Lektorat für Bachelorarbeiten – das gibt es zu beachten

Für viele Studenten stellt sich während des Schreibens ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit die Frage danach, ob es nicht besser wäre, den Text durch einen professionellen Lektor oder Korrektor überarbeiten zu lassen. Wer einmal mehrere Wochen über ein und demselben Text gesessen hat, weiß wahrscheinlich, was es heißt, betriebsblind zu werden. Selbst nach dem 10. wiederholten Lesen des Textes werden kleinste Tippfehler einfach übersehen und gehen dann möglicherweise mit auf die Reise zum Prüfer der Abschlussarbeit.

Andere wiederum sind sich nicht sicher mit den Regeln der neuen Rechtschreibung. Der Text, den sie geschrieben haben, ist vielleicht ein uneinheitliches Gemisch aus alter und neuer Rechtschreibung, das zwar Eindruck macht, aber eher einen schlechten.

Für alle, die überlegen, ihren Text professionell überarbeiten zu lassen, hier ein paar Tipps für die Suche des richtigen Lektors oder Korrektors.

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und Dissertationen: Lektorat oder Korrektorat?

Viele Anbieter von Text-Dienstleistungen unterscheiden zwischen einem sog. Lektorat und einem Korrektorat. Ein Korrektorat überarbeitet in der Regel zum einen nur die Orthografie einer Diplomarbeit, zum anderen kümmert es sich grob um die Einheitlichkeit des Textes. Einheitliche Rechtschreibung und Zeichensetzung sollten selbstverständlich sein, wichtig sind aber auch Dinge wie eine einheitliche Zitierweise, einheitliche Verwendung von Worten, die mehrere Rechtschreib-Varianten erlauben usw. Ein guter Korrektor kümmert sich aber auch um die stilistische Glättung, wo es wirklich nötig ist. Fragen Sie also immer, bevor Sie ein Korrektorat vereinbaren, ob die Überarbeitung grober stilistischer Mängel mit zum Service gehört, ob Stilmängel zumindest angemerkt werden. Denn eine alleinige Überarbeitung der Orthografie macht aus den wenigsten Abschlussarbeiten einen besseren Text.

Lektoren nehmen einen Text eher als Ganzes unter die Lupe. Je nach Vereinbarung untersuchen Lektoren allein den Stil Ihrer Arbeit, die inhaltliche Stimmigkeit oder als Fachlektoren den Inhalt als Ganzes. Ein Fachlektor ist teuer und meist unnötig; ein Lektor, der Ihnen beim wissenschaftlichen Arbeiten unter die Arme greift, kann hilfreich sein.

Am besten werden Sie wohl meist fahren, wenn Sie eine Mischung aus Korrektorat und Lektorat in Auftrag geben: Suchen Sie einen Korrektor, der natürlich Rechtschreibung und Stil glättet, Ihnen Hinweise zu offensichtlichen inhaltlichen Mängeln gibt, Hinweise zum Layout Ihrer Arbeit und Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten. Ein guter Lektor ist eine Art Coach, der ihnen dabei hilft, besser zu schreiben, der ihnen beibringt, wie man ein Manuskript systematisch überarbeitet.

Preise für Lektorat oder Korrektorat von Abschlussarbeiten

Im Textbereich wird häufig nach Normseiten abgerechnet. Eine Normseite entspricht meist 1800 Zeichen mit Leerzeichen. Achten Sie genau darauf, wie der Lektor, dem Sie evt. einen Auftrag erteilen wollen, „Normseite“ definiert. 1800 Zeichen inkl. Leerzeichen sind üblich, ab und an sind es aber auch nur 1500 Zeichen mit Leerzeichen.

Die Zeichenanzahl in Ihrem Dokument erfahren Sie mithilfe der Word-Option „Wörter zählen“. Teilen Sie die Anzahl der Zeichen inkl. Leerzeichen durch 1800 und Sie erhalten in etwa die Anzahl der Normseiten. Achten Sie darauf, dass der Text in den Fußnoten mit erfasst und gezählt wird.

Die Preise für Korrekturdienstleistungen sind so unterschiedlich wie die Qualität der Arbeit, die Sie erwarten können. Ein freiberuflicher Korrektor oder Lektor sollte im Schnitt auf mindestens 30–50,– € Stundenlohn kommen, von denen nach Abzug aller Aufwendungen nicht mehr viel übrig bleiben wird.

Sie werden problemlos einen Korrektor finden, der Ihre Arbeit für 1,– € pro Normseite liest. Ihre Arbeit umfasst 100 Normseiten? Sie werden also 100 Euro bezahlen. Ein guter Korrektor korrigiert pro Stunde vielleicht 8–10 Seiten. Bei 100 Seiten ist also mit einem Aufwand von 10–12 Stunden zu rechnen, inkl. Briefing zu Beginn, Schreiben von Mails, Telefonaten etc. Das entspricht also einem Stundenlohn von weniger als 10,– €.

