Was ist eine Universität?

Universitäten, von unus, universus, universitas, universalis, universitas magistrorum et scholarium, sind nicht immer Gemeinschaften von Lehrenden und Lernenden, sollten es aber doch zumindest sein.

Laut Hochschulgesetzen zeichnet sich eine Universität in Deutschland vor allem durch das ihr (vom Staat) verliehene Promotionsrecht aus. Allerdings macht nicht allein das Recht auf Promotionen eine Universität, auch Kunsthochschulen oder Musikhochschulen dürfen mitunter Promotionsverfahren durchführen. Das Promotionsrecht (für ein Fach) wird durch das Wissenschaftsministerium an Universitäten verliehen. Voraussetzung ist eine ausreichend breite Vertretung des Faches an der Hochschule (vgl. LHG Baden-Württemberg § 38, PDF).
Im LHG von Baden-Württemberg (§ 2) findet sich ein weiteres Merkmal, das Universitäten von Fachhochschulen unterscheidet: „Den Universitäten obliegt in der Verbindung von Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung die Pflege und Entwicklung der Wissenschaften“ vs. „die Fachhochschulen vermitteln durch anwendungsbezogene Lehre und Weiterbildung eine Ausbildung, die zu selbstständiger Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden oder zu künstlerischen Tätigigkeiten in der Berufspraxis befähigt; im Rahmen ihrer Aufgaben betreiben sie anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung“.
Universitäten sollen sich vor allem durch den breiten Fächerkanon auszeichnen, den sie anbieten und vermitteln. Die Universitäten, an denen ich bisher studierte, haben nicht nur BWL oder Jura oder Maschinenbau angeboten, sondern auch Geschichte, Philosophie und Soziologie. Mit ist aufgefallen, dass der begriffliche Unterschied immer weiter verschwimmt. Viele Fachhochschulen geben sich den Namen „University of Applied Sciences“, eine Bezeichnung für Hochschulen im englischsprachigen Raum, und vermitteln damit oft den Eindruck, eine Universität zu sein.
Im Bereich Fernstudium, gibt es nur eine Fernhochschule, die sich mit Recht als Universität bezeichnet - die FernUni Hagen. Die FernUniversität Hagen ist die einzige, die alle oben genannten Merkmale erfüllt.
uni2.pngNichtsdestotrotz werben andere Fern(fach)hochschulen mit dem Prädikat Universität, wie die Werbung rechts und das Suchergebnis unten zeigen.
uni1.png
Scheint sich wohl eher um ein Versehen der Marketing-Abteilungen von AKAD und WBH zu handeln ;-)
  • Die Wilhelm Büchner Hochschule besitzt kein Promotionsrecht. Ihre Technik-Studiengänge sind stark anwendungsorientiert. Über Technik, BWL etc. geht das Studienprogramm nicht hinaus.
  • Die AKAD-Hochschulen sind Fachhochschulen. Keine hat Promotionsrecht (wobei an der WHL z. B. eine Promotion über die HHL Leipzig möglich ist).
  • Klett „besitzt“ dennoch eine Hochschule, die sich als Universität bezeichnen darf: Die DUW (Deutsche Universität für Weiterbildung) in Berlin, die allerdings den Studienbetrieb erst im WS diesen Jahres aufnimmt.
Ich hoffe, jetzt wird der Unterschied von Uni und FH einigen etwas deutlicher. Wer ein Fernstudium an einer richtigen deutschen Universität absolvieren will, weil er sich eben auch für Forschung und Wissenschaft an sich interessiert, dem bleibt nur die FernUni Hagen.

Veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 2 Jahren). Abgelegt unter FernUni Hagen, WBH, AKAD.

Christian Wolf

Christian ist Wissenschaftsredakteur und Blogger, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine neuen Beiträgen von Christian zu verpassen.

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