Die evolutionäre Psychologie

Mit dem Thema für die kommende TMA02 steigt man nun etwas tiefer in die Psychologie ein. Die Fragestellung dieser neueren Disziplin innerhalb der Psychologie ist im Kern, warum sich bestimmte Verhaltensweisen herausgebildet haben. Dabei geht es um evolutionäre Verhaltensweisen, die universell zu sehen sind.

Bei dieser Definition stößt man schon an die ersten Ecken und Kanten, denn was sind nun tatsächliche Verhaltensweisen, die sich durch Evolution herausgebildet haben.

Manche Verhaltensweisen werden zwar überall auf der Welt so gezeigt, können aber nicht als evolutionär gebildet betrachtet werden. Ein schönes Beispiel wäre das Kochen. Wir haben kein Gen zum Kochen, sondern müssen dies lernen. Dennoch kochen Menschen auf der Welt ihr Essen – selbst Ureinwohner im Amazonas sitzen am Feuer.

Was Darwin eigentlich meinte

Wie dem auch sei! Die zwei unumstößlichen Kritikpunkte für die Einstufung eines Verhaltens als evolutionär sind, ob es einen Vorteil für die Person hatte. Der Vorteil muss dabei entweder zu mehr Ressourcen oder einer Einsparung von Energie führen. Die andere Bedingung für ein evolutionäres Verhalten wäre die höhere Chance auf Reproduktion.

Auf dieser Basis oder mit anderen Worten, mit diesem Ziel, ist JEDES Verhalten vorteilhaft. „The survival of the fittest“ bedeutet genau dies. Alles was Vorteile, entweder in Ressourcen oder der Reproduktion bringt, ist vorteilhaft.

„The fittest“ ist dann derjenige, der sich diesen Vorteil sichern kann. Welches Verhalten das ist, hängt ganz entscheidend von der Umgebung ab. Kann jemand gute Fallen bauen, um Tiere zu fangen und Essen besorgen, hat er Vorteile. Nicht so wenn es wie heutzutage Essen im Überschuss gibt.

Sehr große Vorteile bringt soziales Verhalten und daher verwundert es nicht, dass wir alle sozial sind. Wer sich früher nicht in eine Gruppe einbringen konnte oder mit anderen zusammenleben verstehen wusste, von dem stammen wir einfach nicht ab.

Was Darwin keinesfalls meinte, war, dass sich Egoismus durchsetzt und nur Ellenbogen zähle. Es war wohl genau das Gegenteil der Fall.

Eigenschaften wie Verantwortung, Altruismus oder Einfühlungsvermögen sicherten den Personen einen Platz in der Gesellschaft. Wer sich in andere hineinversetzen konnte, wer andere einschätzen lernte und die Dinge aus der Sicht von Anderen sah, der hatte die Möglichkeit besser mit anderen zu kommunizieren und zu verhandeln. Heute versucht jeder, die eigenen Fähigkeiten in den Dienst für Andere zu stellen und dafür etwas für sich zu bekommen. Das nennen wir Beruf!

Wie kommt die evolutionäre Psychologie zu ihren Theorien und Erkenntnissen?

Die Methoden und Mittel der evolutionären Psychologie beruhen auf Archäologie, Genetik oder Studien an Primaten. Sie können ja schlecht durch die Zeit reisen und dort direkte Beweise sammeln. Alles was heute zu finden ist, sind Überbleibsel und Relikte, von denen man nur Rückschlüsse ziehen kann.

Es erinnert mich an die gleiche Methode, wie Sigmund Freud die Annahmen aus den Symptomen auf das Unbewusste erklärte. So möchte ich mit einem Zitat von ihm schließen und die Lösung vieler Ungereimtheiten auf weitere Beiträge verschieben:


... Gibt es nicht sehr bedeutungsvolle Dinge, die sich unter gewissen Bedingungen und zu gewissen Zeiten nur durch ganz schwache Anzeichen verraten können? Ich könnte Ihnen mit Leichtigkeit mehrere solche Situationen anführen. Aus welchen geringfügigen Anzeichen schließen Sie, die jungen Männer unter Ihnen, dass Sie die Neigung einer Dame gewonnen haben? Warten Sie dafür eine ausdrückliche Liebeserklärung, eine stürmische Umarmung ab, oder reicht Ihnen nicht ein von anderen kaum bemerkter Blick, eine flüchtige Bewegung, eine Verlängerung des Händedrucks um eine Sekunde aus? Und wenn Sie als Kriminalbeamter an der Untersuchung einer Mordtat beteiligt sind, erwarten Sie dann wirklich zu finden, dass der Mörder seine Photographie samt beigefügter Adresse an dem Tatorte zurückgelassen hat, oder werden Sie sich nicht notwendigerweise mit schwächeren und undeutlicheren Spuren der gesuchten Persönlichkeit begnügen? Lassen Sie uns also die kleinen Anzeichen nicht unterschätzen; vielleicht gelingt es, von ihnen aus Größerem auf die Spur zu kommen. ...“

Veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren). Abgelegt unter Open University, Fernstudium Psychologie.

Marcus Schweizer

Ich studiere Psychologie an der Open University.

Beruflich bmach ich Menschen glücklich :-)

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