iLearning Global - was steckt dahinter?

Christian Wolf
 | 4 Kommentare

Nachdem Markus Jung nun kurz zum Thema getwittert hat, will ich hier auch noch kurz meine Meinung zum Thema iLearning Global öffentlich kund tun, ich bin nämlich auch in den letzten Tagen angesprochen worden, ob ich nicht dieses „revolutionäre“ Lernmodell vertreiben möchte.

1. iLearning Global nutzt MLM bzw. Network-Marketing. Von dieser Vertriebsform halte ich persönlich nicht viel, auch wenn es einige wenige erfolgreiche Vertreter gibt. Was mir auffällt, dass der Vertrieb hier fast wichtiger ist als die Sache an sich.

2. Wenn ich von Superlativen geradezu erschlagen werde, klingeln bei mir die Alarmglocken. Wer es nicht schafft, mich mit Substanz zu überzeugen, hat schon verloren.

3. Nachdem ich kurz Einblick in die Website bekommen habe: Dort geht es eigentlich nur um amerikanische Erfolgsphilosophie. Ehrlich gesagt: Was soll man darüber noch lernen, wenn man Napoleon Hill gelesen hat? Die Idee ist nett: Regelmäßig wird der Nutzerbereich dort mit neuen Videos, E-Books usw. gefüllt. Einige Bereiche waren aber noch „under construction“ - wofür zahlt man da denn? Und: Unter „Bildung“ verstehe ich andere Dinge als amerikanische Erfolgsphilosophie.

4. Das Ganze ist auf den amerikanischen Markt zugeschnitten. Eine Zielgruppe (verzweifelter Manager :)) gibt es sicherlich. Solange das aber nicht hier auf den deutschen Markt umgesetzt wird, sehe ich da keine Chance.

Also, wer meint, dass er das unbedingt vertreiben muss, weil er sich sein Gehirn leicht waschen lässt, erst einmal genauer anschauen. Nichts gegen kommerzielles E-Learning, dann sollte bitte aber auch die Substanz, die Bildung an erster Stelle stehen. Der Website nach hat das Modell durchaus Potenzial, wie es sich entwickelt, wird sich zeigen.

Mehr Infos:

Veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren). Abgelegt unter Bildungsmarketing.

Christian Wolf

Christian ist Wissenschaftsredakteur und Blogger, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine neuen Beiträgen von Christian zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Ein Interview mit einem Gründungsmitglied von iLearningGlobal Deutschland findet sich auch hier im Blog: https://www.fernstudi.net/blog/ilearningglobal-deutschland-interview-mit-einem-grundungsmitglied.html

Hi Markus,
der Unterschied liegt zum einen in der Gewinnung weiterer Vertriebspartner (das gibt es aber teils auch im Affiliate-Marketing, Stichwort Lifetime-Provisionen), zum anderen ist Affiliate-Marketing eine Ergänzung zum normalen Vertrieb der Hersteller. MLM wird meist als ausschließliche Vertriebsform genutzt.

Ein weiterer Unterschied ist der, dass ein Affiliate mehr Wahlfreiheit hat. Er vertreibt nicht nur ein einziges Produkt, sondern mehrere. Vorteil ist dabei auch der, dass die Hersteller quasi um Affiliates werben müssen.

Aber wie gesagt, bei beiden Formen wird der Vertrieb oder ein Teil dessen über externe Partner gestaltet. Im MLM-Geschäft gibt es da häufig Verkauffsschulungen, Seminare usw., das gibt es im Affiliate-Marketing bisher nicht (wobei es auch Möglichkeiten gibt, jemanden auf ein Produkt "einzuschwören").

Das Auslagern kann problematisch werden - stell Dir vor, Du gehst in ein Reisebüro, das der Fleischer von nebenan neu eröffnet hat, weil er sich ein paar Euros dazuverdienen will, da wird der nächste Urlaub doch zum Glücksgriff.

Die Problematik bei iLearning Global sehe ich vor allem in dem mehrstufigen Vertriebskonzept des MLM. Jeder Vertriebspartner muss weitere Vertriebspartner anwerben und kassiert dann mit. Affiliate-Marketing ist auch irgendwo Netzwerk-Marketing, da stimme ich Dir zu. Aber es ist doch flach von den Hierarchien her und grenzt sich von dem Produkt stärker ab. Zu iLearning Global gibt es ja nun schon zahlreiche Seiten im Netz, bei denen man oft glaubt, auf der Homepage des Anbieters selbst zu sein.

Übrigens ist Affiliate-Marketing, das zunehmend auch von Fernschulen und Fernhochschulen genutzt wird, im Prinzip auch eine Form des Network-Marketings, wenn auch deutlich abgemildert.

Das Grundproblem dabei ist allerdings, dass quasi jeder zum Vertriebspartner werden kann, Qualifikationen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Das Resultat ist, dass es mehr Verkäufer als Berater gibt, denn schnelles Geld lockt für den, der anderen Dinge gut "aufschwatzen" kann.

Gerade im Bereich Bildung besteht aber ein großes Bedürfnis nach Beratung und Information, denn die Entscheidung für oder gegen einen (Fern-)Studiengang oder Kurs ist oft stark bestimmend für den Verlauf des weiteren Lebens.

Daher denke ich, dass das Thema "Vertriebsformen im Bereich Bildung" durchaus wert ist, über iLearning Global hinaus umfassend debattiert zu werden.

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