitpunkt der Urteilsgebung einnimmt!

Dann spielen natürlich auch solche Faktoren wie du sie angegeben hast eine Rolle, also wenn man sich das dazu noch ganz bewusst überlegt! :-)

Wolf

Vielleicht muss man hier auch noch unterscheiden zwischen Rechtfertigungen anderen gegenüber bzw. der nach außen getragenen Meinung und dem, was man nur sich denkt und eingesteht.

Ein reflektierter Mensch kann sich ja sicher auch einmal einen Fehler innerlich eingestehen, sich sagen, dass er unzuverlässig ist, sich Strategien überlegen, um das zu überwinden.

Es ist halt nur nicht immer ganz klug bzw. geboten, das auch zu "publizieren". Etwa, weil man einen bestimmten Status nicht verlieren möchte usw.

Auf der anderen Seite sucht man sicher auch bei Menschen, die einem wichtig sind, bei Fehlern oft nach ihnen äußeren Gründen, weil man den Fehler/die Ursache im anderen nicht wahrhaben möchte, etwa, weil es einen dann verletzen würde.

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