Davon kann kein Freiberufler leben. Bleibt also nur die Möglichkeit, das Tempo zu erhöhen, auf Service zu verzichten etc. Darunter wird die Qualität der Arbeit leiden.

Ein Korrektorat sollte also bei 2,– € die Normseite mindestens liegen. Ein Lektorat wird entsprechend meist doppelt so teuer. Natülich kann man nicht pauschal sagen, das Lektorat wird so teuer, das Korrektorat so. Holen Sie sich Angebote von verschiedenen Dienstleistern ein. Aber seien Sie dabei bitte so freundlich, jedem, dessen Dienst Sie dann doch nicht in Anspruch nehmen wollen, eine Absage zu erteilen, anstatt sich nach eingeholtem Angebot gar nicht mehr zu melden. Freiberufler-Zeit ist wirklich kostbar.

Und: Vereinbaren Sie genau, welche Leistungen zu welchem Preis zu erbringen sind, das erspart Ihnen Ärger und Enttäuschungen. Ein guter Lektor/Korrektor wird Ihnen vorab ein schriftliches Angebot zukommen lassen.

Viel Erfolg Ihnen mit Ihrer Abschlussarbeit!

Beitrag zuerst veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 4 Monaten).

Über Wolf

Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Ich selbst arbeite seit mehreren Jahren als Sprachlektorin (für Englisch und Deutsch) an einer Uni, also im wissenschaftlichen Bereich. Das Abrechnen über Seiten ist oft schwierig und ermittelt nur selten, welche Zeit das Lektorat tatsächlich in Anspruch nehmen wird. In manchen Arbeiten finden sich auf 30 Seiten 10 Fehler und es müssen 3 Sätze umgestellt werden, in anderen Texten schreibe ich beinahe jeden Satz neu oder um. Ich rechne daher über Stunden ab. So kann nicht der eine kommen und sagen "für meine Seite hast du x € berechnet, bei dem und dem aber nur y €". Anhand einer Stichprobe ermittele ich im Vorfeld, wie viele Stunden es ungefähr werden und gebe einen realistischen Ausblick. Auch eine solche Vorgehensweise kann also durchaus sinnvoll sein.

Wolf

Das ist sicher vor allem bei kürzeren Texten sehr praktisch. Bei langen Texten, etwa bei Dissertationen, ist dann halt nur vorher schwer zu sagen, was die gesamte Korrektur kosten wird. Letztendlich rechne ich den Gesamtpreis auch immer im Kopf in Stunden um, bzw. in die Zeit, die ich dem Manuskript widmen werde. Sind es extrem viele Fehler, muss ich mich halt auf die Fehlerkorrektur beschränken; ist die Arbeit schon sehr sauber, kann ich mich mehr Inhalt und Stil zuwenden.

Ein wirklich gelungener Einblick in den Markt der Lektoren. Vor allem die Preisfrage ist hier auch entscheidend. Ein Korrektorat kann vielleicht bei einem Euro beginnen, allerdings nur dann, wenn der Text schon ziemlich gut geschrieben ist. Dann wird der Lektor praktisch "nur" für das Lesen bezahlt. Im Normalfall allerdings ist der Text einer Abschlussarbeit aber alles andere als gut geschrieben, vor allem bei Nicht-Muttersprachlern. Der Artikel gefällt mir. Gut geschrieben.

Ich finde den Artikel auch ganz wunderbar geschrieben, vor allem, was die Erwartbarkeit der entsprechenden Leistungen angeht, über die sich der Studierende klar werden muss.
Mir erschließt sich nur nicht ganz, warum ein Fachlektor unnötig sein sollte, wenn es doch gerade um die Prüfung der inhaltlichen Stimmigkeit geht.
Ein Fachfremder kann doch dies dann gar nicht beurteilen...

Wolf

Doch, kann er m.E. Wer für Leser schreibt (nicht nur für einen Prof. oder Prüfer), schreibt in der Regel auch so, dass Fachfremde den Text gut verstehen. Auch und gerade ein fachfremder Lektor kann ziemlich gut beurteilen, ob es sich nur um Geschwurbel handelt oder ob die ganze Sache Hand und Fuß hat und nützlich ist.

Das sind doch mal hilfreiche Informationen für Studenten. Neben der Korrektur von orthografischen, grammatischen und stilistischen Fehlern sollte der Lektor auch mit dem formalen Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit vertraut sein und z. B. wissen, wie Fußnoten und bibliografische Angaben fachgerecht formatiert werden. Zur Preisgestaltung sollte man noch hinzufügen, dass das Lektorat von Arbeiten von Nicht-Muttersprachlern oftmals ein Vielfaches an Arbeitsaufwand bedeutet, was sich letztendlich auch im Preis niederschlägt.

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