Vom Blatt in den Kopf

Wer über ein Fernstudium studiert, der muss alles selbst erlernen. An einer FH oder Uni bekommt man ja alles gesagt in den Vorlesungen. Ist das wirklich so?

Das hört sich ja an, als ob man bei Präsenzunterricht alles gemacht bekommt, man muss sich nur reinsetzen, dann wird das schon was. Es hört sich wirklich so an, als ob man bedient wird, jemand anderes „die Arbeit“ macht. Der Professor, der da redet, der bringt einem schon alles bei...! Fernstudium bedeutet demnach, dass man selbst Mühe und Qualen auf sich nehmen muss, um zum gleichen Ziel zu kommen. Man hat es schwerer, ja muss selbst mehr tun im Gegensatz zu denen, die vom Professor alles bekommen. Wie? Was? Hab ich etwas verpasst?

Vorstellungen vom Lernen, wer macht sie?

Es herrschen in vielen Köpfen noch immer Vorstellungen von Lernen, analog den Vorstellungen von Medizin während des Mittelalters. Manchmal trifft man eher noch auf Steinzeit.

Hexenverbrennungen finden nicht mehr statt, dafür werden genügend Leute mit schlechten Noten und Zulassungsbestimmungen hingerichtet. Statt Bischöfen und Kardinälen bestimmen Unternehmer und Wirtschaftsbosse über Wohl und Wehe von Personen.

Doch was hat das jetzt mit Fernstudium, Studium und Lernen zu tun? Ganz einfach: die Bedingungen für Lernen werden von den besagten Personengruppen bestimmt, ohne dass das etwas mit dem zu tun hat, wie Lernen funktioniert. Es werden Regeln aufgestellt, die nur Unternehmen Vorteile bringen. Wer daran scheitert, ist selbst schuld. Blöd nur, dass mittlerweile zu viele scheitern und den Unternehmen das Kanonenfutter ausgeht.

Lernen mit Strategie

Kann es wirklich sein, dass die finanziellen Interessen weniger Leute bestimmen, wie man zu lernen hat? Es stellt sich immer mehr die Frage nach der Wahrheit. Der Wahrheit, was Lernen bedeutet. Betrachtet man Lernen als das, was es ist, nämlich ein biologischer Prozess, kommt man schnell auch zu den Bedingungen, die herrschen müssen damit Lernen sowie Studium gelingt und die sind ganz weit weg von den Vorstellungen mit finanziellen Interessen im Hintergrund.

Auch andere sogenannte Lernstrategien sollten nicht völlig kritiklos geglaubt werden. Wer diese sozusagen erfunden hat oder mit welcher Begründung sie wirken sollen, sind wichtige Argumente.

Warum sollen zum Beispiel Leute ein besseres Studium haben, wenn sie in einer Präsenzuni eingeschrieben sind im Gegensatz zu Fernstudenten? Mit welcher Begründung, was Lernen betrifft, kann denn diese Aussage gemacht werden? Hier sieht man erstmal die Schwierigkeiten, das Tor zum Mittelalter geht auf.

Es ist einfach, man muss es nur tun!

Kurz gesagt, wird einfach das dauerhaft gelernt, was man tut. Das macht einfach die Physiologie des Gehirns. Wer den Schreibtisch nicht aufräumt, der lernt, dass der Schreibtisch nicht aufgeräumt ist. Wer Inhalte auswendig lernen muss, um sie später einfach wiedergeben zu können, lernt auch, dass man Inhalte einfach auswendig lernt. Jedenfalls aber nicht die Inhalte. Gelernt wird, was oft passiert, ob das Bestimmungen und Verordnungen zulassen oder nicht!

Man kann also Lernen, indem man sich viel und intensiv mit etwas auseinandersetzt und ausprobiert. Nicht, indem man bestimmt, dass etwas nach einer festgesetzten Zeit gewusst werden muss.


Man kann auch nur das lernen, was man sich selbst überlegt und womit man sich selbst beschäftigt. Selber denken, darauf kommt es an, ob an einer Uni oder zu Hause mit den Unterlagen.

Ich bin auf den Geschmack gekommen und froh darüber, dass ich mir zu Hause alles ansehen kann, ohne Bestimmungen, an zu einem bestimmten Zeitpunkt an der Uni sein zu müssen. Es nutzt meinem Studium einfach nichts, wenn ich Pflichten erfülle. Deswegen werde ich in meinem Fach einfach nicht besser.

Veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren). Abgelegt unter Lernen, Open University.

Marcus Schweizer

Ich studiere Psychologie an der Open University.

Beruflich bmach ich Menschen glücklich :-)

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