Latein lernen und Latinum nachholen: Bringt das heute noch etwas?

Für einige Studiengänge an einigen Unis ist  das Erlernen der lateinischen Sprache Pflicht, insbesondere im geisteswissenschaftlichen Bereich. Wer Geschichte studieren will, muss oft mit der Zwischenprüfung Lateinkenntnisse im Rahmen des Latinums nachweisen, auch im Philosophie-Studiengang wird häufig Latein gefordert.
Zu Recht, wie ich finde, denn die Beschäftigung mit der lateinischen Sprache ist nicht bloße Sprachspielerei, sondern ein Eintauchen in die Kultur der Antike, insbesondere diejenige der Römer, das den eigenen Horizonzt sehr erweitern kann.

Latein lernen: Das ist gleichzeitig ein Eintauchen in die Kultur der Antike (Bild: © Pippia West/Fotolia)

Als ich vor einigen Jahren mein Studium begann (Geschichte und Philosophie), war ich regelrecht versessen darauf, Latein zu lernen, so sehr, dass ich schon einige Monate vor dem Studium mit dem Selbststudium der lateinischen Sprache begann. Hilfreich waren mir dabei einige Lehrbücher, ein Vokabelprogramm und Karteikarten.

Als das Studium dann begann, wollte ich an einem Intensivkurs Latein teilnehmen, der auf das kleine Latinum in einem Semester vorbereiten sollte. Allerdings war der am ersten Tag dermaßen überfüllt, dass es überhaupt keinen Spaß machte - der Vorlesungssaal war doppelt so voll, wie er es eigentlich sein sollte. Also beschloss ich, weiter im Selbststudium zu lernen, zumindest das eine Semester.

Im nächsten Semester probierte ich es noch einmal und blieb tatsächlich dabei. Das war Latein im Schnelldurchlauf. Für das kleine Latinum (in Niedersachsen) ist es lediglich erforderlich, Caesar einigermaßen fehlerfrei übersetzen zu können, aber das in einem Semester (5 Tage die Woche jeweils eine Doppelstunde) durchziehen zu wollen, ist schon Wahnsinn.

Viel von der römischen Kultur lernt man dabei jedenfalls nicht. Weil mir das nicht ausreichte, verzichtete ich darauf, an der Prüfung zum kleinen Latinum teilzunehmen und beschloss, noch ein wenig selbst zu lernen und dann gleich das Latinum zu absolvieren.

Was soll ich sagen, ich habs geschafft, mit der Hilfe eines weiteres Kurses in den Semesterferien, beide Prüfungen zu mit guten Ergebnissen zu absolvieren (für das Latinum musste ich Cicero übersetzen).

Jedenfalls finde ich es schade, wenn solche Kultursprachen derartig im Schnelldurchlauf vermittelt werden. Dann kann man wirklich sagen, dass Latein tot ist - totgelehrt im Ein-Semester-Intensivkurs, in dem es in keiner Weise darum geht, Latein zu sprechen und zu erleben, sondern einfach nur aus De Bello Gallico zu übersetzen.

Deswegen möchte ich jedem, der Latein lernen will und muss (und es nicht direkt studiert): Nehmt Euch Zeit dafür. Taucht in Ruhe ein in die römische Welt und Kultur, versucht nicht einfach nur stur Grammatik und Vokabeln zu pauken, sondern Freude an der Sprache zu empfinden. Sie wird Euch insbesondere auch ein neues, besseres Gefühl für die eigene Sprache geben (und dafür, wie schwierig es für einen Ausländer sein muss, Deutsch zu lernen ;-)).

Ein anderes Mal schreibe ich ein paar Worte darüber, wie die Lateinprüfungen genau abliefen.

Hier die Lehrbücher, die ich damals benutzt habe:

Ich hatte noch mehr Bücher, kann sie aber gerade nicht alle finden. Ich kann nur empfehlen, für das Selbststudium immer viele Lehrbücher zu nutzen, wenn man in einem etwas nicht versteht, dann wahrscheinlich im anderen.

Software, die ich benutzt habe:

  • Rosetta Stone kannte ich damals leider nich nicht, hätte ich mir aber sofort zugelegt.
  • Der Georges (Lateinisch-Deutsches Handwörter, dass den Stowasser um Längen schlägt) auf CD-ROM von der Digitalen Bibliothek (Äußerst praktisch, weil so das Nachschlagen am Rechner viel schneller vonstatten ging.)
  • Schindlers PC-Latein (Dieses Programm ist richtig praktisch, weil es Wortformen analysieren kann; kann ich jedem Latein-Lerner nur empfehlen.)

Auf fernstudi.net gibt es übrigens noch eine Übersicht über Fernkurse Latein. Hier würden mich Erfahrungen von Teilnehmern interessieren, die damit erfolgreich die Latinums-Prüfungen bestehen können. Gibt es noch weitere Fernkurse von anderen Anbietern?

Wer von eigenen Erfahrungen mit dem Latein-Lernen berichten möchte, kann das hier gerne über die Kommentarfunktion tun.

Beitrag zuerst veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 2 Monaten).

Über Wolf

Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

Kommentare und Fragen

Markus Jung

Hallo Christian, Dein Beitrag erinnert mich wieder daran, dass ich mich auf dem Gymnasium für Französisch statt Latein entschieden hatte. Ein großer Fehler. Zum einen bin ich damit nicht zurecht gekommen, zum anderen fehlen mir die Latein-Kenntnisse heute manches Mal im Alltag bei Abkürzungen, Fremdwörtern etc., die ich mir nicht erschließen, sondern nur lernen kann. Ich kann also einen Lateinkurs nur empfehlen, selbst falls diese nicht obligatorisch für das Studium ist.

Wolf

Auf dem Gym ging es mir ähnlich, es war sogar noch ein bissel schlimmer, ich hatte mich damals für Russisch entschieden, weil mein Englisch-Lehrer, der auch Russisch-Lehrer war/ist mich quasi dazu überredet hatte.
Jetzt kann ich ein wenig Russisch, ein wenig Französisch, ein wenig Latein, aber nichts davon so richtig gut.

Nach meinen ganzen Selbstlern-Aktivitäten kann ich mittlerweile auch nur dazu raten, Kurse zu besuchen; Latein wird ja auch oft von Volkshochschulen angeboten, an den Unis gibt es auch Kurse für die Altphilologen, wo nicht so durchgerattert wird.

So habe ich es dann mit Altgriechisch gemacht, drei Semester lang einen Kurs mit einer richtig guten Dozentin besucht, das war viel effektiver als die ganze Selbstlernerei. Aber dazu schreibe ich hier später mal ein paar Worte ;-)

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