Öfter mal ein Instrument spielen

Okay, ich habe einige Tage nichts von mir hören lassen, aber ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass ich nicht allzu regelmäßig posten werden - ist ja auch keine Zeitung hier, sondern ein Blog. Wer News will, findet hier übrigens Pressemitteilungen in rauen Mengen.

Warum ich schreibe: Weil ich vor kurzem wieder damit angefangen habe, das Spielen eines Instrumentes zu üben. Ich habe den Vorzug, dass ich nie ein Instrument lernen musste, ein Vorteil, den ich zwar oft als Nachteil empfunden habe, weil ich mir eine Menge technisches Geschick nur sehr mühsam aneignen konnte und kann, aber ich fand so den Weg zu Musik selbstständig und zwanglos.
Ich meine, wer einmal versucht hat, autodidaktisch ein Musikinstrument zu lernen, oder auch mit Lehrer, ganz egal, der weiß, dass die meisten nach einer Weile des Übens wieder aufgeben, weil sich Erfolge nur langsam einstellen. Was auch häufig an den Lehrern liegt, die die Schüler mit Technik und Klassik überfordern, oft aber auch an der eigenen Ungeduld. Ich denke, dass der Schlüssel zum Erfolg auch im Üben direkt liegt, weil das Üben z. B. von Tonleitern immer etwas Meditatives hat.
Mittlerweile spiele ich seit ca. 10 Jahren, mit vielen Pausen dazwischen. Mit Lehrer und regelmäßigem Unterricht könnte ich jetzt bestimmt sehr gut spielen, vielleicht sogar konzertreif, aber darauf kommt es mir gar nicht an; das Gitarrespielen dient eher anderen Zwecken: Es bringt mich auf andere Gedanken, reizt andere Areale in meinem Gehirn als z. B. das Schreiben und fördert so meine Kreativität. Es unterstützt Motorik und Konzentration. Es dient auch als eine Art Ventil für Gefühl, als Kanal für Innerlichkeit sozusagen.
Ach ja, das Witzige ist auch, dass ich kaum Noten lesen kann und kaum nach Noten spiele. Als ich damit anfing, die Notenschrift zu lernen, vor ca. 2 Jahren, brachte mir das aber einen unglaublichen Schub, schon allein dadurch, dass ich mich zwangsweise auch mit der Rhythmik intensiver auseinandersetzen musste. Mittlerweile kann ich einigermaßen nach Metronom spielen. Einen anderen Schub gab es, als ich mir eine ordentliche klassische Gitarre kaufte (Höfner), grundlegende Sachen verbesserte wie Haltung, Spannung etc. Wichtig war es auch, mit reinen Technikübungen zu beginnen. Erst als ich damit anfing, war es mir möglich, auch Klassisches zu spielen (ich spiele sowohl klassische Gitarre als auch Rock, Pop, ein wenig Blues etc. - Jazz kommt wohl erst später, den hebe ich mir sozusagen noch auf).
Um zum Punkt zu kommen: Warum ich das hier schreibe ist, weil ich bei Youtube ein paar nette Videos entdeckt habe, in denen jemand versucht, dem Zuschauer Classical Gas (Mason Williams) beizubringen.
Wer Classical Gas nicht kennt: Hier anzuschauen in einer der m.E. besten Interpretationen des australischen Gitarren-Wunderkindes Tommy Emmanuel:

Wahnsinn, oder? Das Original hört sich etwas klassischer an. Einfach mal bei Youtube nach Mason Williams suchen, der es irgendwie steif, klassisch halt, spielt, etwas ausdruckslos auf den ersten Blick, ein wenig wie die Japaner.
Jedenfalls arbeite ich an diesem Stück schon seit mehr als 2 Jahren. Ich spiele es durchgehend, aber es ist trotzdem verdammt schwer, nicht nur aufgrund der Geschwindigkeit, sondern auch wegen seiner speziellen Rhythmik. Nachdem ich gestern auf diese Youtube-Videos gestoßen bin, ist mir wieder bewusst geworden, dass ich es immer noch kaum spielen kann (btw.: die Videos sind auch nicht perfekt, aber es wird ganz gut erklärt). Noch ein Schub: Sich von jemandem zeigen lassen, wie es wirklich geht. Praktisch, dass es Youtube gibt.
Das Problem ist nur, dass ich quasi noch einmal bei 0 anfangen muss, denn die Gewohnheiten, die sich beim Spielen über die Jahre eingeschliffen haben, sind nur sehr schwer wieder wegzubekommen.
Was ich nun alles sagen will:
Ein Instrument oder etwas in Richtung Kunst - Schreiben, Zeichnen etc. - kann Eurem Studium nur förderlich sein; ein guter Ausgleich zu dem ganzen intellektuellen Kram, den man die meiste Zeit im Studium betreiben muss.
Manchmal lohnt es sich auch, etwas ohne viel Einfluss und den Druck eines Lehrers zu lernen. Man wird dadurch freier, man ist nicht so sehr der Tradition verhaftet und kann ganz von allein zu ihr finden - siehe Tommy Emmanuel im Video oben, der sich das Spielen auf der Gitarre selbst beigebracht hat. Wer allerdings in einer Sache richtig gut werden will, braucht Lehrer, Vorbilder, die er beobachtet, nachahmt, letztlich übertrumpft (ein wenig so, wie es die Römer mit den Griechen bzw. der griechischen Literatur gemacht haben).
Und: Wenn Ihr schon autodidaktisch lernt, das gilt auch für das Fernstudium - nutzt wenigstens Software und die vielen Möglichkeiten, die das Netz bietet.
Noch etwas Anderes: Wie man vielleicht sieht, habe ich weiter an fernstudi.net gearbeitet, bis ich aber das Beta da oben aus dem Logo nehmen kann (und überhaupt erst einmal ein ordentliches Logo habe ;-)), wird es noch ein wenig dauern. Verbessert ist jetzt z. B. die Suche nach Fernstudiengängen, alle vier Verzeichnisse (Studiengänge, Kurse, Hochschulen und Schulen), werden nach und nach übersichtlicher und vor allem voller.

Beitrag veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr) .

Über Christian Wolf

Christian Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

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