Soziales Verhalten, werden hier Vorurteile geschaffen?

Eine Fotoserie bringt einen in Verlegenheit

Beim Durchblättern durch das nächste Kapitel über Sozialpsychologie fällt mir gleich zu Beginn eine Bilderserie auf. Ganz oben auf der linken Seite sind 4 Bilder zu sehen, zwei oben und zwei unten.

  • Auf dem ersten Bild ist ein rennender Mann zu erkennen, der von einer Straßenecke in Richtung des Fotografen angesprungen kommt. Das äußere Erscheinungsbild: Glatzkopf, Bomberjacke, Armeehose und Springerstiefel.
  • Bild Nummer 2 zeigt denselben Mann nun größer und von hinten, er muss also am Fotografen vorbei gerannt sein. Es sieht aus, als ob er normal läuft, an einem Gerüst vorbei und auf einen alten Mann mit Hut zu.
  • Auf dem Bild 3 packt der Mann mit Glatze und Bomberjacke nun den alten Mann mit Hut und greift direkt an seine Jacke.
  • Das vierte Bild zeigt die Situation aus einer Höhe von etwa 4 Meter. Die Entfernung ist noch ein ganzes Stück weiter hinter dem Gerüst. Von oben fliegen Ziegelsteine herunter und da wird klar, dass der Mann in der Bomberjacke das kommende Unheil sah und deswegen los rannte, den alten Mann mit Hut gerade noch vor den herunterfallenden Ziegelsteinen rettete.


Entdeckt man auf dem letzten Bild die Ziegelsteine, fühlt man sich richtig ertappt. Genau, man hatte Vorurteile! Junger Mann mit Glatze, Stiefeln und Bomberjacke, damit war der schon in eine wohl unsympathische Schublade gesteckt worden. Spätestens auf dem dritten Bild, ja da sehen wir es auch direkt, greift der doch den alten Mann mit Hut an! Da wissen wir doch, was wir von „solchen“ Leuten halten müssen und schon im nächsten Bild ertappen wir uns, wie wir andere verurteilt haben. Natürlich sind diese Prozesse im Gehirn eher unbewusst, wir verurteilen andere Personen nicht bewusst, denken also nicht lange nach, um dann ein Vorurteil zu fällen. Dennoch beeinflussen sie uns massiv und wirken bei Entscheidungen mit, denkt man an Bewerbungsgespräche. Und natürlich helfen sie uns in vielen anderen Fällen, uns in der Welt zurecht zu finden und andere Leute schon einmal ansatzweise einzuschätzen. Schlimm wäre es, wenn wir bei jedem neuen Kontakt nicht auf diese Erfahrungen zurückgreifen könnten.

Herr W., Indianer und Westernfilme

Bei den Bildern erinnere ich mich an meine Schulzeit und eine Situation, in der der damalige Klassenlehrer Herr W. ungefähr meinte „Das ist ja wie in den Westernfilmen, in denen man nur sieht, wie die bösen Indianer einfach so die Städte und Cowboys überfallen. Aber dass die Cowboys vorher jahrelang die Büffel erschossen haben, die die Lebensgrundlage für die Indianer waren, das sieht man in diesen Filmen nicht! Und dann heißt es nur: die bösen Indianer!“.
Da muss ich noch weiter abschweifen und einen Satz zu den Schularten loswerden.  Ich war nach der Grundschule auf der Hauptschule, dann auf einer Realschule und wieder auf die Hauptschule. Ich war auf einer Berufsschule, dann auf dem 2. Bildungsweg und dort auf zwei verschiedenen Schulformen. Die beste Schule auf der ich war, das war die Hauptschule und zwar eindeutig! Die Lehrkräfte haben sich ALLE den Hintern aufgerissen, damit auch jeder den Abschluss erreicht – auf anderen Schulen hat so manche Lehrkraft alles getan, damit gewisse Leute den Abschluss nicht erreichen...! Nur, dass das mal bekannt wird! :-)


Zurück zu den Indianern und dem Helden in Springerstiefeln. Es wird klar, dass die Gesellschaft und andere Leute die eigenen Meinungen bilden und sich gewisse Strukturen bilden, nach denen vorgegangen wird. Diese Strukturen lassen dann Vorurteile entstehen, wie gewisse Menschen handeln und in den meisten Fällen mag das stimmen, doch nicht immer. Man sollte sich dessen bewusst sein und den gemachten Denkstrukturen über andere Leute nicht die Oberhand geben.

Ein Beispiel von solchen Überraschungen war die Sängerin Susan Boyle, eine sagen wir verlodderte Frau in den geschätzten späten 50er Jahren. Sagen wir es direkt, da betrat nicht gerade eine Schönheit die Bühne und wer aufmerksam hinhörte, der vernahm auch schon Gelächter. Als sie dann zu singen anfing, waren alle überrascht und letztlich gewann sie glaub auch. Das gleiche Spiel mit Paul Potts in England oder Michael Hirte in Deutschland. Das sind Beispiele für Vorurteile, die klar machen, wie unzuverlässig diese sozialen Strukturen und Annahmen sein können. In vielen anderen Fällen, wie gesagt, helfen sie uns enorm weiter.

Veröffentlicht vor 8 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren). Abgelegt unter Open University, Sozialpsychologie, Vorurteile.

Marcus Schweizer

Ich studiere Psychologie an der Open University.

Beruflich bmach ich Menschen glücklich :-)

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